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Alexander Wright ist schon lange in der Politik. Für das Amt des Oberbürgermeisters würde er seinen Job als Lehrer aufgeben.

Neuer OB-Kandidat

Alexander Wright will Gießens nächster Oberbürgermeister werden

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Mit 33 Jahren dürfte der Grünen-Politiker Alexander Wright der mit Abstand jüngste Kandidat in Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters sein. Das heißt aber nicht, dass er politisch noch grün hinter den Ohren wäre. Im Gegenteil.

Die Ankunft von Alexander Wright kündigt sich mit einem Knirschen an. Der Mann, der nächster Oberbürgermeister der Stadt Gießen werden möchte, kommt auch bei Schnee und Kälte mit dem Fahrrad zum Interviewtermin. »Zu Fuß wäre es ein bisschen weit gewesen«, sagt der 33-Jährige, der mit seiner Familie im Südviertel lebt. Die Option Auto hat der Grünen-Politiker offenbar gar nicht erst in Betracht gezogen. Zumindest in der Art der Fortbewegung unterscheidet sich Wright also nicht von jener Frau, deren Amt er Ende des Jahres übernehmen möchte. Und auch die Leidenschaft fürs Musizieren teilt er mit Dietlind Grabe-Bolz. Die Parallelen halten aber nur dem ersten Blick stand. Denn während Grabe-Bolz meist mit dem City-Rad in der Stadt unterwegs ist, macht Wright mit seinem Mountainbike eher die umliegenden Wälder unsicher. Und statt Kinderliedern spielt er lieber Punkmusik.

Seit Montag ist bekannt, dass die Gießener Grünen Alexander Wright ins Rennen um das Amt des Oberbürgermeisters schicken. »Ich hatte schon länger gesagt, dass ich mir das vorstellen könnte«, betont Wright, »am Ende war es dann eine Gruppenentscheidung.« Wright dürfte wohl der jüngste Kandidat bleiben. Ein Problem sieht er darin aber nicht: »Es geht um die Person und das, was sie mitbringt. Da sehe ich mich gut aufgestellt.« Denn der Gießener hat bereits jede Menge Erfahrung im politischen Geschäft gesammelt.

Wright ist mit seinen Eltern und den beiden Geschwistern in Selters aufgewachsen. Ziemlich idyllisch und naturverbunden, wie er sagt. »Wir hatten einen Hund, Hühner, Bienen, Hasen und Meerschweinchen.« Seinen Eltern, beide Köche, hätten großen Wert darauf gelegt, die Kinder zu größtmöglicher Selbstständigkeit zu erziehen.

Wie das aussehen kann, hatte der Vater bereits in jungen Jahren vorgemacht. »Die Suche nach einem großen Abenteuer hat ihn nach Deutschland geführt«, sagt Wright schmunzelnd. Demnach sei der Papa als 18-Jähriger aus England nach Deutschland gekommen, um ein Motorrad zu kaufen. »Er wollte damit eine Weltreise machen«, erzählt der Sohn. Weit sei er nicht gekommen. Die guten Jobaussichten in Germany seien ein Grund gewesen, warum der Vater blieb. Der andere: Wrights Mutter.

Auch Wright fasste mit 18 Jahren einen weitreichenden Entschluss. Er wurde Mitglied bei den Grünen. Bereits ein Jahr später saß er im Kreistag Limburg-Weilburg. »Das war die Zeit von Oskar Fischer und Jürgen Trittin. Ich habe gesehen, was die Grünen damals alles erreicht haben und wollte nicht, dass dieser Schub aufhört«, sagt er zu seinen Beweggründen und nennt als Beispiel den damals kontrovers diskutierten Dosenpfand. »Bei uns vor dem Dorf führt ein Graben entlang, der immer voller Müll war. Nach Einführung des Dosenpfands hat sich das in wenigen Monaten reduziert.« Auch Wind- und Solarenergie hätten ihn schon damals fasziniert.

Ein Faible für Technik trage er schon lange in sich, sagt Wright. »Ich habe als Kind Radios auseinander- und wieder zusammengebaut.« Seine Berufswunsch sei daher schon als Jugendlicher klar umrissen gewesen. »Ich wollte entweder Jura, Musik oder Elektrotechnik studieren.« Ersteres erledigte sich nach einem zweiwöchigen Schulpraktikum am Amtsgericht. »Ich fand es total langweilig«, sagt Wright lachend und fügt an, dass ihm die Oma dann das mit der Musik ausgeredet habe. »Außerdem musste man für ein Musikstudium drei Instrumente spielen können. Ich konnte nur Trompete und Gitarre.« Und so studierte Wright an der FH Gießen-Friedberg, der heutigen THM, Elektrotechnik. Nach einigen Stationen in der Wirtschaft ist er nun Lehrer an einer Berufsschule in Wetzlar.

»Ein Job, der mich ausfüllt«, sagt Wright, der seit 2009 in Gießen lebt. Für das Amt des Oberbürgermeisters würde er ihn dennoch aufgeben. »Natürlich habe ich lange überlegt. Der Wille zu gestalten ist größer. Solch eine Chance erhält man nicht allzu oft im Leben.«

Zumal die Vorzeichen günstig stehen. Bei den vergangenen Wahlen haben die Grünen Rekordergebnisse erzielt. Und durch das Ausscheiden der bei vielen Städtern beliebten Grabe-Bolz werden die Karten neu gemischt. Der Rückzug der Amtsinhaberin hatte daher auch großen Einfluss auf Wrights Entscheidung. »Ich hätte mich schwergetan, gegen sie zu kandidieren«, sagt er offen und ehrlich. Das liegt neben der Tatsache, dass viele Grünen-Wähler Grabe-Bolz unterstützt haben, auch an Wrights Respekt vor der OB. Zumindest sagt er: »Man sollte nur antreten, wenn man der Überzeugung ist, der Beste für den Posten zu sein.«

Sollte Wright die Wahl gewinnen, wird sich sein Leben grundlegend verändern. Die Auftritte seiner Frankfurter Eintracht verpasst er womöglich wegen Sitzungen in städtischen Gremium. Punk- und Rockmusik wird er zwar weiterhin hören, aber womöglich seltener machen können. Vor allem aber dürfte die zusätzliche Arbeit mit den vielen Abendterminen dafür sorgen, dass Wright seine Ehefrau, die als Ärztin in Bad Salzhausen arbeitet, und seinen fünf Jahre alte Sohn seltener zu Gesicht bekommt. Trotzdem freue sich die ganze Familie über die Kandidatur, betont er. »Die Euphorie nach der Bekanntgabe war groß«, sagt Wright und fügt mit einem Lächeln hinzu: »Beim Blick auf die Zeitung hat mein Sohn heute gerufen: Papa, da bist du ja drin.« Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein - wie auch immer die Wahl ausgehen wird.

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