Ein Leuchtturm der Chemiegeschichte: Das Liebig-Laboratorium soll, so hoffen die Hausherren, Weltkulturerbestätte werden . ARCHIVFOTO: SCHEPP
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Ein Leuchtturm der Chemiegeschichte: Das Liebig-Laboratorium soll, so hoffen die Hausherren, Weltkulturerbestätte werden . ARCHIVFOTO: SCHEPP

"Als wäre der Stecker gezogen"

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Gießen(kw). "Als wäre plötzlich der Stecker gezogen worden." So beschrieb Prof. Eduard Alter seinen Gemütszustand bei der Absage sämtlicher Feiern zum 100-jährigen Bestehen des Liebig-Museums, das sich seit kurzem Liebig-Museum im Laboratorium nennt. Ein Jahr lang hatten der Vorsitzende der Justus-Liebig-Gesellschaft zu Gießen und seine Mitstreiter die Veranstaltungen für die letzte Märzwoche vorbereitet. Dann erzwang das Coronavirus eine Verschiebung. Der Zeitpunkt in einer wichtigen Phase der Vorbereitung des Antrags zum Weltkulturerbe sei besonders schmerzlich, sagte Alter.

Kommt Ausstellung im nächsten Jahr?

Eigentlich sollte am 25. März das "Museum auf Achse" auf dem Kirchenplatz eröffnen. Bis zum 21. Juni sollte die Wanderausstellung große und kleine Besucher mit einem "Historischen Streifzug durch das chemische Labor" begeistern. Damit wollte die Liebig-Gesellschaft das Bewusstsein für die Bedeutung ihres Namensgebers in die breite Bevölkerung tragen. Alter hofft, dass die Ausstellung des Carl-Bosch-Museums Heidelberg im nächsten Jahr in Gießen Station machen kann.

Noch bedauerlicher sei die Absage des Festakts am 27. März gewesen, berichtet der Vorsitzende. In Liebigs historischem Labor sollten wichtige Entscheidungsträger zusammenkommen und vor Augen haben, um welches einmalige Kleinod es geht: Ministerpräsident Volker Bouffier, der Kanzleramts-Staatsminister Helge Braun, Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, sowie Vertreter von Hochschulen und Schulen. "Das hätte ein Meilenstein werden können", seufzt Alter. In den Reden und im persönlichen Gespräch hätten die Gastgeber Überzeugungsarbeit geleistet für ihr Bestreben, dass das Laboratorium in den Kreis der Unesco-Weltkulturerbestätten aufgenommen wird.

Unter Denkmalschützern, die meistens Kunsthistoriker seien, mangle es leider an Bewusstsein für die Bedeutung naturwissenschaftlicher und technischer Erinnerungsorte, meint Alter. Er hofft, dass der Festakt noch in diesem Jahr nachgeholt werden kann.

Immerhin nicht vergebens war die Arbeit an der Broschüre und der Festschrift zum 100-Jährigen: Beides werde vorgelegt. Wegen der Corona-Krise verschoben wurde zunächst auch die Aufstellung einer großen Liebig-Holzstatue vor dem Laboratorium. Sie steht nun aber seit Samstag im Hof des Museums. Wie es mit der Aktion "Liebig lebt!" weitergeht, ist indes offen. Auch ob die geplanten Vorträge, Führungen und Experimentalvorlesungen stattfinden können, kann derzeit noch nicht beantworten werden.

Der Chemiker Justus Liebig- war von 1824 an 28 Jahre lang an der Universität Gießen tätig, die heute seinen Namen trägt. Hier gelangen ihm nicht nur bahnbrechende Erfindungen, er revolutionierte auch die naturwissenschaftliche Lehre. Namentlich der Gießener Mediziner Prof. Robert Sommer und der Darmstädter Dr. Emanuel August Merck setzten sich für den Erhalt der Arbeitsräume ein, die 1920 als Liebigmuseum eröffneten.

"Wir leben von bescheidenen Mitgliedsbeiträgen und Spenden", betont Eduard Alter. Die Gesellschaft erhalte keinerlei regelmäßige Zuwendungen von Land oder Stadt. Dabei müsse sie in absehbarer Zukunft teure Renovierungen angehen. Fassade, Dach und Heizung seien dringend erneuerungsbedürftig. "Das können wir nicht alleine stemmen."

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