Ärzte als "mündige Anwender" neuer Technik

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"Meine Fitness-App sagt, mein Blutdruck ist zu hoch", sagt der Patient und schiebt sein Smartphone über den Tisch. Eine Rettungswagenbesatzung schickt während der Fahrt ins Krankenhaus die Daten an die Notaufnahme. Zunehmend erledigen Roboter – niemals müde, ohne Händezittern, immer mit bester Sicht – das Operieren. Moderne Technik hält in rasantem Tempo Einzug in die Medizin. Darauf will die Justus-Liebig-Universität angehende Ärzte in Zusammenarbeit mit der Rhön-Klinikum AG nun besser vorbereiten. Das Schwerpunktcurriculum "Digitale Medizin, eHealth und Telemedizin" startet zum gerade beginnenden Sommersemester mit 20 Plätzen. Es sei "in dieser Tiefe" bundesweit einmalig, erklärten Vertreter beider Institutionen bei einem Pressegespräch.

"Meine Fitness-App sagt, mein Blutdruck ist zu hoch", sagt der Patient und schiebt sein Smartphone über den Tisch. Eine Rettungswagenbesatzung schickt während der Fahrt ins Krankenhaus die Daten an die Notaufnahme. Zunehmend erledigen Roboter – niemals müde, ohne Händezittern, immer mit bester Sicht – das Operieren. Moderne Technik hält in rasantem Tempo Einzug in die Medizin. Darauf will die Justus-Liebig-Universität angehende Ärzte in Zusammenarbeit mit der Rhön-Klinikum AG nun besser vorbereiten. Das Schwerpunktcurriculum "Digitale Medizin, eHealth und Telemedizin" startet zum gerade beginnenden Sommersemester mit 20 Plätzen. Es sei "in dieser Tiefe" bundesweit einmalig, erklärten Vertreter beider Institutionen bei einem Pressegespräch.

Noch immer sei es möglich, "nur mit Stethoskop und Hammer in der Tasche durchs Medizinstudium zu kommen, ohne einen Computer zu bedienen", sagt Prof. Henning Schneider, Leiter des Instituts für Medizinische Informatik der JLU und Sprecher des Schwerpunktcurriculums. Nur ein Seminar zur medizinischen Informatik im fünften Semester ist Pflicht für alle. Im Bestreben um mehr Wissenschaftlichkeit und Innovation wolle man diesen Bereich nun gezielt stärken, erläutert Fachbereichsdekan Prof. Wolfgang Weidner. Diese Digitalisierungsstrategie "beschreiten wir als eine der ersten Universitäten in Deutschland in idealer, interdisziplinärer Weise". Die "Zuwendung zum Patienten auf Basis von Empathie und fundiertem medizinischem Wissen" bleibe wichtiger Kern des Arztberufs.

Zuwendung bleibt wichtig

Ab dem zweiten klinischen Semester können Studierende Module belegen und die Praxis bei Famulaturen in der neuen Rhön-Klinik in Bad Neustadt kennenlernen. Zwölf Promotionsstipendien stehen für die Weiterbildung in digitaler Medizin zur Verfügung. Mit der Technischen Hochschule Mittelhessen, die das Thema aus Medizintechniksicht bearbeitet, bestehe eine enge Zusammenarbeit.

"Krankheiten werden im 21. Jahrhundert durch Informationen besiegt", erläutert Schneider. Kein menschliches Gehirn könne die rasant wachsende Menge an medizinischem Wissen erfassen. Computergestützte Verfahren erleichterten die Versorgung auf dem Land. Wo früher ein künstliches Kniegelenk quasi von der Stange kam – nach dem Motto: Größe M müsste ungefähr passen –, könne es heute nach Vermessungen individuell im 3-D-Drucker hergestellt werden.

"Viele Patienten fragen, ob wir Operationsroboter haben. Und wenn nicht, gehen sie woanders hin", berichtet Weidner. Gerade er als bewährter Chirurg sehe die Vorteile der modernen Technik. Die biete den Ärztinnen und Ärzten auch neue Chancen zur Gestaltung des Arbeitsalltags, ergänzt Prof. Bernd Griewing, Vorstand Medizin der Rhön AG. Beim hohen Frauenanteil in dem Fach spielten die Möglichkeiten zur Fernbehandlung eine große Rolle. Teilzeitarbeit lasse sich leichter organisieren. Bildschirmberatung von zu Hause aus oder das wegfallende Infektionsrisiko für schwangere Medizinerinnen erleichterten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Vergütung solcher Tätigkeiten sei allerdings noch nicht befriedigend. Auch bei Datenschutz oder Ethik bestehe teilweise Klärungsbedarf.

Dr. Tobias Müller, Medizininformatiker bei Rhön, umschreibt das Ziel des Wahlpflichtfachs so: Man wolle die teilnehmenden Medizinstudierenden zu "mündigen Anwendern der Technik erziehen".

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