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Iwan Lappo-Danilewski hat mit Kollegen das Start-up Aaron.ai gegründet, das einen intelligenten Telefonassistenten für Arztpraxen entwickelt hat.

»Aaron« vergibt Arzttermine

  • VonSebastian Schmidt
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Gießen/Berlin (seg). »Wenn Sie mit unserem Kundendienst sprechen wollen, wählen Sie die Eins, für unseren Retouren-Service die Zwei, für aktuelle Angebote die Drei.« Telefonansagen wie diese sind nicht gerade beliebt. Trotzdem will das Berliner Start-up Aaron.ai, das der Gießener Iwan Lappo-Danilewski mit Kollegen gründete, mit einem Telefonassistenten sowohl Patienten als auch Ärzte und Medizinische Fachangestellte glücklich machen.

Wenn in der Praxis viel Betrieb ist, soll der Assistent Aufgaben wie die Terminvergabe übernehmen. Auch für die Vergabe von Impfterminen hat das Start-up eine Lösung.

Auf Augenhöhe mit Siri und Alexa

Lappo-Danilewski stellt klar, so wie die Telefonansage oben funktioniere Aaron nicht. Es handele sich bei der Telefonassistenz des Start-ups um eine künstliche Intelligenz. »Man führt wirklich einen Dialog mit dem System.« Einige Menschen dürften so etwas bereits kennen, zum Beispiel von den intelligenten Assistenten für zu Hause wie Siri oder Alexa. Das sind kleine Computer, die einem auf Wunsch Witze erzählen, Musik starten oder Licht dimmen. Hinter diesen Systemen stehen große Konzerne wie Apple und Amazon mit ebenso großen Computer-Ressourcen, um die Sprache der Benutzer zu erkennen.

Den Vergleich scheut Lappo-Danilewski trotzdem nicht. »Wir sind von der Spracherkennung auf dem gleichen Level, von der Nutzererfahrung sogar besser, da wir auf einen eng umgrenzten Anwendungsbereich beschränkt sind.«

Aaron ist auf Arztpraxen spezialisiert. »Die Anfragen der Anrufer sind oft ähnlich«, sagt Lappo-Danilewski. Termine, Rezepte oder Überweisungen würden die Patienten am meisten erfragen. Die Künstliche Intelligenz erkenne den Grund des Anrufers und erfasse die wichtigsten Informationen. Aaron soll die Medizinischen Fachangestellten in der Praxis dabei nicht ersetzen. »Patienten wollen auch mal nett plauschen, das kann unser System noch nicht«, sagt Lappo-Danilewski. »Wir kommen zum Einsatz, wenn die Hütte brennt oder jemand außerhalb der Sprechzeiten anruft.« So könne der Telefonassistent auch sonntags einen Termin ausmachen.

Und wenn ein Patient wegen einem dringenden Notfall anruft? Lappo-Danilewski erklärt, Aaron könne über bestimmte Worte erkennen, ob jemand direkt Hilfe benötige, weil er zum Beispiel einen Herzinfarkt habe, und signalisiere das im System. In der Weboberfläche des Telefonassistenten bekommen die Medizinischen Fachangestellten und Ärzte angezeigt, dass ein Patient einen sofortigen Rückruf benötigt, weil ein Notfall vorliegt.

Und wenn in dem Moment keiner auf den Bildschirm sieht? »Es ist besser als die Alternative«, sagt Lappo-Danilewski. Aaron springe ja nur ein, wenn in der Praxis niemand Zeit zum Abheben habe. »Sonst hängt jemand minutenlang in der Warteschleife und gibt einfach auf.«

Der Telefonassistent komme bereits in 1500 Arztpraxen zum Einsatz. Auch einige Gesundheitsämter benutzen ihn, sagt Lappo-Danilewsk. Wenn in Zukunft Ärzte die Corona-Impfungen durchführen, soll Aaron auch diese Termine ausmachen können. Wer bereits Aaron im Einsatz habe, könne sich eine Erweiterung für die Impftermine dazukaufen, aber das Impfsystem funktioniere auch für sich alleine. »Man muss dafür nicht direkt die ganze Telefonanlage umstellen.« Ärzte würden eine extra Telefonnummer geschaltet bekommen, an der Aaron Impftermine ausmacht.

Das Problem mit den überlasteten Telefonleitungen kann damit vielleicht gelöst werden. Impfstoffe kann die künstliche Intelligenz aber nicht herzaubern.

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