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Ästhetik trifft auf Sachverstand

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Von: Christoph Hoffmann

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Alissa Theiß (Mitte) blättert mit Katrina Friese und Michael Lierz im Sammlungsband. © Christoph Hoffmann

Gießen (chh). Das Buch ist kalt. Das liegt daran, dass es vor wenigen Minuten noch im Auto lag. Beim Blättern durch den Bildband »Sachverstand« wird Alissa Theiß dennoch warm ums Herz. Die Sammlungsbeauftragte der JLU hat schließlich zusammen mit Prof. Michael Lierz, bis April 2021 Vizepräsident für Wissenschaftliche Infrastruktur der Universität, und der Fotografin Katrina Friese viel Herzblut in das Projekt gesteckt.

Herausgekommen ist ein Werk, das 21 der insgesamt über 50 Sammlungen der JLU vorstellt. Mit viele Liebe zum Detail und vor allem Sachverstand werden die Objekte dank Fotografin Friese in einer besonderen Ästhetik präsentiert.

Mit Making-of der Fotografin

»Das Schöne war die Vielfalt«, sagt Friese, die an diesem Abend mit Theiß, Lierz und vielen anderen Größen der Universität und der Stadtgesellschaft in den Faculty Club auf dem Heyligenstaedt-Gelände gekommen ist, um den Abschluss der Projekts zu feiern. Für sie als Fotografin sei es etwas ganz Besonderes gewesen, die Schätze der Universität entdecken und ins rechte Licht rücken zu können. Lehrreich sei die Arbeit ebenfalls gewesen. »Es war ein bisschen wie bei der Sendung mit der Maus.«

Mäuschen spielen konnten auch die Leser dieser Zeitung. Parallel zur Buchentstehung erschien in der Gießener Allgemeinen die Serie »Schätze der Universität«, in der Theiß einen Blick hinter die Kulissen der alterwürdigen Justus-Liebig-Universität gewährte. 50 Sammlungen wurden in diesem Zuge vorgestellt, einige davon finden sich nun auch im Bildband »Sachverstand«. Zum Beispiel die Hufeisensammlung der Lehrschmiede, die Sammlungen in der Hermann-Hoffmann-Akademie, die Korallen-Lebendsammlung oder aber die Spielmittelsammlung. Letztere hatte es auch Friese angetan. »Wir waren bestimmt drei Stunden dort und hatten viel Spaß.« Welche tragende Rolle Friese in dem Buch einnimmt, wird auch durch ein Making-of-Kapitel deutlich, in dem die Fotografin ihre Erfahrungen während des Projekts schildert.

Schon während der Serie dieser Zeitung wurde ersichtlich, mit wie viel Leidenschaft und Neugierde Theiß den Sammlungen begegnet. Für die Universität sei die Einstellung der Archäologin im Jahr 2019 daher ein Glücksfall gewesen, betont Lierz. Die Erstellung eines Bildbands sei auch eine ihrer ersten Aufgaben gewesen. »Wenn man so eine neue Stelle schafft, muss man auch zeigen, warum man sie schafft.« Es gebe natürlich prestigeträchtige Sammlungen, die gut gepflegt und ansprechend ausgestellt seien, sagt Lierz. Gleichzeitig seien einige Sammlungen aber nicht mal den JLU-Beschäftigten bekannt gewesen. Einen Überblick habe es nicht gegeben, manche Schätze hätten sogar in Kisten geschlummert. »Wenn zum Beispiel ein Professor aufhört, kann es sein, dass seine Sammlungen in Kellern gelagert werden und in Vergessenheit geraten.«

Theiß durchforstete diese Keller - und stieß dabei mitunter auf kleine Sensationen. Zum Beweis blättert sie durch den Bildband bis auf Seite 87, die ein filigranes Gipsmodell zur Krümmungsmittelpunktsfläche eines dreiachsigen Ellipsoids zeigt, das zur Modellsammlung des mathematischen Instituts gehört. »Es war in einem Glaskasten ausgestellt. Aber wir wussten nichts darüber«, sagt Theiß. Die Nachforschungen hätten ergeben, dass es sich um ein Modell des Berliner Mathematikers Ernst Eduard Kummer handelt, der es 1862 bei der »Königlichen Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin« vorstellte. »Es handelt sich also um einen Prototyp«, sagt Theiß mit leuchtenden Augen, »das gibt es nur einmal auf der Welt.«

Nicht das einzige Unikat der Sammlung. Und auch nicht das einzige Objekt, das Theiß, Lierz und Friese in Begeisterung versetzt. »Die Sammlungen sind sehr heterogen. Das gilt auch für die Artikel im Buch. Trotzdem ist der Bildband am Ende wie aus einem Guss geworden«, sagt Theiß.

Genug Material für zweiten Band

Und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann einmal einen zweiten Band. Genügend Material ist vorhanden, schließlich sind in »Sachverstand« nicht einmal die Hälfte aller JLU-Sammlungen vorgestellt worden. Und außerdem kommen immer neue hinzu. Denn noch immer schlummern Schätze in den Kellern der JLU, die entdeckt werden wollen.

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