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Alte UB Gießen: Nur "umfassende Sanierung" hilft

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Die Gießener CDU kritisiert den Zustand der Alten Universitätsbibliothek. Sie ist mit Graffiti übersät und wirkt verwahrlost. Mit der Sanierung wird es aber sobald nichts werden.

In drei Monaten müsste die Justus-Liebig-Universität eigentlich den 60. Geburtstag eines ihrer markantesten Gebäude feiern. Am 1. Juli 1959 hatte Bundespräsident Theodor Heuss die neue Universitätsbibliothek in der Bismarckstraße feierlich eröffnet. 60 Jahre danach indes bietet das Baudenkmal einen traurigen Anblick, die notwendige Sanierung schiebt das Land Hessen seit Jahren nicht zuletzt aufgrund eines Asbest-Problems vor sich her. Nun kommt von der Gießener CDU Kritik am Zustand der "Alten UB". Ihr Zustand sei "der eigentlichen Nutzung des Gebäudekomplexes und der Historie des Baus unwürdig", erklärt Partei- und Fraktionschef Klaus Peter Möller in einer Pressemitteilung.

Wie Möller schreibt, habe die Union Unipräsident Prof. Joybrato Mukherjee um "Auskunft zum Planungsstand", die Alte UB betreffend, gebeten. Angesichts des stadtbildprägenden Standorts sei die "offensichtliche Verwahrlosung von öffentlichem Eigentum" nicht länger hinnehmbar, betont der frühere Landtagsabgeordnete und sieht "zeitnahen Handlungsbedarf".

Alte UB Gießen: Uni bat um Sanierungskonzept

Der Universität sei bewusst, dass der bauliche und optische Zustand der Alten UB "sehr zu wünschen übrig lässt", erklärt die Pressestelle auf Anfrage. Fassade und Fensteranlagen müssten saniert und die technische Gebäudeausstattung erneuert werden, zudem seien in letzter Zeit viele Farbschmierereien hinzugekommen. Eine einfache Reinigung der durch Absonderungen umliegender Bäume und Luftemissionen stark verschmutzten Fassade sei nach Auskunft von Experten leider kaum möglich, so dass die Alte UB nur im Rahmen einer "umfassenden Sanierung hergerichtet werden kann".

Die JLU habe sich in den vergangenen Jahren bereits an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gewandt und den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) um ein Sanierungskonzept gebeten, das auch denkmalpflegerische Belange berücksichtige. "Leider ist wegen fehlender Mittel im Moment nicht absehbar, wann eine entsprechende Maßnahme realisiert werden kann", heißt es in der Stellungnahme.

Daher sei die Unileitung der CDU Gießen "sehr dankbar" für das Angebot, beim Wissenschaftsministerium dafür zu werben, die Sanierung der Alten UB, die finanziell und bautechnisch sehr aufwendig werden dürfte, zeitnah in Angriff zu nehmen.

Alte UB Gießen: Kein neues Problem

Möller hatte in seinem Schreiben an die Universität angeboten, sich an das Ministerium in Wiesbaden mit der Bitte zu wenden, die JLU in Sachen Sanierung zu unterstützen. Das Wissenschaftsministerium fiel mit Wiederauflage der schwarz-grünen Landesregierung an die Grünen, als Ministerin folgte die Marburgerin Angela Dorn dem Frankfurter CDU-Mann Boris Rhein nach.

Das Problem mit dem Sanierungsstau in und an der Alten UB ist nicht neu. Auch schon vor fünf Jahren, als die GAZ zuletzt nachhakte, hieß es, es sei unklar, wann eine Sanierung realisiert werden kann. Die aus vier Einzeltrakten bestehende "UB" entstand 1959 am Standort der Anfang des 20. Jahrhunderts gebauten Bibliothek, die bei den Luftangriffen im Dezember 1944 komplett abgebrannt war. Es handelte sich um den ersten größeren Neubau der zwei Jahre zuvor wiedergegründeten Universität Gießen. Leider wurde dabei auch Asbest verbaut. Unter anderem dies macht die Sanierung schwierig und teuer. Selbst die dringend notwendige Außenreinigung liegt wegen des Asbestproblems schon lange auf Eis. Dabei wollte ein Gießener Unternehmen der Universität zu ihrer 400-Jahr-Feier im Jahre 2007 die Grundreinigung der UB-Fassade sogar schenken. Daraus wurde nichts, weil man fürchten musste, dass die Außenwand schon nach wenigen Monaten neu verschmutzen würde.

Info

"Symbolischer Rang"

Die frühere Unibibliothek an der Ecke Bismarckstraße/Keplerstraße ist als erster großer Nachkriegsneubau der wiedergegründeten Universität von "symbolischem und geschichtlichem Rang", heißt es in der Gießener Denkmaltopographie. Die Alte UB wurde aus "künstlerischen und universitätsgeschichtlichen Gründen" unter Denkmalschutz gestellt. Der zwischen 1955 und 1950 errichtete Gebäudekomplex mit dem dunklen Magazinturm stieß aufgrund seiner modernen Architektur bei Teilen der Gießener Bevölkerung auf Kritik.

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