Abtauchen in eine andere Welt

Schauspieler Rudi Knauß stammt aus Gießen. Demnächst ist er in der Wetzlarer Stadthalle in »Das Verhör« zu sehen.

Er ist ein »Zweite-Reihe-Schauspieler«, also keines der allseits bekannten Fernsehgesichter, dennoch gibt es kaum eine Serie der letzten Jahrzehnte, in denen er nicht mal mitgespielt hätte. Auch in zwei »Tatort«-Krimis Anfang der 80er Jahre war er dabei, erinnert er sich schmunzelnd, in einem hessischen, in dem Günther Strack den Obergauner spielte und er als junger Polizist das Geschehen observieren musste. Mit Strack hat er später wieder bei den Festspielen Heppenheim gespielt, wo es deftig und auch mal weinselig zugeht. Ja, auch das liegt ihm, das komödiantische Fach. Der bekannteste Kinofilm, in dem er mitwirkte, war der »Baader-Meinhof-Komplex« von Uli Edel; darin spielte er den Gefängnisarzt.

Knauß ist in Gießen aufgewachsen, seine Eltern sind das Lehrerehepaar Lilo und Dr. Erwin Knauß. Er hänge an seinem Elternhaus, erzählt er, in all den Jahren sei er immer wieder gern nach Gießen gekommen, hat hiesige Kulturevents miterlebt. Anfang November war er auf der Bühne im Rathaussaal zu erleben, in »Georg Büchner. Zwischen Robespierre und König Peter von Popo«. Der Weg ins Schauspielfach war familiär nicht vorgezeichnet. Wie kam es dazu? Das Gefühl für Sprache habe er ganz früh von seiner Oma mitbekommen, die ihm immer Märchen erzählt habe. Wichtig sei später seine Deutschlehrerin Dr. Tatjana Högy gewesen, die ihn sehr gefördert habe, Literatur und das Schülerabonnement am Stadttheater empfohlen habe. Er erinnert sich gern an die »großartigen Schauspieler Rainer Domke, Erika Zahn und Heinz Hönnecke«. Allerdings weiß er nichts mehr von den Stücken selbst, »in dem Alter war halt das Pausenstehen im Foyer und das Beäugen der Mädchen wichtiger.«

Insgesamt hatte er es mit der Schule nicht so, doch als er seine Mitschüler mit einer Szene aus »Weh dem, der lügt« zum Lachen bringen konnte, war das »ein großartiges Gefühl«, da entdeckte er sozusagen sein Talent.

Während eines Jobs in der Buchhandlung von Gideon Schüler schmiedete er Pläne für das »Erste Gießener Schüler-Lehrlings-Studenten-Theater«, mangels Konzept verlief diese Idee zwar nach ersten Treffen in der ESG im Sande, doch führte es dazu, dass er Statist am Stadttheater wurde. Damit fiel die Entscheidung, die Welt des Theaters sollte seine werden, dort fühlt er sich wohl. »Dieses Gefühl des Abtauchens in eine andere Welt, das ist bis heute geblieben.«

Er bewarb sich für die Schauspielausbildung, wurde von der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in Hannover zum Vorsprechen geladen und genommen (1975). »Ein großes Glück, wenn man bedenkt, wie viele junge Leute es wieder und wieder probieren, den mühsamen Weg über private Schauspielschulen nehmen«, so Knauß heute. Dann folgten ab 1980 Engagements an großen und kleinen Häusern in ganz Deutschland: Staatstheater Wiesbaden, Theater Freiburg, Landesbühne Schleswig-Holstein, Staatstheater Karlsruhe und andere. Die Geburt seines Sohnes Max brachte ein Umdenken, der Junge sollte spätestens mit Beginn der Schulzeit in einem stabilen Umfeld aufwachsen. Die Familie zog also 1991 nach München, auch weil es boomender Medienstandort war. Rudi Knauß lebt bis heute im Stadtteil Schwabing.

Seitdem ist er freischaffend tätig, mit einem kontinuierlichen Standbein auf der Bühne »kleines theater – Kammerspiele Landshut«. Das Theater feierte kürzlich sein 20-jähriges Bestehen, es steht in der Trägerschaft eines Vereins, hat sich mit frischen Ideen und anspruchsvollen Regisseuren einen guten Namen in der Szene gemacht, wie er voller Stolz berichtet. Dort hat er in vielen Haupt- und Nebenrollen mitgewirkt, aktuell wird »Die Ängstlichen und die Brutalen« des jungen Dramatikers Nis-Momme Stockmann geprobt.

Parallel spielte er immer auch bei Tourneetheatern. Am 18. Januar wird er in der Wetzlarer Stadthalle zu erleben sein, in dem Vierpersonenstück »Das Verhör«; basierend auf der Novelle »Brainwash« (1977) von John Wainwright, bekannt geworden durch die Verfilmung »Garde à vue« mit Lino Ventura, Michel Serrault und Romy Schneider, entstand die Bühnenversion erst kürzlich (Fischer-Verlag 2011). Die aktuelle Tournee-Produktion ist erst die zweite Bühnenumsetzung, Mitspieler in dem Psychoduell sind: Karlheinz Lemken, Julia Dahmen und Giovanni Arvaneh, alle bekannt aus TV-Serien.

Dagmar Klein

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