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Ali Al-Dailami (l.) und Matthias Riedl haben ein erfolgreiches Wochenende hinter sich. ARCHIVFOTO : SCHEPP

Gießener Linke

Ali Al-Dailami über seine Zukunft zwischen Gießen und Berlin

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Gießen bildet bei den hessischen Linken künftig einen starken Block: Matthias Riedl ist am Samstag in den geschäftsführenden Landesvorstand gewählt worden. Einen Tag später sicherte sich Ali Al-Dailami Platz 2 der Kandidatenliste für die Bundestagswahl. Für seine Arbeit als Gießener Stadtverordneter sieht er darin keine Probleme - im Gegenteil.

Ali Al-Dailami ist so etwas wie der Shootingstar der Linken. Das zeigte sich auch am Sonntag beim Parteitag der hessischen Linken in der Gießener Hessenhalle. Der 39-Jährige ist auf Platz 2 der Kandidatenliste für die Bundestagswahl im Spätsommer dieses Jahres gewählt worden. »Das freut mich natürlich sehr«, sagt der Gießener. Das Ergebnis überrascht vor allem, da Al-Dailami ursprünglich für Platz 4 kandidieren wollte. »Ich habe aber im Vorfeld unglaublichen Zuspruch von der Basis bekommen und so viele Nachrichten erhalten wie noch nie. Alle haben gesagt, ich solle auf Platz 2 kandidieren.«

Al-Dailami freut sich aber nicht nur für sich, sondern auch für seinen Gießener Kollegen Matthias Riedl. Der wurde bereits am Samstag in den geschäftsführenden Landesvorstand gewählt. »Das ist natürlich genial«, sagte Al-Dailami und hob hervor, dass die Stadt Gießen nun äußert prominent bei den hessischen Linken vertreten sei.

Wobei Al-Dailamis Ziel nicht in Wiesbaden liegt, sondern in Berlin. Der Einzug in den Bundestag würde für den 39-Jährigen bedeuten, zwischen Reichstagsgebäude und Gießener Rathaus regelmäßig pendeln zu müssen. Einige sehen diesen Umstand kritisch, zumal Al-Dailami nicht nur Stadtverordneter ist, sondern auch Fraktionsvorsitzender der Gießener Linken. Er selbst sieht in der Konstellation aber kein Problem. Im Gegenteil: »Diese zwei Parlamente ergänzen sich. Vieles, was in Berlin entschieden wird, hat Auswirkungen auf die Kommune. Davon können wir profitieren.«

Da er in Berlin bereits in der Bundesarbeitsgemeinschaft Migration, Integration und Antirassismus tätig ist und zudem seit acht Jahren den Vorsitz des Kreisverbandes der Linken in Gießen innehat, sei ihm diese Arbeitsaufteilung bereits bekannt. »Ich weiß also, was auf mich zukommt und werde beide Aufgaben gut zusammenbringen können.«

Während die Arbeit in Berlin noch Zukunftsmusik ist, wird Al-Dailami derzeit in seiner Heimat stark gefordert. Die Gießener Linke bildet künftig wohl zusammen mit der SPD und den Grünen eine Mehrheitskoalition. Wobei die Mehrheit derzeit denkbar knapp ausfällt. Ein Politiker der SPD ist schwer erkrankt und vorerst nicht in der Lage, sein Mandat auszuüben. Grüne, SPD und Linke haben daher nur eine Stimme Mehrheit - und mit der DKP-Vertreterin Martina Lennartz ein Mitglied, das klar gemacht hat, sicher nicht alle Positionen der Koalition mitzutragen. Die Koalitionspartner von den Grünen haben schon mehrfach betont, dass ihnen die Beteiligung der Deutschen Kommunistischen Partei am Mehrheitsbündnis Bauchschmerzen bereite.

Al-Dailami will der Causa Lennartz nicht zu hoch hängen. »In den meisten Fragen wird Frau Lennartz mitgehen«, glaubt der Vorsitzende. Generell gelte es in solchen Fällen, gute Überzeugungsarbeit zu leisten. »Das ist mein Verständnis von Demokratie«, sagt Al-Dailami und betont, dass auch knappe Mehrheiten viel erreichen könnten.

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