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Abschied und Neuanfang

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Drei Wochen vor der eigentlichen Übergabe der Amtsgeschäfte hat sich Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz nach 28 Jahren vom Stadtparlament verabschiedet. Ihr Nachfolger Frank-Tilo Becher ist ins Amt eingeführt und vereidigt worden. Nach der Freude über seinen Wahlsieg spürt er die »Verantwortung«.

Die höchsten Repräsentanten der Stadt Gießen tragen Plastikhandschuhe und Mundschutzmasken. Die Bilder von der Amtseinführung und Vereidigung des neuen Oberbürgermeisters Frank-Tilo Becher durch seine Vorgängerin Dietlind Grabe-Bolz und Stadtverordnetenvorsteher Joachim Grußdorf werden in die Stadtgeschichte und die lokale Geschichte der Corona-Pandemie eingehen.

Drei Wochen vor der offiziellen und feierlichen Amtsübergabe am 10. Dezember ist der Wechsel an der Stadtspitze am Donnerstagabend vollzogen worden. Sozialdemokrat Becher, dessen erster Arbeitstag der 13. Dezember sein wird, erhielt seine vordatierte Ernennungsurkunde und sprach die Eidesformel, die der frühere Dekan der evangelische Kirche mit »so wahr mir Gott helfe« abschloss. Nach der Freude über den am 24. Oktober in der Stichwahl errungenen Wahlsieg rückten nun »Verantwortung und Pflichten in den Mittelpunkt«, sagte Becher in einer kurzen Rede.

Vor seiner Amtseinführung hatte sich die noch amtierende OB Dietlind Grabe-Bolz nach 28 Jahren von der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet. Wenn die nächste turnusgemäße Sitzung am Donnerstag, 16. Dezember, stattfinden wird, wird Becher bereits auf der Magistratsbank sitzen.

Die Sondersitzung, die sich abzeichnet, weil die Fraktionen auch am Donnerstagabend ihr Pensum nicht geschafft haben, wird Grabe-Bolz wohl nicht mehr im Amt erleben. Über 30 Tagesordnungspunkte waren noch unbehandelt, als Grußdorf die Sitzung um Mitternacht beendete.

Die Sozialdemokratin Grabe-Bolz war seit 1993 Mitglied des Stadtparlaments, zunächst als einfache Stadtverordnete, ab 2006 war sie Fraktionsvorsitzende der SPD und Oppositionsführerin, ehe sie 2009 zur OB gewählt wurde. »Ich war 28 Jahre lang Teil der demokratischen Willensbildung«, sagte Grabe-Bolz in ihrer Abschiedsrede und zitierte den legendären hessischen Ministerpräsidenten Georg-August Zinn: »Demokratie ist nicht nur Staatsform, sondern eine Lebenshaltung.« Mit Blick auf die Entwicklung, die der politische Diskurs in den letzten Jahren genommen hat, drückte Grabe-Bolz die Hoffnung aus, dass sich »ständige Empörung und ständiges Misstrauen nicht auf die Stadtverordnetenversammlung übertragen«. Die Noch-OB warb für »Fairness, Respekt und Vertrauen«, auch gegenüber den Mitarbeitern der Stadtverwaltung und den Mitgliedern des hauptamtlichen Magistrats. Die Stadtverordneten könnten ihrer Arbeit selbstbewusst nachgehen. »Die Kommunalpolitik ist die Königsdisziplin der Politik. Hier findet das wahre Leben statt«, sagte Grabe-Bolz, die von allen Fraktionen Beifall erhielt. Von ihren Plätzen erhoben sich dabei neben den Stadtverordneten der grün-rot-roten Koalition auch einzelne Abgeordnete von FDP und Freien Wählern.

Ihr Nachfolger ließ anschließend im Saal Pralinen als Begrüßungsgeschenke verteilen. Wie groß der Rahmen der feierlichen Amtsübergabe am ausfallen wird, dürfte von Freitag, 10. Dezember,der weiteren Entwicklung der Corona-Infektionen abhängen.

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