Der Albtraum im Internet

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"Es ist überall all", heißt der Text von Farnaz Nasiriamini. "Es" – das ist der Albtraum schlechthin für eine Schülerin. Weil "er" ein intimes Video der beiden ins Internet gestellt hat. Spott und Häme muss das Mädchen über sich ergehen lassen, Scham und der Verlust ihrer Würde lassen sie in ihr Zimmer verkriechen.

"Es ist überall all", heißt der Text von Farnaz Nasiriamini. "Es" – das ist der Albtraum schlechthin für eine Schülerin. Weil "er" ein intimes Video der beiden ins Internet gestellt hat. Spott und Häme muss das Mädchen über sich ergehen lassen, Scham und der Verlust ihrer Würde lassen sie in ihr Zimmer verkriechen.

Ein aktuelles Thema, weswegen Farnaz Nasiriamini aus Butzbach die Aufmerksamkeit der Schüler der Landgraf-Ludwigs-Schule sicher war. Für sie las sie jenen Text, mit dem sie sich beim 15. Jugend-Literaturpreis der OVAG im vergangenen Jahr unter die 24 Gewinner geschrieben hatte. Derzeit lesen die Preisträger in unterschiedlicher Zusammensetzung an rund vierzig Schulen im Landkreis Gießen, in der Wetterau und im Vogelsberg, so auch, traditionell, am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium.

Lesungen in rund 40 Schulen

In knappen stakkatoartigen Sätzen bringt die 23-jährige Studentin das Drama auf den Punkt. Ob sie dafür eine Lösung habe, wurde sie im Anschluss an ihre Lesung gefragt. "Nein, die ideale Lösung gibt es wohl nicht", antwortete sie. "Es hilft nur eines: Immer wieder aufklären, welche Konsequenzen derartige, ins Internet gestellte Filme haben können." Sie selbst sei auf das Thema gekommen, weil es an ihrer früheren Schule in Butzbach einen ähnlichen Fall gegeben habe.

Auch der erst 15-jährige Joachim Ströde aus Heuchelheim, Schüler des LLG, hat es vermocht, auf wenigen Seiten eine komplexe Geschichte, im Prinzip das Schicksal eines Mannes, zu schildern. Die Geschichte eines Außenseiters, der nur einen Freund hat: "Jürgen" (so auch der Titel des Textes). Das Problem: "Jürgen" existiert nur in seiner Fantasie… Auch Joachim Ströde wurde zu seinem Text durch eine Begegnung in der Wirklichkeit angeregt, durch die Beobachtung eines Sonderlings an einer Bushaltestelle in Gießen.

Schließlich las noch Vanessa Schweitzer (22 Jahre) aus Friedrichsdorf, die ebenso die Fähigkeit der kunstvollen Verknappung, des Herausschälens des Kerns einer Handlung beherrscht. In "Mia" geht es um eine Mutter, deren kleine Tochter wie vom Erdboden verschwunden ist. Nächtelang sitzt die Mutter vor ihrem Laptop auf der Suche nach der Vermissten bis sie endlich zu Bett geht. "Behutsam schloss sie die Tür und ging ins Schlafzimmer. Sie zog die Jalousie herab und die Welt wurde dunkel."

Das Buch "Gesammelte Werke" mit den Texten aller Preisträger (200 Seiten, Hardcover) kostet 12 Euro und kann über die OVAG (Tel. 0 60 31/68 48 11 93) bestellt werden. Einsendeschluss für den Jugend-Literaturpreis ist der 15. Juli. Infos: Tel. 0 60 31/68 48 12 22 und andreas.matle@ovag-energie.de.

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