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Ägypten

In Ägypten vermisster Gießener Schüler zurück - Ermittlungen wegen Terrorverdachts

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Große Erleichterung bei Familie und Unterstützern: Der seit fast einem Monat in Ägypten vermisste Schüler ist wieder in Deutschland. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Terrorverdachts.

Große Freude bei der Familie, Freunden und den Unterstützern des seit fast einem Monat vermissten 18-jährigen Gießeners. Wie der Vater dieser Zeitung mitteilt, ist sein Sohn in Frankfurt gelandet und den Umständen entsprechend wohlauf. Der Vater selbst hatte keinen Kontakt zu seinem Sohn (Update: Inzwischen wurde Haftbefehl in Frankfurt gegen den Schüler erlassen) und ist seit Sonntag in Ägypten. Er war dorthin geflogen, um seinen Sohn zu suchen.

In einem von einer ägyptischen Zeitung veröffentlichtem Video ist zu sehen, wie der 18-Jährige von einem Beamten vor einem Körperscanner abgetastet wird. Freunde, Bekannte und Unterstützer teilten das Video in sozialen Netzwerken. Der Vater glaubt, Anzeichen von Gewaltanwendungen gegen seinen Sohn entdeckt zu haben. "Hauptsache, er ist in Sicherheit", schreiben andere Unterstützer.

Bericht: Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt

Erst am Donnerstag hatte das Auswärtige Amt gegenüber dieser Zeitung bestätigt, dass sich der 18-jährige Gießener tatsächlich in Gewahrsam der örtlichen Behörden befinde. Der Vater sprach davon, dass gegen seinen Sohn ein Terrorverdacht bestehe. Nach Medienberichten, die sich auf ägyptische Sicherheitskreise beziehen, wurde der Schüler verdächtigt, er hätte sich IS-Kämpfern in dem Land anschließen wollen. Der Vater bestreitet die von den ägyptischen Staatsmedien verbreiteten Terrorvorwürfe vehement. Er vermutet vielmehr, die Festnahme sei "Rache" des Regimes, weil er – der Vater – sich für Menschenrechte einsetze und gegen die Regierung vor Ort sei. Nach Medienberichten hat die Staatsanwaltschaft in Frankfurt Ermittlungen aufgenommen – bei einem Terrorverdacht ein üblicher Vorgang.

Die deutsche Botschaft in Kairo hatte sich "intensiv um konsularischen Zugang" bemüht, hatte das Auswärtige Amt dieser Zeitung am Donnerstag mitgeteilt. Die Botschaft habe sowohl zu den ägyptischen Behörden als auch zu den Angehörigen des Betroffenen Kontakt. Wer Doppelstaatler ist – und das ist der 18-Jährige –, kann jedoch nur eingeschränkt auf konsularische Hilfe hoffen. Die Behörden des anderen Landes betrachten Doppelstaatler als ihre eigenen Staatsbürger und sind völkerrechtlich nicht verpflichtet, die Betreuung durch die deutsche Auslandsvertretung zuzulassen. Vor seinem Abflug hatte der Vater auf Facebook geschrieben: "Die Menschlichkeit steht über dem Gesetz. Ich bin ein Vater, der nur seinen Sohn sehen will." Nach der Rückkehr des 18-Jährigen kann der Vater seinen Sohn nun wieder in seine Arme nehmen.

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