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Alter Schlachthof im 3Steps-Design

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Früher diente der Ort zum Töten von Tieren, heute ist er architektonisches Juwel: der Alte Schlachthof. Den von Unternehmer Dr. Wolfgang Lust vorbildlich sanierten Gebäudekomplex haben die 3Steps ganz neu in Szene gesetzt. Ihre Ausstellung in der Beta Box zeigt die "Ambivalenz" des Ortes.

Wenn am nächsten Sonntag der Alte Schlachthof mit dem ersten Platz im Wettbewerb um den Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet wird, dann wird die vorbildliche Sanierung der Anlage an der Lahn höchstoffiziell gewürdigt. Die heimischen Street-Art-Künstler 3Steps setzen dem besonderen Ort, auch auf Wunsch von Eigentümer Dr. Wolfgang Lust, mit ihrer Kunst aktuell noch ein ganz anderes Denkmal. Rund 30 Bilder vom und für den Alten Schlachthof sind im Laufe des vergangenen Jahres in ihrem Atelier entstanden. Gesprayt wurde nach fotografischen Vorlagen, aber auch auf Originalgegenständen, die Kai und Uwe Krieger sowie Joachim Pitt auf dem Areal vorgefunden haben. Was so entstanden ist, kann noch bis 23. August in der Beta Box im Schlachthof (Gottfried-Arnold-Straße 3) besichtigt werden. Am Wochenende war die gut besuchte Vernissage mit Wolfgang Lust als sichtlich stolzem Gastgeber. Und 3Steps gaben nicht nur mit einem für die "Tagesschau" gedrehten Filmporträt, sondern auch bei gleich zwei Künstlergesprächen Einblick in ihre ungewöhnliche Arbeit.

Wie kann man Zink versiegeln?

Auffälligstes Exponat der Schau ist eine der vier Turmuhren im 3Steps-Design. Drei Uhren sollen so insgesamt entstehen, die vierte bleibt im Originalzustand. Mit Sprühlack und Acryl haben die 3Steps Schlachthofmotive auf dem Zifferblatt samt Zeigern aufgebracht, die Uhr ist voll funktionsfähig, und zumindest ein Exemplar hat bereits einen Käufer gefunden. Nur gibt es noch ein kleines Problem: "Wir sind für jeden Tipp dankbar, wie man Zink versiegeln kann", berichtet Kai Krieger zur Vernissage. Schließlich sprayen die Street-Artists sonst bevorzugt auf starre Flächen wie Häuserfassaden. Nun standen sie mit dem Basismaterial - Fundstücken aus dem Alten Schlachthof - vor ganz neuen Herausforderungen. Ein altes Holzfenster, eine Postercollage auf Plakatwandresten oder Schranktüren und Schubladen erlebten nun ein künstlerisch wertvolles "Upcycling".

Viel Vorarbeit haben die Künstler am Rechner geleistet. Rund 100 Fotovorlagen, auch solche aus den Schlachthofabrisszeiten von Till Schürmann, haben die Künstler gesichtet, Motive separiert, mit der Hand Schablonen ausgeschnitten und Schicht für Schicht Lack gesprüht. Dabei sei es ihnen auch immer darum gegangen, die besondere Stimmung des Ortes einzufangen: die Kalthalle in Rottönen bei Sonnenaufgang oder in Blautönen in der Abendstimmung, aber auch die Holzverschläge im früheren Keller, in denen man leicht einen Horrorfilm hätte drehen können.

"Es ging uns nicht darum, eine Dokumentation des Ortes zu schaffen", betont Kai Krieger, sondern darum, die ›Ambivalenz‹ des Ortes, so der Titel der Schau, zu zeigen, also die Vergangenheit als Ort des Schlachtens und die Gegenwart als Co-Working-Space und Gießens ›It-Place‹". Frauen in Strapsen und hübsche Zeitungsleserinnen posieren nun auf den Bildern im grellbunt umgedeuteten historischen Ambiente.

"Auch eine Betonwand kann für uns ein schönes Objekt sein", scherzt Kai Krieger. Im Fall des an Motiven reichen Alten Schlachthofs dürfte die Ideenfindung aber doch sicherlich einfacher gewesen sein.

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