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Abschied aus der Stadtpolitik

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Von: Burkhard Möller

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Am Ende des Pressegesprächs wurde dann doch herzlich gelacht, als FDP-Fraktionsvorsitzender Klaus Dieter Greilich von einer »Verjüngung« der liberalen Stadtverordnetenfraktion sprach. Zum kommenden 1. November verlässt nämlich der 57-jährige Harald Scherer die stadtpolitische Bühne, die seine 56-jährige Nachrückerin Manuela Giorgis betritt.

Am Ende des Pressegesprächs wurde dann doch herzlich gelacht, als FDP-Fraktionsvorsitzender Klaus Dieter Greilich von einer »Verjüngung« der liberalen Stadtverordnetenfraktion sprach. Zum kommenden 1. November verlässt nämlich der 57-jährige Harald Scherer die stadtpolitische Bühne, die seine 56-jährige Nachrückerin Manuela Giorgis betritt.

Der Grund für den Rückzug ist gewisserweise auch politisch, denn Scherer zieht nach Biebertal, weil er in Gießen kein Hausgrundstück finden konnte, dessen Erwerb sich für ihn in einem »finanziell vertretbaren Rahmen« bewegt hätte. Dazu muss man wissen, dass der frühere hauptamtliche Stadtrat als Rechtsanwalt in einer der Gießener Topkanzleien arbeitet.

Für Scherer ist es der endgültige Abschied aus der Stadtpolitik. Seit 2001 gehörte er mit einer Unterbrechung dem Stadtparlament an, Höhepunkt war sicherlich seine zweijährige Tätigkeit als Kultur- und Wirschaftsdezernent bis zur Kommunalwahl 2011. Vor der Presse erinnerte Scherer an seine wichtigsten Vorhaben wie die Etablierung des Literarischen Zentrums und des KiZ in der Kongresshalle, die Durchsetzung des Kletterwalds am Schiffenberg sowie die Begündung der Städtepartnerschaft mit dem chinesischen Wenzhou. »Ich habe meine Erfüllung immer in der Kommunalpolitik gesehen. Da konnte ich gestalten«, sagte Scherer, der sein Kreistagsmandat natürlich behalten wird.

Erster Nachrücker der FDP fürs Stadtparlament ist eigentlich Dominik Erb, aber der ist bekanntlich ehrenamtlicher Stadtrat und möchte das auch bleiben. So kommt Giorgis zum Zug, die 2014 in die FDP eingetreten ist. In Gießen ist die hörbare Schwäbin als Chefin der Werbeagentur Marketingprofiler bekannt; die pfiffige Kommunalwahl-Kampagne der FDP war ihr Werk. Im Stadtparlament wird sie Scherers Platz im Ausschuss für Schule, Sport und Kultur einnehmen. »Ich trete in große Fußstapfen und bin voller Tatendrang«, sagte sie. Neuer Fraktionsassistent wird Christian Kaus von den Julis.

Erstwohnsitz entscheidend

Wie Scherer betonte, sei es für ihn nicht infrage gekommen, Gießen, wo er weiterhin arbeiten wird, zu seinem Lebensmittelpunkt zu deklarieren, um das Stadtverordnetenmandat behalten zu können. »Das wäre gegenüber den Kollegen auf der Liste und den Wählern unfair gewesen. Ich arbeite weiter in Gießen, aber mein Lebensmittelpunkt wird Biebertal sein«, erklärte Scherer. Dort will er sich auch der FDP anschließen.

Hintergrund: Bewerber, die bei der Kommunalwahl antreten, müssen in der jeweiligen Kommune leben und dort ihren Erstwohnsitz haben. Nicht so ist das bei Landtags- und Bundestagswahlen. Im Bundestagswahlkreis Gießen können auch Personen kandidieren, die in Frankfurt, Berlin oder Hamburg leben. So vertrat der Frankfurter Tom Koenigs (Grüne) den Wahlkreis Gießen zehn Jahre lang im Bundestag.

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