Die kleineren Objekte werden im Netanya-Saal zwischengelagert. Im Vordergrund fällt der große Kopf ins Auge, das ist das Modell für den Hermann-Levi-Kopf, der im Theaterpark in Bronze aufgestellt ist. FOTO: DKL
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Die kleineren Objekte werden im Netanya-Saal zwischengelagert. Im Vordergrund fällt der große Kopf ins Auge, das ist das Modell für den Hermann-Levi-Kopf, der im Theaterpark in Bronze aufgestellt ist. FOTO: DKL

Altes Schloss ist Baustelle

  • vonDagmar Klein
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Die Teilrenovierung des Alten Schlosses ist angelaufen. Beim Gang durch dieses Haus des Oberhessischen Museums mit Leiterin Katharina Weick-Joch zeigt sich, dass die aktuelle Räumung von Exponaten auch reichlich Ideen für die Neukonzeption der Dauerausstellung bietet.

Sie war lange angekündigt, die Renovierung im Alten Schloss, nun hat sie begonnen. Zentrale Maßnahme sind das Einbringen eines neuen Fahrstuhls und der Einbau einer behindertengerechten Toilette im Kellergeschoss. Sämtliche Arbeiten verursachen viel Staub, was Kunstwerken bekanntlich nicht gut bekommt. Wir begleiten Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch beim Gang durch das teilweise freigeräumte Haus.

Staubschutztür vor Ausstellungsräumen

"Die Vorbereitungen konnten durch den Corona-Lockdown etwas früher und auch ruhiger angegangen werden", erzählt sie. Das Alte Schloss wurde nicht wieder geöffnet wie die anderen beiden Museumshäuser. Zwar bleiben die großen Ausstellungsräume wie sie sind, erhalten aber eine Staubschutztür, sodass man bei Bedarf hineingehen kann. Was nahezu komplett geräumt werden musste, das sind die Werke an den Treppenaufgängen und die Inhalte der Vitrinen auf den Geschossabsätzen. Die ganz schweren Objekte, etwa ein mächtiger Schrank, erhielten eine Plastikumhüllung, andere, wie die historischen Grabsteine, bekamen einen eigenen Holzkasten übergestülpt. Sämtliche Fußböden im Treppenhaus sind jetzt mit hellen Planen abgedeckt.

Ebenfalls gesichert wurden die Holzobjekte aus dem sogenannten Porzellanraum, sogar die aus den Vitrinen. "Von altem Holz lässt sich feiner Baustaub nur schwer wieder entfernen", lautet die Erklärung. Das Team der technischen Museumsmitarbeiter hat für die Unterbringung der gotischen Holzskulpturen eigens eine große, schwere Kiste gebaut. Zuvor hatte ein Sachverständiger die Skulpturen begutachtet. "Das ist ein Zusatzeffekt der Baumaßnahme", erklärt Weick-Joch, "wenn wir schon räumen, dann schauen wir die Dinge genau an und überlegen, was zu tun ist". So wurde die Gelegenheit genutzt und die großen Landschaftsgemälde von Wilhelm Barthel und Otto Ubbelohde aus dem Treppenhaus zur Restaurierung gegeben. "Was bei beiden Bildern schon längst anstand."

Das Treppenhaus hat derzeit eine ungewohnte Anmutung von Leichtigkeit. Freigeräumt kann man die Besonderheit der Architektur erst richtig wahrnehmen. "Das sind wertige Materialien, die Wandplatten aus Muschelkalk, die Geländer aus Glas mit breiten Handläufen aus Holz." Und erstmals kann man an die Fenster zum Innenhof herantreten und den schönen Ausblick auf das alte Gemäuer mit Turm und das Grün des Botanischen Gartens genießen. "Das alles macht den Kopf frei und schafft Raum für neue Ideen für die künftige Dauerausstellung", freut sich die Museumsleiterin.

Wiedereröffnung im September

Die Wiedereröffnung ist für Anfang September geplant. Die bereits gestartete Sonderausstellung "Feuer und Flamme für Gießen" mit Plakaten der 1980er Jahre wird bis in den Januar 2021 verlängert. "Wir brauchen unter Corona-Bedingungen einfach mehr Zeit für das Rahmenprogramm. Denn Kern der Ausstellung war ja das Kommunikative, die Berichte von und die Gespräche mit Zeitzeugen."

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