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Feuerwehrchefin Martina Klee übergab einen Einsatzhelm mit den Unterschriften der Berufsfeuerwehrleute an Peter Neidel.

Abschied mit Tränchen und Blaulicht

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Gießen (mö). Baustadtrat Thomas Rausch (CDU) galt als knorrig-korrekter Beamter, aber als er vor nunmehr zehn Jahren nach seiner Abwahl durch die rot-grüne Parlamentsmehrheit seine Abschiedsrede hielt, kamen ihm die Tränen. Seinem Nachnachfolger und Parteifreund Peter Neidel ging es am späten Donnerstagabend im Stadtparlament nicht anders: Als er sich in seiner Abschiedrede bei seiner anwesenden Ehefrau Hatice und seinen Kindern bedankte und den Stadtverordneten die Bitte »Passen Sie gut auf Gießen auf« mit auf den weiteren Weg gab, erstickte die Stimme des ansonsten nüchtern auftretenden Politikers in einigen Tränchen.

Die in eine chaotisch verlaufende Sitzung eingebettete zweite Abberufung des 52-jährigen Heuchelheimers wäre wohl gescheitert, wenn der Tagesordnungspunkt zu Beginn der Sitzung nicht von hinten nach vorne auf Position drei verlegt worden wäre. Da um Mitternacht die letzte Frist, in der eine Abwahl durchgeführt werden kann, verstrich, wäre Neidel im Amt geblieben, wenn es bei der ursprünglichen Tagesordnung geblieben wäre.

Die Abwahl als solche war eine klare Angelegenheit, weil die Koalition aus Grünen, SPD und Gießener Linke erstmals alle 31 Stadtverordneten an Bord hatte und es zudem einige Stimmen von Gigg/Volt und der PARTEI für die Abberufung des CDU-Dezernenten gab. Am Ende votierten 35 Stadtverordnete für die Abwahl, 22 von CDU, FDP, Freien Wählern, AfD, PARTEI (1) dagegen, zwei von Gigg/Volt enthielten sich.

In der Aussprache hatte CDU-Fraktionsgeschäftsführer Frederik Bouffier Neidel eine »ausgezeichnete Arbeit für die Stadt Gießen« bescheinigt und einige Neidel-Projekte wie die Fahrradstraßen, Alte Post und Samen-Hahn, Stärkung der Ordnungspolizei und die Wohngebietsplanung für Rödgen (»In der Roos«) hervorgehoben. Neidel habe einen »menschlich angenehmen Stil« gepflegt. Die CDU könne stolz auf seine Arbeit sein, sagte Bouffier.

Andere Wortbeiträge aus den Fraktionen gab es nicht. Stadtverordnetenvorsteher Joachim Grußdorf (Grüne) sagte, er habe Neidel als »kompetenten und sachlichen Kollegen« kennengelernt.

Neidel selbst ließ seine Amtszeit mit den von Bouffier bereits erwähnten Themen Revue passieren und sagte: »Ich bin froh und dankbar, dass ich meinen Anteil für die positiven Entwicklung unserer Stadt leisten konnte.« Im Zusammenhang mit den Bestrebungen der Koalition, das Rödgener Baugebiet »In der Roos« auf Eis zu legen, sprach der scheidende Baudezernent eine Mahnung aus. Dies wäre »ein Schlag ins Gesicht der Rödgener«, für die Entwicklung des Stadtteils und nicht zuletzt für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die viel Arbeit in die Planung gesteckt hätten.

Am Ende seiner Rede spendeten ihm die CDU-Fraktion und einige Feuerwehrleute im Publikum stehend Beifall. Vor der Halle gab es dann noch eine Überraschung, als ein Löschzug der Feuerwehr vorfuhr, um den Brandschutzdezernenten zu verabschieden. Feuerwehrchefin Martina Klee überreichte Neidel einen Feuerwehrhelm mit den Unterschriften der Mitglieder der Berufsfeuerwehr. Neidel freute sich über des »tolle Geschenk« und zeigte sich gerührt.

Ein Verfahren zur Wiederbesetzung des Bürgermeisterpostens wird die Koalition wohl nach der Oberbürgermeister-Stichwahl einleiten. Am Montag will OB Grabe-Bolz die neue Geschäftsverteilung bekannt geben.

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