Wohnbaupläne

Ärger droht: Rechnung ohne "Comet" gemacht?

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Wohnungen für 60 Studenten sollen bald mitten in Gießen gegenüber dem Dach-Café entstehen. Doch die Sache hat einen Haken: Der Mietvertrag der "Comet-Reinigung" läuft bis 2022.

Die Baugenehmigung liegt vor, der Zeitplan steht. Spätestens in der zweiten Jahreshälfte sollen die Abrissarbeiten für das Gebäude der "Comet-Reinigung" in der Ludwigstraße 1 beginnen. Dort möchte die Sciolla Investment GmbH ein Wohn- und Geschäftshaus mit 19 Neubauwohnungen einer Gewerbeeinheit und einer Tiefgarage mit 29 Stellplätzen errichten. "Wir konzentrieren uns auf studentisches Wohnen", sagt Geschäftsführer Matteo Sciolla im Gespräch mit dieser Zeitung. Sein Unternehmen hat auch das Nachbargebäude in der Ludwigstraße 3 und das Areal in der unteren Gartenstraße bis zum AOK-Gebäude erworben. Das Investitionsvolumen liegt nach Angaben Sciollas bei vier bis fünf Millionen Euro, die Bauarbeiten sollen im Sommer beginnen und im Herbst 2020 abgeschlossen sein.

Ob sich das Vorhaben der Gesellschaft im vorgesehenen Zeitrahmen realisieren lassen, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob und wie sich Sciolla mit der Pächterin der "Comet-Reinigung" in der Ludwigstaße einigen wird. "Wir haben einen Mietvertrag bis 2022", berichtet Besitzerin Heidemarie Jung auf Anfrage. Die Betreiberin der Reinigung bestätigt zwar, dass es vor etwa einem halben Jahr Gespräche mit der Sciolla GmbH gegeben hat. Damals habe sie der Geschäftsführer darüber informiert, dass er das Grundstück erworben hat. Auf ihre Nachfrage, ob sie mit dem Geschäft vor Ort weitermachen könne, habe Sciolla ihr zu verstehen gegeben, dass er "nicht erpicht auf eine Reinigung" dort sei. Man habe seinerzeit nur grundsätzlich über eine mögliche Abfindung gesprochen.

Reinigung sucht Standort

Die konkreten Baupläne der GmbH seien ihr bis Montag nicht bekannt gewesen, sagte Jung. "Wir wollen weitermachen", bekräftigte die 74-Jährige, die die Reinigung in der Ludwigstraße seit 25 Jahren betreibt und auf Dauer an ihre Nichte übergeben will. Am wichtigsten sei es deshalb, eine geeignete Standortalternative zu finden. Erst dann könne man über eine Abfindung reden.

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Probleme hat die Sciolla GmbH in der Ludwigstraße aber offenbar nicht nur mit der Betreiberin der "Comet-Reinigung". Nach Informationen dieser Zeitung ist auch das Verhältnis zu Mietern des zu dem Projekt gehörenden Hauses in der Ludwigstraße 3 konfliktbeladen. Deren Sorgen sind mittlerweile auch beim Gießener Mieterverein angekommen. Laut dem Vorsitzenden Stefan Kaisers haben vier Parteien aus der Ludwigstraße 3 den Verein um Hilfe im Streit mit der Sciolla GmbH gebeten. In mindestens zwei Fällen sei sogar eine Klage anhängig. "Es geht dabei um nicht eingehaltene Zahlungszusagen", betont Kaisers. Dem Vernehmen nach habe Sciolla Mietern für einen vorzeitigen Auszug Geld zugesagt. In einem anderen Fall habe das Unternehmen finanzielle Unterstützung für den Umzug zugesichert. Beide Versprechungen seien nach dem Auszug der Parteien seitens der Sciolla GmbH aber nicht eingehalten worden.

Bereits abgeschlossen sind die Planungen und Arbeiten dagegen bei einem Projekt in der Gießener Ederstraße. In der Nordstadt habe die Gesellschaft im vergangenen Jahr ein Ensemble erworben, das aus zwei Häusern und einer alten Werkstatt besteht, berichtet Sciolla. Diesen Komplex habe die Gesellschaft in zwei Wohnhäuser mit insgesamt vier Einheiten umgewandelt. Die "klassischen Mietshäuser aus den Fünfzigern" seien von dem Wißmarer Architekturbüro Reinhard Weiss neu geplant und mit neuen Fenstern, Balkonen und Türen ausgestattet worden. Die Vermietung der gut zwei Dutzend Studentenapartments soll Anfang April beginnen,

Zusatzinfo

Die Sciolla Investment GmbH

Seit 2012 gibt es die Sciolla Investment GmbH mit Sitz in Marburg. Die Gesellschaft wertet Wohn- und Geschäftshäuser "in technischer und kaufmännisher Hinsicht auf". Das Unternehmen weiter: "Mit dieser Value-Add-Strategie realisiert Sciolla Investment überdurchschnittliche Renditen." In Marburg hat das Portfolio der Gesellschaft mittlerweile einen Wert von 30 bis 35 Millionen Euro, berichtet Geschäftsführer Sciolla. In Gießen summieren sich Bestand und geplante Investitionen im laufenden Jahr auf 10 bis 20 Millionen Euro.

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