Osthalle

46ers und Co.: Stadt Gießen führt Gespräche zu Multifunktionsarena

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Ein Defekt beim Heimspiel der 46ers Ende März hat eine alte Diskussion belebt: Wie lange taugt die Osthalle noch für die Bundesliga? Die Antwort der Stadt enthält eine Überraschung.

Die Playoffs sind der Sehnsuchtsort der Basketballer der Gießen 46ers – und wohl auch in dieser Saison unerreichbar. Trotzdem kann sich der Zuschauerzuspruch auch in dieser Spielzeit sehen lassen: Mit 3520 Besuchern im Schnitt belegen die Gießener zumindest im Zuschauerranking derzeit den begehrten Platz acht, die Auslastung der altehrwürdigen Sporthalle Ost liegt bei fast 94 Prozent. Daher wird die Frage, wie lange die städtische Halle die Erfordernisse der Bundesliga erfüllen kann, nicht nur die Fans der 46ers weiter beschäftigen. Zumal es da diesen Vorfall Ende März beim Spiel gegen Crailsheim gab, als wegen eines defekten Rauchschutzvorhangs mehrere Blöcke frei bleiben mussten. Ein Alarmsignal indes ist das nicht, betont die Stadt. "Das aktuelle Geschehnis eignet sich wahrlich nicht als Beispiel für eine niedergehenden Halle. Das hätte in jeder Halle passieren können – auch in der modernsten Arena anderer Städte", erklärt Magistratssprecherin Claudia Boje.

Ursprünglich sei nur ein kleines Relais, das man leicht hätte austauschen können, defekt gewesen. Vor dem Heimspiel gegen Alba Berlin sei der Vorhang dann leider unsachgemäß hochgebunden worden und habe Schaden genommen. Und zwar derart, dass der Vorhang nicht mehr repariert werden konnte und ausgetauscht werden muss, erläutert Boje und fügt hinzu: "Der Vorhang ist eine Maßanfertigung und nicht bei Obi oder Bauhaus zu kaufen." Daher dauere es etwas länger, Ersatz zu beschaffen. Die Einschränkung der Zuschauerkapazität sei unumgänglich gewesen, schließlich gehe es um "elementare Sicherheitsanlagen". Mit dem Brandschutz sei nicht zu spaßen, betont Boje.

Unabhängig von diesem einzelnen Problem fährt die Stadt mit Blick auf die Zukunft des Bundesliga-Basketballs in Gießen momentan zweigleisig. In diesem Zusammenhang bestätigt Boje, dass Gespräche über den Bau einer Multifunktionsarena laufen. "Diese führen wir aber nicht öffentlich", sagt Boje. Parallel werde über eine "Ertüchtigung" der Osthalle gesprochen, dies mit Blick auf die Anforderungen der Liga und darüber hinaus. Was die weitere Modernisierung der Osthalle betrifft, seien bereits eine "Menge Dinge" angeschoben worden. So sei die für die Fernsehvermarktung notwendige LED-Beleuchtung, die ab dem Sommer 2020 zur Verfügung stehen muss, bereits in Planung. Noch in diesem Jahr soll die IT-Infrastruktur ausgebaut und erneuert werden, weitere Schritte würden diskutiert, sagt Boje weiter.

Im US-Depot kein Platz für Halle

Spannend ist natürlich die Information, dass der Bau einer Multifunktionsarena wieder ein Thema ist. Wobei sich die Frage stellt, wo es für eine derart große Halle und die dazugehörigen Parkplätze eine Fläche in Gießen gibt. Das frühere US-Depot zum Beispiel kommt dafür nicht in Frage. "Das war ganz früher mal ein Thema, jetzt haben wir einfach den Platz dafür nicht mehr", sagt Depot-Eigentümer Daniel Beitlich. Neben der Platzfrage stellt sich natürlich auch die nach der Nutzung und Vermarktung; nur mit einem Mieter, den Gießen 46ers, ließe sich eine private Veranstaltungshalle nicht finanzieren. Das führt zur Anschlussfrage, ob der Raum Gießen/Wetzlar zwei Arenen für Profisport, Konzerte usw. ernähren kann.

Vor rund 15 Jahren wurde diese ganze Debatte schon einmal geführt, als sich der heimische Investor Volker Arenth anschickte, im Lindener Lückebachtal auf einem Grundstück der Metro AG einen "Sport Opera Dome" für 7000 Besucher zu errichten. Doch der mittlerweile verstorbene Arenth geriet in die Mühlen der Standortpolitik und scheiterte mit seinem Projekt.

Um eine Abwanderung der Basketballer zu verhindern, entschloss sich der Magistrat damals – mit Unterstützung des Landes Hessen – zum Ausbau der Osthalle von einer Zuschauerkapazität von 3100 auf 4000 und schloss einen Nutzungsvertrag mit den 46ers ab, der seitdem mehrfach verlängert wurde. Die Modernisierung der Osthalle wurde freilich eine teure Angelegenheit für die Stadt: Die Kosten stiegen von geplanten 2,7 Millionen auf über fünf Millionen Euro.

Stadt gewährt Vorteile

46ers zahlen keine Hallenmiete

Einen ganz großen Vorteil für die Gießen 46ers hat die Nutzung der Osthalle: Als in Gießen ansässiger Verein müssen die Basketballer keine Hallenmiete zahlen. Die Stadt macht keinen Unterschied, ob es sich bei dem Nutzer um ein Profisportunternehmen wie die 46ers oder einen ehrenamtlich geführten Verein handelt. In der Sportförderrichtlinie der Stadt Gießen heißt es einfach: "Die städtischen Sportanlagen und Funktionsgebäude stehen den Gießener Sportvereinen für den Trainings- und Spielbetrieb unentgeltlich zur Verfügung." Die Hüttenberger Handballer mussten dagegen, als sie in der Bundesliga spielten und nach Gießen auswichen, jeweils eine Nutzungsgebühr entrichten.

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