Nawid Madjidian, Kai Derkow und Michael Delle (v. l.) bereiten die Cocktails in der Küche vor.
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Nawid Madjidian, Kai Derkow und Michael Delle (v. l.) bereiten die Cocktails in der Küche vor.

Cocktails

Cocktails in Gießen: „Ananas Express“ mit viel Handarbeit und neuen Ideen

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Cocktails zu mixen ist eine Wissenschaft für sich. In Gießen gilt das auch für die Kreation dahinter. Die Verantwortlichen von »Ananas Express« sind nicht nur beim Zubereiten kreativ, sondern auch bei der Beschaffung und Veredelung der Zutaten.

Gießen – Nawid Madjidian, Kai Derkow und Michael Delle stehen in der Küche des Cafés Schwätzer und Söhne. Die drei jungen Männer versuchen sich aber nicht an einer Sacher-Torte, ein herzhaftes Focaccia steht auch nicht auf ihrer To-do-Liste. Madjidian, Derkow und Delle bereiten vielmehr Cocktails vor, die sie wenig später in der Weinbar »Drossel und Specht« servieren werden. »In der Bar führen wir die Zutaten lediglich zusammen«, sagt Madjidian, »unsere Hauptarbeit findet aber hier in der Küche statt.«

Ein bisschen Gin, ein bisschen Tonic, Gurke rein, Prost! Die Zubereitung eines Cocktails kann einfach sein, vor allem dann, wenn die Zutaten aus dem Supermarkt kommen. In manchen Bars kommt das Mixen hingegen einer Wissenschaft gleich, oft bedienen sich aber auch diese Bartender gekaufter Zutaten aus der Flasche. Die Jungs von »Ananas Express« gehen hingegen einen anderen Weg.

Cocktail-Service »Ananas Express« in Gießen stellt die Zutaten selbst her

Madjidian, Derkow und Delle haben vor zwei Jahren den Cocktail-Service »Ananas Express« ins Leben gerufen. Sie versorgten Gäste von Veranstaltungen mit Drinks und boten gleichzeitig einen Online-Versand der in Flaschen abgefüllte Cocktails an. Im Juni hat sich das Trio dann bei »Gutesöhne«, den Machern von »Drossel & Specht«, »Gutburgerlich« und dem Café »Schwätzer & Söhne« eingemietet. Sie können die Küche des Cafés nutzen und abends, wenn die Weinhandlung schließt, die Räume in eine Pop-up-Bar verwandeln.

Madjidian, Derkow und Delle legen großen Wert darauf, ihre Zutaten selber herzustellen. »Wir kochen den Sirup selbst, auch die Essenzen kaufen wir nicht ein, sondern stellen sie selber her«, sagt Derkow. Er selbst ist dabei so etwas wie der Miraculix, wie seine beiden Mitstreiter betonen. Mal werden die eingesetzten Kräuter blanchiert und in den Sirup püriert, mal landen Rosmarin und Co. vorher in der Gefriertruhe. »Wir probieren viel aus und versuchen, klassischen Cocktails unsere eigene Note zu verpassen«, sagt Madjidian. Und dabei kommen die drei nicht selten auf ganz neue Ideen der Zubereitung.

Während Derkow gerade eine Grapefruit schält und Madjidian Bourbon abfüllt, schraubt Delle eine Stickstoff-Kartusche auf einen Sahnesiphon. »Wir wollen durch den Druck Bourbon mit Tonka-Bohne versetzen«, erklärt er. Da sich beim Einkochen der Alkohol verflüchtigen würde, behelfen sich die drei mit diesem »Lifehack«.

Cocktail-Service »Ananas Express« in Gießen: Obst und Kräuter aus Hardtgärten

Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie die drei ticken. Viel Handarbeit trifft auf kreative Ideen. Vor allem aber setzen sie auf hochwertige Produkte. Nicht nur bei den Spirituosen, sondern auch bei den Zugaben. »Wir beziehen viel Obst aus den Hardtgärten in Heuchelheim. Ein Kollege aus dem Gutburgerlich betreibt dort ein Permakultur-Projekt und berät uns«, sagt Derkow. So könnten sie dort nicht nur Kirschblüten sammeln, sondern sich auch im Kräutergarten ausprobieren.

Generell sei es ihnen wichtig, viel mit Bio-Lebensmitteln zu arbeiten, sagt Delle. »Schließlich verwenden wir häufig auch die Schalen.« Auch Regionalität sei den drei jungen Männern wichtig, fügt Madjidian an. »Wir geben uns Mühe, Cocktails mit einem saisonalen Bezug anzubieten.« So würden etwa je nach Saison Kirschen, Pfirsiche oder Pflaumen in den Drinks landen. Teilweise würden sie aber auch auf exotische Zutaten zurückgreifen. »Wir versuchen den Spagat, neben der Regionalität auch dem Genuss gerecht zu werden.«

Bei den Kunden kommt das gut an, die Pop-up-Bar in der Weinhandlung ist regelmäßig gut besucht. So gut, dass sich Madjidian, Derkow und Delle durchaus vorstellen können, irgendwann einen eigenen Laden zu eröffnen. »Aber erst einmal sind wir froh, dass wir hier untergekommen sind«, sagt Delle. Kein Wunder: Die Macher von »Ananas Express« profitieren von der Infrastruktur und dem Kundenstamm des Gutburgerlich-Teams, das sich selbst wiederum über Mieteinnahmen freuen kann. Ein guter Deal, auf den die Gießener sicher schon mal angestoßen haben.

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