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Auf der Spitze des Heidenturms am Alten Schloss helfen kleine Holztritte beim Blick aus den Fenstern.

Alte Treppe führt zu neuer Haube

  • VonSebastian Schmidt
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Der Name Heidenturm verrät es: In früheren Zeiten wollte man wohl lieber nicht in den Turm am Alten Schloss hineingeraten. Heute ist das auch Diebsturm genannte Bauwerk ein verstecktes Ausflugsziel in Gießen, von dem viele gar nicht wissen, dass man hineindarf.

Der etwa 30 Meter hohe Turm steht zwar nicht einfach so offen, aber auf Nachfrage wird man von einem Museumsmitarbeiter auf den Hof des Schlosses geleitet und bekommt das Tor zum alten Bergfried aus dem 14. Jahrhundert aufgeschlossen. Zur Begrüßung winkt dort ein Schild: »Betreten auf eigene Gefahr«.

Betonartige Treppen führen in einer Kurve nach oben, auf der linken Seite befindet sich dabei unebenes Mauerwerk, rechts Holz. Schon nach wenigen Metern geht eine erste Tür von der Treppe ab. Dahinter befindet sich ein runder, hoher Raum, in dessen Mitte ein etwa hüfthohes steinernes Podest steht - das mit einer Glasscheibe abgedeckt ist. Ein Blick durch die Scheibe zeigt einen Schacht, der in die Tiefe reicht und in einer Art Grube endet. Waren in diesem Kerkerloch tatsächlich Menschen eingesperrt? Schnell weiter. Der nächste runde Raum, wieder mehrere Meter die Stufen hoch, ist leer, aber die bisherige Treppe wird nun durch eine augenscheinlich ältere abgelöst. Die ist eng, niedrig und hat grob behauene Steine zu beiden Seiten. Kurz gesagt: beklemmend. Beim Runtergehen später muss man gut aufpassen, sich nicht den Kopf zu stoßen.

Diese Etappe des Aufstiegs endet in einem dritten Raum mit einer spiralförmige Metalltreppe in der Mitte. Die führt schließlich zum obersten Stockwerk, der Haube des Heidenturms. Auffällig hier: Alles wirkt viel jünger als beim unteren Teil des Turms. Die braunen Steine sind alle identisch und ordentlich verputzt, das Gebälk macht einen soliden Eindruck und kleine Tritte helfen, durch die Fenster zu schauen. Ein Museums-Mitarbeiter verrät: Die Haube bekam der Turm erst nach seiner Restaurierung in den 70ern wieder. Der Blick vom Heidenturm geht zwar nicht so weit wie beim über 50 Meter hohen Stadtkirchenturm. Dafür gibt es bei diesem aber weder einen unheimlichen Kerker noch die beklemmende Steintreppe zu bestaunen. (seg)

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