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Die Verkäuferinnen wissen, was die Stammkundschaft liebt.

Altes Handwerk und der Hang zum Niederknien

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Heute gibt’s Schweineohren«, steht auf dem Schild vor dem Laden. Jeder Hundebesitzer weiß, dass er damit seinem Liebling eine ganz besondere Freude machen kann. Aber hier ist etwas anderes gemeint. Es geht um das gezuckerte Blätterteiggebäck, das auch Vegetariern Freude macht. Ein Kunde hatte sich die etwas aus der Mode gekommene süße Schweinerei gewünscht.

»Ich hatte auch mal wieder Lust darauf«, sagt Georg Lambertz. Also backte er Schweineohren.

Morgens um halb zehn Uhr in Deutschland. Zeit für das zweite (oder vielleicht erste) Frühstück. Auch in der Hofbäckerei Lambertz in der Krofdorfer Straße. »Zwei Winterbrötchen, ein Nougatstückchen und … oh nein, es gibt ja Franzbrötchen. Davon unbedingt auch eins.« Die Kundin strahlt. »Franzbrötchen sind immer ganz schnell ausverkauft«, sagt die Verkäuferin Janine Birkenfelder Gonzalez. Dabei handelt es sich nicht um kleine Baguettes, wie man vom Namen hätte ableiten können, sondern um ein Plunderstückchen mit Zucker und Zimt. Wer je in Hamburg oder im hohen Norden zu Hause war, liebt sie heiß und innig. Und wer sie in der hessischen Hofbäckerei entdeckt, offenbar auch. »Zum Niederknien«, sagt ein Kunde im Blaumann, dem man ein solches Bekenntnis auf den ersten Blick gar nicht zutraut. »Ich hab Spätschicht«, lässt ein weiterer Stammkunde die Verkäuferinnen wissen. »Jetzt will ich erst mal was Süßes.« Roswitha Dinges, die mit ihrer Kollegin hinter dem Tresen steht, hilft ihm bei der Auswahl.

Vor der Tür warten Leute, in den Laden dürfen derzeit nur zwei gleichzeitig. »Mann, das dauert ja heute«, sagt ein junger Typ, als er endlich eintreten darf. »Macht aber nichts«, fügt er hinzu und packt ein Bauernbrot in seinen Einkaufsbeutel. Es ist wie alles hier selbst gemacht. Backmischungen und Aufbackware gibt es nicht.

»Probier mal.« Ein Kunde hat dem Chef etwas mitgebracht. Selbst gebackenes Brot. Ein etwas kurioser Rollentausch, aber warum nicht? Seit der Mann vor zwei Jahren diese Kunst für sich entdeckt und Tipps von Lambertz erbeten hat, kommt er immer mal mit einem Stück vorbei. »Super geworden«, lobt der Meister.

»Bruchschokolade mit Nüssen, wie geil«, ruft eine Frau, als sie die Tüten auf dem Tresen entdeckt. Selbst gemacht? »Natürlich«, sagt Janine.

Wer eine Weile im Laden steht, merkt schnell: Hier geht es nicht nur ums Sattwerden, sondern auch um süße Sünden, altes Handwerk und immer wieder mal ums Niederknien. Das geht selbst mit Franzbrötchen oder Schweineohr in der Hand. (cg)

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