Über die Traumnote 1,0 freuen sich (v.l.) Nele Theis, Romy Weigand, Lena Gaidies, Lucas Berg, Tessa Schnepp, Anna Schmidt, Leon Engländer und Christian Adamczyk. FOTO: CSK
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Über die Traumnote 1,0 freuen sich (v.l.) Nele Theis, Romy Weigand, Lena Gaidies, Lucas Berg, Tessa Schnepp, Anna Schmidt, Leon Engländer und Christian Adamczyk. FOTO: CSK

Abschied im Ausnahmezustand

  • vonChristian Schneebeck
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Gießen(csk). Ein Begriff steht bei Stefan Tross momentan ganz oben auf dem Index. Auf keinen Fall sollten sie von ihrem bestandenen "Corona-Abitur" sprechen, bat der Schulleiter der Herderschule die 113 diesjährigen Abiturienten bei der Abschlussfeier am Samstagvormittag in der Kongresshalle. "Nicht wegen, sondern trotz der ungewöhnlichen Umstände" habe der Jahrgang ein hervorragendes Gesamtergebnis erzielt. 2,12 lautet der Schnitt - und das "unter sehr herausfordernden, fast dystopischen Bedingungen", wie der Direktor es an anderer Stelle formulierte. Dass die frischgebackenen Ehemaligen zum Abschluss überhaupt noch gemeinsam feiern konnten, hatten sie zwischenzeitlich selbst nicht mehr erwartet.

Eltern werden zugeschaltet

Denn wegen der behördlichen Vorgaben hatte sich die Schule bereits auf eine Zeugnisübergabe in den acht Tutorengruppen vorbereitet. Ohne allzu festlichen Rahmen, ohne lange Reden und kurzweilige Rückblicke. Im Zuge der allgemeinen Lockerungen erlaubten die Behörden aber unlängst die Feierstunde in der Kongresshalle. Mit einer wichtigen Einschränkung: Eltern und Verwandte waren nicht vor Ort. Sie konnten das Geschehen im Internet-Livestream verfolgen. Andere Events, etwa der Abischerz und der ebenfalls für Samstag geplante Abiball, fielen aus.

Tross nutzte seine Rede, um die Ereignisse rund um die Abiprüfungen Revue passieren zu lassen. Begonnen hatten sie am 19. März mit dem Fach Englisch. Sechs Tage zuvor hatte die Landesregierung beschlossen, den Unterricht hessenweit auszusetzen. Noch am 18. März hätten die Prüfungen auf der Kippe gestanden, erinnerte sich Tross. Und dann ereilte die Herderschule die Nachricht, eine Lehrerin sei positiv auf Corona getestet worden. "Sehr spannend, um nicht zu sagen dramatisch" nannte Tross das Ganze.

Umso mehr lobte er die Abiturientia für ihren "vernünftigen und reflektierten" Umgang mit allen Widrigkeiten. Der Wunsch nach einem feierlichen Abschied spiegele den Zusammenhalt, betonten Tross sowie Sylvia Jung vom Schulelternbeirat. Als Schüler sprach Cyrill Schacht. Preise gab es für International-Baccalaureat-Absolventen und CertiLingua-Schüler, von den MINT-Fachgesellschaften sowie für schulisches Engagement. Über eine 1,0 freuten sich Christian Adamczyk, Lucas Berg, Leon Engländer, Lena Gaidies, Anna Schmidt, Tessa Schnepp, Nele Theis und Romy Weigand.

Ende einer komischen Zeit

Die Zeugnisübergabe selbst lief völlig coronagerecht ab. Dafür betraten die Abiturienten einzeln in entsprechenden Abständen die Bühne, um die zuvor auf Tischen bereitgelegten Dokumente einzusammeln. Es war das bemerkenswerte Ende einer "sehr, sehr komischen Zeit", wie sie fünf Abiturientinnen in ihrer Abschlussrede schilderten.

Das Quintett aus Lena Gaidies, Selin Kaya, Nina Schmidt, Tessa Schnepp und Romy Weigand stand symbolisch für den Altersunterschied im Jahrgang: Als G8-G9-Mischling vereint er Geburtsjahre von 1998 bis 2003. Am Lernerfolg scheint das wenig gerüttelt zu haben. So ließ es eine Spitze der Rednerinnen vermuten: "Es mag sein, dass unsere Lehrer das gar nicht mitbekommen haben, aber wir haben in manchen Fächern durchaus Sinnvolles gelernt." Musikalisch begleiteten Tom Feldrappe, Michel Weiss und Selin Kaya die Feierstunde.

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