Noch liegt auf dem ehemaligen Motorpool-Gelände jede Menge Müll. Ende des Jahres soll hier der Bau von knapp 80 Wohngebäuden beginnen. FOTO: SCHEPP
+
Noch liegt auf dem ehemaligen Motorpool-Gelände jede Menge Müll. Ende des Jahres soll hier der Bau von knapp 80 Wohngebäuden beginnen. FOTO: SCHEPP

Wohngebiet Philosophenhöhe

60-Millionen-Investition in neues Gießener Wohngebiet

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
    schließen

Die Entscheidung ist gefallen: Die Firmen Depant und Wilma bebauen das Investoren-Grundstück im Wohngebiet auf der Gießener Philosophenhöhe. Fast 60 Millionen Euro werden investiert.

Nur noch der erneut coronagerechte Rahmen erinnerte am Dienstagmittag daran, dass die Eindämmung der Lungenseuche im Moment den Alltag der Menschen bestimmt. Im großen Sitzungssaal des Rathauses wurde bei der Pressekonferenz des Magistrats eine gänzlich coronafreie Nachricht verkündet: Das 3,2 Hektar große Investoren-Grundstück auf dem früheren Motorpool-Areal der US-Armee hinter der Grünberger Straße geht an zwei Firmen, die in Gießen bereits nachgewiesen haben, dass sie Wohngebiete quasi "all inclusive" entwickeln können. Die Rede ist vom Gießener Bauträger Depant und seinem Frankfurter Partner Wilma. Nach dem Gebiet Q16 am Aulweg wollen die Firmen ab Ende des Jahres mit dem Bau von rund 130 Wohnungen beginnen. Die ersten Häuser sollen zur Jahreswende 2022/23 bezugsfertig sein. Laut Depant-Geschäftsfüher Kai Bülow werden 58 Millionen Euro investiert.

"Wir haben die Besten ausgesucht", erklärte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz zur Entscheidung im Rahmen eines sogenannten Interessenbekundungsverfahrens, in dem sich das Duo Depant/Wilma gegen zehn Mitbieter durchgesetzt hatte. "In den Punkten Städtebau, Nachhaltigkeit und Architektur hat uns dieses Konzept am meisten überzeugt", erklärte Grabe-Bolz. Bürgermeister Peter Neidel hob hervor, dass von dieser Entscheidung auch das heimische Bauhandwerk profitieren werde, was Depant-Chef Kai Bülow bestätigte: "Wir vergeben unsere Aufträge an den Mittelstand in der Region."

In den 58 Millionen Euro, die die beiden Unternehmen ausgeben wollen, sind die 8,4 Millionen Euro, die die Stadt als Grundstückspreis verlangt, bereits enthalten. Dem Grundstücksgeschäft muss aber noch der Corona-Sonderausschuss des Stadtparlaments zustimmen, der am 4. Mai, tagt.

Fast 80 Häuser sollen entstehen

Entstehen sollen acht Mehrfamilienhäuser und 66 Reihenhäuser bzw. Doppelhaushälften sowie drei weitere Wohn- und Geschäftshäuser, die eine, von der Arbeiterwohlfahrt betriebene Kindertagesstätte, Arztpraxen und Büros beherbergen. Ladengeschäfte sind angesichts des üppigen Angebots in der oberen Grünberger Straße mit Supermärkten und Bäckereicafés nicht vorgesehen. Gleichwohl werde das Gebiet den Charakter eines "kleinen Orts" erhalten, sagte Wilma-Architekt Ralf Sadowski. Auch das Quartiersparkhaus bauen die Investoren.

Bülow sprach von sechs verschiedenen Haustypen und 20 unterschiedlichen Wohnungszuschnitten, angefangen bei der 50-Quadratmeter-Wohnung mit zwei Zimmern bis zum Haus mit 155 Quadratmetern. "Einzimmerwohnungen sind aber nicht vorgesehen, wir bauen hier keine Studentenappartements."

Die Stadt hatte von Anfang an vorgegeben, dass im Wohngebiet Philosophenhöhe vor allem Familien ein Angebot gemacht werden soll, "preisgünstig Wohneigentum zu erwerben", wie Stadträtin Gerda Weigel-Greilich erklärte.

Neben den Eigentumswohnungen für sogenannte Schwellenhaushalte entstehen auf dem rund sieben Hektar großen Gesamtareal auch noch gut 100 Sozialwohnungen, die die stadteigene Wohnbau GmbH errichten wird, sowie einige größere Häuser, in denen Gruppen gemeinschaftliche Wohnformen realisieren können. Im Osten Richtung Gießener Ring wird sich ein Gewerbegebiet mit einem großen Park-and-Ride-Parkplatz für Berufspendler und Innenstadtbesucher anschließen.

Ein großes Thema ist auch die Energieversorgung des Gebiets mittels einer experimentellen Energiestation, die die THM und die Stadtwerke gemeinsam errichten werden. Zu den Vorgaben an die Bieter für das Investoren-Grundstück gehörte laut Bürgermeister Neidel auch eine 50-prozentige Dachabdeckung mit Fotovoltaik-Anlagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare