3000 Euro pro Fahrt erhalten?

  • VonConstantin Hoppe
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Gießen (con). Im Prozess um den Online-Drogenshop »Chemical Revolution« stand am Donnerstag vor dem Gießener Landgericht der zweite Teil der Einlassung des Angeklagten Michael G. an: Der Deutsch-Pole soll als Kurier der Gruppe tätig gewesen sein und später auch die Organisation der Transporte übernommen haben (wie diese Zeitung berichtete). Am Donnerstag wurden noch einige Detailfragen rund um die Beteiligung der anderen Angeklagten, die Struktur der Organisation und die Art der transportierten Drogen aufzuklären versucht.

»Nachdem ich mit Arkadiusz D. ins Geschäft gekommen war, berichtete er mir, dass es noch einen Verpacker und jemanden, der die Jobs organisiert, gäbe - er selbst sei für die Beschaffung der Betäubungsmittel verantwortlich«, berichtete Michael G. »Was genau an Drogen besorgt wurde, war nie Teil unserer Gespräche - er hat nur gesagt: Alles.«

Dabei gab es auffällig viele Aspekte, an die sich G. nicht erinnern kann. Dafür hatte er aber auch eine Erklärung parat: »Ich habe mich mehr um das Geschäft rund um die Elektroartikel konzentriert - da lag mein Fokus.« Gemeinsam mit D. wollte er auch einen legalen Elektroartikel-Versand aufbauen, daraus wurde aber nichts. Bei den Drogengeschäften berichtete er zudem von seiner Unzufriedenheit: »Für die gesamte Zeit meiner Zusammenarbeit mit D. bekam ich gerade einmal 10 000 bis 15 000 Euro von ihm, da hatte ich mit mehr gerechnet.«

50 Kilogramm Amphetamine

Zu einer Lieferung konnte G. dann doch noch genauere Angaben machen: Bei dem neunten und letzten Transport, den er mitorganisierte, sollen neben Cannabis und Kokain auch 50 Kilogramm Amphetamine bestellt worden sein.

Durch die nun erfolgte Einlassung von Michael G. fühlte sich schließlich auch Piotr F. zu einer Erweiterung seiner Aussage veranlasst: »Der Grund für diese Einlassung ist, dass G. voll geständig war und ich ihn nicht mehr decken muss«, ließ F. durch seinen Verteidiger mitteilen. Er bestätigte die Angaben von Michael G., wollte aber einige Dinge richtigstellen: »Ich hatte finanzielle Probleme, als mich G. kontaktierte - er war immer mein Ansprechpartner, ich war gewissermaßen sein Laufbursche«, berichtet F.

»Die anderen Beteiligten der Gruppe habe ich nur flüchtig kennengelernt und nur selten gesehen.« Der ganze Grund für seine Mittäterschaft sei das Geld gewesen - als dieses ausblieb habe er aussteigen wollen: »Ich sollte 3000 Euro pro Fahrt erhalten - aber nachdem ich diese Summe für die erste Fahrt bekommen hatte, bekam ich für die Folgefahrten nur noch 2000 Euro.« Danach habe ihn G. jedoch bedrängt, weiter die Fahrten zu übernehmen. »Ich war insgesamt dreimal auf dem Weg aus den Niederlanden nach Deutschland - ich wusste, dass es um Drogen ging, aber was genau ich transportierte, hat mir nie jemand gesagt«, berichtet F. weiter. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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