Astrid Prinz
+
Astrid Prinz

Für alle da sein

  • vonRedaktion
    schließen

Gießen(pm). Astrid Prinz (45) lebt seit zehn Jahren mit ihrer Familie in der Nordstadt. 200 Meter vom Zentrum der Thomasgemeinde entfernt. Ihre Kinder wurden hier getauft und besuchen die Kita und die Schule im Viertel. Seit Anfang August ist sie nun selbst Seelsorgerin der Thomaskirche und damit Pfarrerin der zu Beginn des Jahres gegründeten Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Gießen Nord. Neben Thomas gehören die Paulusgemeinde in der Egerländer Straße und die Wiesecker Michaelsgemeinde dazu.

Astrid Prinz fühlt sich seit Langem in der Nordstadt wohl. Fast jeder Straßenzug hat sein eigenes soziales Gepräge, erzählt sie. Doppelhaushälften, Wohnblocks und Grünflächen wechseln sich ab. Menschen aus der gut situierten Mittelschicht leben mit Hartz-IV-Empfängern in unmittelbarer Nachbarschaft. "Positive Buntheit" nennt die Pfarrerin diese offene und vielfältige Mischung. In der direkt an die Thomaskirche angrenzenden Käthe-Kollwitz-Schule lernen Kinder aus unterschiedlichen Milieus miteinander. "Das bekommt die Schule sehr gut hin, dass das ohne Konflikte geschieht!" Doch die Kirche stellt die Verschiedenheit im Viertel vor die Herausforderung, für Menschen mit unterschiedlichsten kulturellen Interessen attraktiv zu sein.

Elf Jahre lang war die Pfarrerin an der Martin-Luther-Schule, einer Schule für psychisch kranke Kinder und Jugendliche, in Buseck tätig. Auch dort hatten viele Familien wenig oder keinen Kontakt zur Kirche, ähnlich wie in der Nordstadt. "Ich spüre, die Religion ist aus den Wohnblocks keineswegs verschwunden." Auch wenn die Leute nicht aktiv am Gemeindeleben einer Kirchengemeinde teilnehmen. In Begegnungen in der Kita oder Schule erfährt sie: "Religion ist den wenigsten egal."

Astrid Prinz ist in Frankfurt geboren und zwischen der Mainmetropole und Hanau aufgewachsen. Nach dem Abitur arbeitete sie während eines Freiwilligen Sozialen Jahres in einer diakonischen Einrichtung mit behinderten Menschen zusammen. Obwohl sie sich gut vorstellen konnte, Förderschullehrerin zu werden, entschied sie sich für das Theologiestudium. "Ich wollte mehr über den Glauben wissen." Sie ist erst mit 17 Jahren getauft worden und erlebte Religion und Theologie noch spät als "Neuentdeckung". Die praktische Ausbildung zur Pfarrerin, das Vikariat, absolvierte sie in zwei kleinen Dörfern im Vogelsberg und während eines Aufenthaltes in Israel. In Treis übernahm sie ihre erste Pfarrstelle. "Schließlich habe ich mich nach drei Jahren entschieden, die Theologie mit meiner anderen alten Liebe, der Förderschule, zu verbinden und ging 2009 als Schulpfarrerin nach Buseck."

Neues wird schon jetzt ausprobiert. Am 12. September werden die Konfirmanden mit halbjähriger Verspätung unter freiem Himmel in der Wieseckaue eingesegnet. Dort, wo 2014 die Lichtkirche der Landesgartenschau stand. FOTO: PM

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare