Alpenverein Gießen

Alpenverein: Steht jetzt ein Führungswechsel an?

  • Burkhard Möller
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Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Alpenvereins Gießen am Donnerstag soll es einen neuen Bewerber für den Vorsitz geben. Die Presse darf an der Sitzung nicht teilnehmen.

Eine erfolgreich verlaufene Hessen-Meisterschaft im Sportklettern und keine neuen Negativschlagzeilen mehr. Um den Alpenverein ist es in den letzten Wochen ruhig geworden. Ob die hiesige Sektion nach den Turbulenzen des Sommers endgültig in ruhigeres Fahrwasser steuert, entscheidet sich aber erst nächsten Donnerstag ab 19 Uhr bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Kletterzentrum an der Rödgener Straße. Hinter der Frage, ob es dann zu einem Führungswechsel kommt, steht auch knapp eine Woche vor der Versammlung ein Fragezeichen. "Bis zur Wahl ist nichts wirklich sicher", erklärte Vorsitzender Gunnar Theiß auf Anfrage.

Ein Kandidat steht bereit

Wie die GAZ erfuhr, hat sich ein Gruppenleiter aus der Sektion bereit erklärt, mit einem eigenen Team für den Vorsitz zu kandidieren. Dies geht aus einem Rundschreiben hervor, das der designierte neue Vorsitzende an die Mitglieder des erweiterten Vorstands der Sektion verschickt hatte. Theiß und sein bisheriger Stellvertreter Volker Dietz sind demnach in die jüngsten Gespräche zur Vorbereitung der Mitgliederversammlung eingebunden. Auf Anfrage, ob das seinen Rückzug vom Vorstandsamt bedeute, hielt sich der in der Sektion umstrittene Theiß zurück.

Presse nicht erwünscht

Klar ist dagegen, dass die Presse – anders als bei der chaotisch verlaufenen Mitgliederversammlung im Juli – nicht zugelassen wird. Erstens seien Mitgliederversammlungen grundsätzlich nicht öffentlich, und zweitens stünden am Donnerstag fast nur Wahlen an, erklärte Theiß. "Zum Schutz der Kandidaten" würden die Medien nicht zugelassen; sie werden am späteren Abend aber im Rahmen eines Pressegesprächs über den Ausgang der Wahl informiert.

Bei der Versammlung vor drei Monaten war Theiß zur Wiederwahl angetreten, hatte aber die Mehrheit deutlich verfehlt, woraufhin der gesamte geschäftsführende Vorstand auf eine Wiederwahl verzichtete. Seitdem amtiert der engere Vorstand nur kommissarisch. Erst auf Druck des Alpenverein-Dachverbands beraumte Theiß schließlich die außerordentliche Mitgliederversammlung an. Auf deren Tagesordnung steht vorsorglich auch der Punkt "Beschluss über das Amtieren des geschäftsführenden Vorstandes", sollte die Neuwahl scheitern.

Probleme im Verein

Die Sektion hat seit geraumer Zeit Probleme mit der Finanzierung des Baus der Kletterhalle. Hinzu kommt der Führungsstil von Theiß, der auch bei früheren Vorstandswahlen schon etliche Gegenstimmen erhalten hatte. Diese Gemengelage entlud sich bei der Versammlung im Juli. Mittlerweile hat sich die finanzielle Lage des Vereins laut Rundschreiben des Vorsitzenden vom 29. August etwas entspannt. Die Verbindlichkeiten seien um rund eine halbe Million auf zwei Millionen Euro zurückgeführt worden, unter anderem durch den zwischenzeitlich erfolgten Verkauf des früheren Sektionshauses in der Schillerstraße. "Die Fälligkeit des Kaufpreises steht in den nächsten Tagen an", sagte Theiß am Mittwoch.

Altes Sektionshaus verkauft

Gleichwohl gibt es – laut Rundschreiben von Ende August – noch eine Lücke in Höhe von rund 300 000 Euro, um Kredite abzulösen, die Ende des Jahres fällig werden. In diesem Zusammenhang bringt Theiß neben den bereits beschlossenen Umlagen "Mikro-Darlehen" ins Gespräch, mit denen Mitglieder die Sektion unterstützen könnten. Der Vorstand geht davon aus, dass die Kletterhalle "in wenigen Jahren" derart rentabel sein wird, dass mit den Einnahmen des Kletterbetriebs auch die Jugendarbeit unterstützt oder Arbeiten an der in Kärnten gelegenen "Gießener Hütte" durchgeführt werden könnten. Die Ausschreibung der Stelle eines Betriebsleiters für die Kletterhalle, dessen Einstellung die Versammlung im Juli beschlossen hatte, werde "derzeit erarbeitet", schrieb Theiß Ende August.

Sonderumlagen rechtens?

Eine weitere Baustelle des Alpenvereins betrifft die Satzung. Denn die bietet, legt man die immer noch auf der Homepage veröffentlichte und 2012 von den Mitgliedern beschlossene Version zugrunde, keine ausreichende Rechtsgrundlage zur Erhebung von Sonderumlagen, um den Bau des Kletterzentrums zu finanzieren. Daher hatte Theiß nach eigenen Angaben Anfang August beim Bundesverband in München eine von den Mitgliedern 2014 beschlossene Satzungsänderung zur Genehmigung vorgelegt. Die Frage, welche Satzung nun gilt und welche Version im Vereinsregister hinterlegt ist, dürfte am kommenden Donnerstag ebenfalls zum Thema werden.

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