Massenschlägerei

Alle Zeugen mit Erinnerungslücken: Freisprüche nach Massenschlägerei

Nach einer brutalen Massenschlägerei in der Gießener Dammstraße sind zwei Verdächtige freigesprochen worden. Alle gehörten Zeugen beriefen sich auf Erinnerungslücken.

Nach einer wilden Massenschlägerei in der Dammstraße sind am Freitag am Gießener Amtsgericht die Urteile gegen zwei Angeklagte gefallen. Die beiden 23 Jahre alten Männer, die laut Ermittlern den "Hells Angels" angehören sollen, wurden freigesprochen.

Ich weiß gar nicht, worum es heute geht

24-jähriger Zeuge vor Gericht

Zum Hintergrund: Eine Gruppe von Freunden feierte in der Nikolausnacht 2015 ausgelassen und feuchtfröhlich in der Ludwigstraße, auf dem Nachhauseweg gegen 4 Uhr am Morgen legen sie noch einen Abstecher ins Döner-Dreieck ein. Dort gerieten sie urplötzlich in eine Prügelei. Angreifer rannten aus der "City Lounge", sprangen aus Fenstern aus der Gaststätte, prügeltenn um sich, ein Mann ihnen lag am Ende blutüberströmt auf der Straße.

Keine Erinnerung vor Gericht

Aufgrund von ersten Zeugenaussagen hatte ein Anfangsverdacht gegen die beiden 23 Jahre alten Angeklagten bestanden. Im Zuge der Hauptverhandlung konnte ihre Schuld aber nicht bewiesen werden. Auch am zweiten Verhandlungstag beriefen sich vor Gericht alle Zeugen auf Erinnerungslücken. "Ich weiß gar nicht, worum es heute geht", sagte etwa ein 24-jähriger Student. Ein anderer Zeuge signalisierte ein komplettes Blackout, konnte sich dann bruchstückhaft aber doch an die eine oder andere Begebenheit erinnern - ohne allerdings die Angeklagten zu belasten.

Ein 26-Jähriger erklärte, er sei gewürgt worden, habe das Bewusstsein verloren. "Am Ende hatte ich ein blaues Auge, meine Nase war schief." Der Polizei hatte er noch gesagt, einen der beiden Angeklagten unter den Schlägern identifiziert zu haben. Vor Gericht konnte er sich hingegen kaum noch erinnern.

Angeklagter: Habe verletztes Opfer aus Masse gezogen

So blieb vor Gericht offen, wer in welcher Rolle an der wilde Schlägerei beteiligt gewesen war. Die Angeklagten selbst erklärten, sie seien damals tatsächlich vor Ort gewesen, hätten bei der Schlägerei aber geholfen. "Ich habe ein verletztes Opfer aus der Masse gezogen", sagte einer von ihnen.

+++ Lesen Sie auch: Hells Angels sehen sich nach Gießener Massenschlägerei als Helfer +++

Am schwersten verletzt wurde bei der Schlägerei ein 31-Jähriger aus Lollar. "Ein Freund wurde attackiert", berichtete er vor Gericht. "Ich bin dazwischen gegangen, und schon war ich selbst das Ziel der Angreifer." Sechs Männer hätten auf ihn eingeschlagen. "Die Fäuste flogen auf mich zu, irgendwann bin ich zu Boden gegangen. Dann waren es gefühlt 100 Tritte."

An ein Messer könne er sich nicht erinnern. Nach der Attacke habe er allerdings Stichverletzungen im Rücken, im Bein und an einer Hand entdeckt. Noch zwei Jahre später, spüre er Schmerzen in der Hand. "Das wird immer so bleiben."

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