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In der Lessingstraße wird der Dealer von der Polizei kontrolliert und anschließend festgenommen.

Drogenprozess

Opa aus Gießen als Drogendealer? Große Geldmengen im Waschlappen

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Ein 62-Jähriger steht vor Gericht, weil er in Gießen mit Heroin und Kokain gedealt haben soll. Die Drogen hatte er zum Beispiel unterm Bett versteckt - und große Geldmengen in einem Waschlappen.

Gießen – Heroin ist eine erbarmungslose Droge. Einmal gespritzt, geraucht oder geschnupft, fühlen Konsumenten zuerst eine Ruhe, sie entspannen und blenden Ängste oder Probleme aus. Doch diese als wohlig empfundene Wirkung hält nur wenige Minuten an. Danach werden Konsumenten schläfrig. Wenn sie wieder fitter sind, verlangt der Körper nach mehr. Weil die Entzugssymptome so heftig sind, versuchen Süchtige, den Entzug zu vermeiden; dafür verschulden sich nicht wenige und verelenden. Hinzu kommt: Bei keiner anderen Droge ist das Risiko einer Überdosis so hoch. Wird sie mit Kokain zu einem sogenannten Speedball gemischt, ist es besonders gefährlich. Genau mit diesen beiden Drogen-Arten hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ein 62 Jahre alter Mann in Gießen und im Kreisgebiet gedealt. Deshalb muss er sich vor dem Landgericht verantworten.

Drogenprozess in Gießen: Routinekontrolle in der Lessingstraße

Die Polizei hatte den Mann bei einer Routinekontrolle im November vergangenen Jahres in der Lessingstraße angehalten. Als die Beamten ihn durchsuchten, fanden sie knapp 80 Gramm Heroin und 21 Gramm Kokain sowie 175 Euro. Sie nahmen den Gießener fest; seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft in Gießen. Anschließend durchsuchten sie seine Wohnung in einer Kreiskommune. Dort stellten sie weitere Drogen »in nicht geringer Menge« fest, wie Staatsanwältin Mareen Fischer am gestrigen Dienstag in der Anklageverlesung sagte. Auch hier fanden sie Heroin und Kokain. Der 62 Jahre alte Familien- und Großvater hatte die Betäubungsmittel an diversen Stellen im Haus versteckt: unter dem Bett in einer Tüte, unter dem Kopfkissen, unter der Bettdecke, in einem Schrank sowie in einer Kommode. Die Ermittler fanden Streckmittel, eine Waage und eine Schuldnerliste. An diversen Stellen lagen außerdem Messer. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass diese Waffen zum Schutz der Drogen dort deponiert wurden. Insgesamt stellten die Ermittler 6035 Euro in bar sicher - unter anderem in einem Waschlappen versteckt.

Drogenprozess in Gießen: Polizei findez auch Messer

Fischer sagte, die Betäubungsmittel habe der Angeklagte zum Weiterverkauf bei sich Zuhause gelagert. Regelmäßig beliefert habe er einen Mann und eine Frau in Gießen mit jeweils 80 Gramm Heroin; die beiden werden von der Justiz gesondert verfolgt. Die Übergaben haben laut Staatsanwältin zwischen dem 11. Mai und dem 16. November 2020 in der Wohnung der beiden Personen stattgefunden. Der Angeklagte machte am ersten Verhandlungstag nur wenige Angaben zu seiner Person. Zu den Vorwürfen einlassen will er zu einem späteren Zeitpunkt. Das Verfahren wird fortgesetzt.

Im November 2020 ging der Polizei im benachbarten Kreis Marburg-Biedenkopf ein mutmaßlicher Drogendealer ins Netz, der ebenfalls „deutlich über 60 Jahre“ sein soll.

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