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Nader Madjidian (vorne, l.) und sein Nachfolger Georg Dorausch (r.) in Mitten des AWO-Teams.

Abschied auf dem Schiffenberg

  • VonKim Luisa Engel
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Gießen (keh). Die Wiese vor dem Kloster auf dem Schiffenberg ist festlich geschmückt. An den Tischen hängen bunte Luftballons, die im Wind flattern. Unter einem Pavillon stehen zwei Mikrofone und ein Rednerpult. Mittendrin Nader Madjidian, noch Einrichtungsleiter der Jugendhilfe bei der AWO Gießen. Viele Gäste kommen auf ihn zu, überreichen ihm Geschenke, plaudern.

Ab August wird der 63-Jährige in Rente gehen, Georg Dorausch wird ihm in seinem Amt nachfolgen.

Am Freitag wurde Madjidian offiziell auf dem Schiffenberg verabschiedet. Viele Weggefährten, darunter Familie, ehemalige betreute Kinder und Jugendliche sowie auch Kollegen und Kooperationspartner, sind der Einladung gefolgt. 1974 kam der gebürtige Iraner nach Gießen, war sogar einer der ersten minderjährigen Alleinreisenden der dort sein Abitur machte. »Deshalb habe ich viel Sympathie für die jungen Geflüchteten, die alleine gekommen sind«, sagt er über die Menschen, mit denen er arbeitet. Im Juni 2011 wurde Madjidian Einrichtungsleiter bei der AWO, davor arbeitete er 23 Jahre lang bei der Caritas. 1988 stieg er im St. Stephanus-Haus in die Flüchtlingsarbeit ein. Beruflich eigentlich Diplom-Argraringenieur, wurde er zunächst als Erziehungshelfer eingestellt - daraufhin studierte er Sozialpädagogik, bildete sich weiter in Familien- und Musiktherapie. es nicht verwunderlich, dass Madjidian die Feier selbst an den Trommeln eröffnete. AWO-Geschäftsführer Matthias Pfeil erinnert an die Anfänge der Wohngruppe in der Marshallstraße, an deren Entwicklung Madjidian maßgeblich beteiligt war. Alle seien dankbar, dass er sich gegen die Arbeit mit Tieren und für die mit Menschen entschieden hat. Er sei den jungen Leuten nachhaltig in Erinnerung geblieben. Das wird auch an der großen Zahl an Jugendlichen und - mittlerweile - Erwachsenen deutlich, die gekommen sind um Nader Madjidian zu verabschieden. Clarissa beschreibt »ihren« Einrichtungsleiter als eine »so schöne Person«, wie sie noch nie kennengelernt hat. Anwar bedankt sich vor allem für Madjidians gute Laune, offene Art und sein Lächeln. Ein anderer Jugendlicher bedankt sich für seine Ausbildungsstelle und verspricht lachend, »Papa Nader« zu besuchen, sollte er einmal im Altersheim landen.

Nachfolger Georg Dorausch überreicht als Geschenk unter anderem ein Fußballtrikot. auf dem die Welt abgedruckt ist - da Madjidian von sich selbst behauptet, nicht nur einer Nation anzugehören. Auch ein selbstgemachter Weltpass, für dessen Einführung sich der 63-Jährige einsetzt, mit allen Herkunftsländern der AWO-Jugendlichen ist dabei.

Etwa 400 Jugendliche betreut

In seiner Rede erzählt Madjidian, dass er es zwar nicht vom berühmten Tellerwäscher zum Millionär geschafft habe, aber während seiner Arbeit unzählige Juwelen kennengelernt habe. Etwa 400 Kinder und Jugendliche habe er begleiten dürfen: 92 Prozent erlangten einen Schulabschluss, und die meisten später auch einen Berufsabschluss.

»Es ist wichtig, die Ressourcen der Menschen zu erkennen. Jeder hat sie, man muss nur daran glauben«, sagt Madjidian über sein Erfolgsrezept.

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