49-jähriger Gießener in Psychatrie eingewiesen

  • VonConstantin Hoppe
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Gießen (con). Ein zufälliges Treffen auf der Straße das zum Tod eines Menschen führte: Am Mittwoch stand im Prozess um einen Mord in der Egerländer Straße das Urteil an: »Selten ist eine Tat so klar vom Geschehen und dem zeitlichen Ablauf umrissen«, erklärte Regine Enders-Kunze als vorsitzende Richterin der 5. großen Strafkammer am Landgericht. Kurz zuvor sprach sie das Urteil:

Der 49-jährige P. der am 29. Oktober 2020 einen Mann in der Egerländer Straße mit einem Messer attackiert hatte, wird in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Dieses darf er erst wieder verlassen, wenn er keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellt: »Es ist zu befürchten, dass so etwas wieder geschehen könnte - das eine zufällige Begegnung zu so etwas führen kann, zeigt, wie brandgefährlich der Beschuldigte ist«, so die Richterin.

Zur Tatzeit war der Beschuldigte Schuldunfähigkeit: Aufgrund einer paranoid-schizophrenen Erkrankung war seine Steuerungsfähigkeit aufgehoben, wie auch das psychologische Gutachten bestätigte. An diesem Tag war P. losgezogen, um in seinem homophoben Wahn einen »bösen Menschen - einen Homosexuellen« zu töten, wie er in einer vorherigen Sitzung bestätigte.

Mit dem Urteil folgte die Richterin der Forderung von Staatsanwalt Klaus Bender, der sich auch die Nebenklage anschloss. »Es ist ein tragisches Verfahren für alle Beteiligten«, meinte Verteidiger Philipp Kleiner. »Solche Tatgeschehen sind geprägt von einer Krankheitsgeschichte - hier konnte man nicht rechtzeitig gegensteuern.« Damit schloss sich auch die Verteidigung der Forderung einer Sicherungsverwahrung an. Und auch der Beschuldigte selbst stimmte der Forderung zu: »Ich weiß, dass ich schuldig bin und Hilfe benötige.« Seine letzten Worte während der Verhandlung galten auch den Angehörigen des Getöteten: »Ich möchte mich besonders bei der Familie entschuldigen.«

Am letzten Verhandlungstag stand auch die Mutter des Beschuldigten im Zeugenstand: Sie berichtete vom Leben ihres Sohnes und davon, wie sich seit 2017 sein Krankheitsbild entwickelte - aber auch von ihrer Verzweiflung, da niemand helfen konnte. Nach einer normalen Kindheit in Kasachstan habe er in Deutschland nie Fuß fassen können. Er wanderte nach Kanada aus, seien Ehe ging in die Brüche. 2017 kehrte er alleine nach Deutschland zurück. »Er wurde aggressiv«, erzählt seine Mutter. Die Homophobie wurde auch immer stärker. Stationäre Aufenthalte in der Vitos-Klinik brachten nur zeitweise Besserung: In den letzten Wochen vor der Tat wurde es immer schlimmer.

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