Ab Donnerstag wird aus der 30 eine 3,5: Für Lkw und Busse wie auf dem Foto wird die Konrad-Adenauer-Brücke bis zur Fertigstellung des Neubaus gesperrt sein. Zudem gilt Tempo 30. FOTO: SCHEPP
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Ab Donnerstag wird aus der 30 eine 3,5: Für Lkw und Busse wie auf dem Foto wird die Konrad-Adenauer-Brücke bis zur Fertigstellung des Neubaus gesperrt sein. Zudem gilt Tempo 30. FOTO: SCHEPP

Weitere Betonschäden entdeckt

Adenauer-Brücke in Gießen wird auch für kleinere Lkw gesperrt

  • vonOliver Schepp
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Die Konrad-Adenauer-Brücke hätte längstumgebaut sein sollen. Nun sorgt die Hängepartie für eine drastische Nutzungseinschränkung und eine Verlagerung des Schwerverkehrs. Werden die Lahnbrücken zum Nadelöhr im Stadtverkehr?

Auf dem Gießener Anlagenring oder anderen Innenstadtstraßen sieht man eher selten Sattelzüge. Der Gießener Ring sorgt dafür, dass die großen "Brummis" die Betriebe und Gewerbegebiete am Stadtrand direkt von der Autobahn ansteuern können und nicht durch die Stadt fahren müssen. Insofern war es auch kein großer Eingriff, als die Stadt vor Jahren die sanierungsbedürftige Konrad-Adenauer-Brücke für Lkw ab 30 Tonnen sperrte. Nun indes sind weitere Betonschäden entdeckt worden, die bereits ab Donnerstag zu einer weitaus drastischeren Nutzungseinschränkung führen werden. Wie die Stadt am Montag mitteilte, muss die Konrad-Adenauer-Brücke im Zuge der Heuchelheimer Straße für den Schwerlastverkehr über 3,5 Tonnen gesperrt werden. Der Schwerverkehr wird ab dann über die Rodheimer Straße geführt. "Außerdem werden die Fahrbahnen auf der Brücke auf 2,10 Meter verengt, und es darf ab dann auch nur noch mit Tempo 30 über die Brücke gefahren werden", heißt es in der Mitteilung. Entsprechende Markierungen und Beschilderungen würden angebracht, Tempo 30 werde kontrolliert.

Damit ist es auch vielen Kleintransportern sowie Lkw mit geringem oder mittlerem Gewicht sowie Bussen nicht mehr gestattet, eine der beiden innerstädtischen Lahnbrücken zu benutzen. Fahrzeuge von Handwerkern, Baufirmen oder Lieferdiensten müssen auf die Alternativroute ausweichen. Wie die Rodheimer Straße, die Sachsenhäuser Brücke und die Kreuzung am Oswaldsgarten das verkraften werden, bleibt abzuwarten.

Laut Stadt sind die "verschärften Regelungen" das Ergebnis eines aktuellen Gutachtens, das im Vorfeld der Sanierung des Gehwegs auf der nördlichen Brückenseite eingeholt worden war. Mit der Herrichtung des Gehwegs soll die Brücke für Radfahrer befahrbar werden, bis der Ersatzneubau in einigen Jahren fertiggestellt sein wird. Die Gutachter hätten "erhebliche Mängel" am Beton und der darin befindlichen Stahlbewehrung der nördlichen Brückenkappe festgestellt. Ursachen: Streusalz und die durch den Schwerverkehr erzeugten Schwingungen. Ein Abtrag und Neubau der betroffenen Brückenkappe komme aus Kostengründen nicht in Frage. Die Stadt schätzt die Kosten einer solchen Zwischenlösung auf über eine Million Euro.

Wann mit den Arbeiten für den Ersatzneubau begonnen werden kann, ist nicht absehbar. Derzeit würden weitere Gutachten eingeholt, die Beantragung eines notwendigen Planfeststellungsverfahrens sei für Mitte 2021 terminiert, erklärt das Tiefbauamt.

Ersatzneubau kostet 22 Millionen Euro

Beschlossen wurde das Großprojekt vom Stadtparlament fast genau vor einem Jahr. Damals ging man von einem Baubeginn in 2022 und der Fertigstellung in 2024 aus. 22 Millionen Euro soll der Ersatzneubau kosten, davon entfallen auf die Stadt voraussichtlich sieben Millionen. Mit diesem Beschluss wurde seinerzeit eine zehn Jahre alte Planung ergänzt. Geblieben sind die vier Fahrspuren für den Autoverkehr, hinzu kamen beidseits Radfahrstreifen. Als der Magistrat den Ergänzungsplan im Oktober 2019 präsentierte, war man noch zuversichtlich, dass eine weitere "Ablastung" der Brücke nicht notwendig sein wird. "Der Zustand ist nicht gut, aber er hat sich zuletzt nicht weiter verschlechtert", sagte Bau- und Verkehrsdezernent Peter Neidel.

Im Zuge der Debatte um die lokale Klimaschutzpolitik war der vierspurige Ausbau der nach dem ersten Bundeskanzler benannten Brücke im vergangenen Jahr kritisiert worden. Der Ausbau sei kein Beitrag zur notwendigen Verkehrsreduzierung, sondern ein "Brandbeschleuniger" für den Gießener Stadtverkehr, monierte das Klimabündnis 2035Null. Wie die Stadt auf ihrer Bürgerbeteiligungsplattform Gießen direkt ankündigt, soll es im Zuge des Planfeststellungsverfahrens im kommenden Jahr zu einer "entsprechenden Bürgerbeteiligung" kommen. Die Entscheidung indes, dass die Brücke von zwei auf vier Fahrspuren ausgebaut wird, ist gefallen.

Sechs Brücken

An sechs Stellen im Stadtgebiet wird die Lahn von Straßenbrücken überspannt. Innerstädtisch sind das die 1970 erbaute Konrad-Adenauer-Brücke und die Sachsenhäuser Brücke. Hinzu kommt die Brücke im Zuge des Wißmarer Wegs, die ebenso direkt auf der Gemarkungsgrenze verläuft wie die Brücke der Landesstraße zwischen Heuchelheim und Kleinlinden und die Autobahnbrücke im Zuge der A480 vor dem Nordkreuz. Hinzu kommt die Überbrückung durch die B429 am Klärwerk.An sechs Stellen im Stadtgebiet wird die Lahn von Straßenbrücken überspannt. Innerstädtisch sind das die 1970 erbaute Konrad-Adenauer-Brücke und die Sachsenhäuser Brücke. Hinzu kommt die Brücke im Zuge des Wißmarer Wegs, die ebenso direkt auf der Gemarkungsgrenze verläuft wie die Brücke der Landesstraße zwischen Heuchelheim und Kleinlinden und die Autobahnbrücke im Zuge der A480 vor dem Nordkreuz. Hinzu kommt die Überbrückung durch die B429 am Klärwerk.

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