Beim Spazieren im Stadtpark halten die meisten Gießener Distanz. FOTOs: CSK
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Beim Spazieren im Stadtpark halten die meisten Gießener Distanz. FOTOs: CSK

Ostern in Gießen

Gießener halten auch an Ostern Abstand

  • vonChristian Schneebeck
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Eine Stadt geht spazieren. Auch viele Gießener nutzen Ostern für Bewegung an der frischen Luft. Die Sicherheitsabstände halten die allermeisten ein. Das begehrteste Produkt ergattern nur wenige.

Wer braucht schon Eier, wenn man eine Scheibe hat? Desiree Meixner und Thomas Kühne jedenfalls nicht. Ostersonntag, kurz nach 13 Uhr: Den Online-Gottesdienst haben sie bereits hinter sich, das Grillen zu zweit steht noch auf der Agenda. Aber jetzt vergrößern Meixner und Kühne erst einmal die Distanz - und lassen an der Sachsenhäuser Brücke die Frisbeescheibe fliegen. "Nicht schlimm" finden sie die auch an den Feiertagen wegen der Corona-Pandemie geltenden Kontaktbeschränkungen. "Solange wir raus dürfen, ist alles gut", meint die Studentin der außerschulischen Bildung. Ein fast normales Osterfest, könnte man als Zuhörer für einen Moment glauben. Nur die angedachte Stippvisite bei der Familie in Hameln mussten Meixner und Kühne absagen.

Die Sonne lacht, während das Gießener Paar über sein Ostern spricht, und der beginnende Frühling verkleidet sich als Sommer in Bestform. Entsprechend schlendern bereits mittags unzählige Menschen an der Lahn entlang. Ähnliche Bilder bieten sich im Stadtpark und an anderen Hotspots, zum Beispiel vor dem Uni-Hauptgebäude. Eine Stadt geht spazieren, sie schwingt sich aufs Rad, kramt Sport- und Spielgeräte hervor. Den Sicherheitsabstand hält sie dabei meist ein. Am Montag berichtet ein Polizeisprecher zwar von einem Anstieg bei Personenkontrollen und Platzverweisen über die Feiertage. Auch Hinweise seien oft eingegangen. Insgesamt lobt er die Bevölkerung aber für ihre Kooperationsbereitschaft.

Von Trubel bekommt Andre Lara auf dem Landgraf-Philipp-Platz wenig mit. Er fährt runter in die Hocke und macht den Entengang, wechselt auf alle viere und kriecht übers Pflaster wie eine Echse. Ob er hier öfter sein Workout mit solchen "Animal Movements" durchführt? Er wohne nebenan, sagt Lara. Und Fitnessstudios seien ja geschlossen. Der fünfjährige Davi beäugt Papa kritisch. Oben im Haus klimpert jemand "Für Elise", erst langsam, dann immer schneller. Ein improvisiertes Bootcamp zu Beethoven-Klängen - Corona macht’s möglich.

Gut und gerne einen halben Kilometer haben Anna Knitzka und Charlotte Weilandt derweil noch vor sich. Die Studentinnen sind auf der Suche. Auf der Suche nach dem wohl begehrtesten Produkt des Wochenendes: Eis. Dass der Eisverkauf in Hessen aktuell verboten ist, hören die Freundinnen zum ersten Mal. Eine hochgezogene Augenbraue, Kopfschütteln, Schulterzucken. "Warum sollte Kuchen verkauft werden, aber kein Eis?", fragt Knitzka. Mit Kreide auf die Wege im Stadtpark gemalte Hinweise scheinen in der Tat etwas Anderes nahezulegen. Das Café Klein Paulsen sei geöffnet. Im Angebot: "(Eis-)Kaffee und Kuchen".

Also hin da, denken längst nicht nur Knitzka und Weilandt. Einige Sonnenanbeter zieht es von den Rasenflächen im Park früher oder später kurz ins Philosophenviertel. Bei Inhaber Paul Chrustek und seinem Team angekommen, wartet auf manche eine kleine Enttäuschung. Nicht etwa Eis und Kaffee gibt es im Tannenweg - sondern Eiskaffee. Sein Geschäft laufe coronabedingt "nicht super", erzählt Chrustek. Er deutet auf die leeren Stühle vor dem Café: "Normalerweise säßen hier 30 Leute." So wartet eine Handvoll Kunden auf Osterkuchen.

Auch am Montag bietet das "Klein Paulsen" noch allerlei Süßes zum Fest. Ringsum ist es in der Stadt aber viel ruhiger geworden. Bei kaltem Wind und grauem Aprilwetter verlieren sich am Mittag lediglich einzelne Spaziergänger an der Lahn und im Stadtpark. Polizei und Ordnungsamt kontrollieren trotzdem, zumal wenigstens der Sonnenschein bald zurückkehrt. Der letzte Tag des langen Wochenendes bleibt am Ende auch aus polizeilicher Sicht der ruhigste. "Die Leute waren kooperativ und kommunikativ", zieht der Polizeisprecher eine erste Bilanz. Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten habe es bloß vereinzelt gegeben.

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