300. Lesung im Visier

  • Karola Schepp
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Das Literarische Zentrum fiebert der 300. Lesung seit seiner Gründung im Jahr 2009 entgegen. Und die wird auch noch sehr ungewöhnlich: Ali Can stellt sein politisches Projekt und gleichnamiges Buch "Hotline für besorgte Bürger" vor. Aber auch die anderen Angebote des neuen Herbstprogramms bieten Spannendes.

Vorsitzender Sascha Feuchert und Programmleiterin Anna-Lena Heid bekommen bei der Vorstellung des neuen LZG-Herbstprogramms das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht. Von Oktober bis Dezember bietet das Literarische Zentrum Gießen für Bücherfans einen "Knaller" nach dem anderen. Spannende Autoren, zum Teil mit brandneuen Büchern, geben sich die Klinke in die Hand. Einer der spektakulären Vorleser ist der Gießener Student Ali Can, der eine bundesweit vielbeachtete Hotline für multikulti-besorgte Bürger ins Leben gerufen hat, bei der die Anrufer ohne Hemmungen ihre Sorgen und Ängste besprechen können. Ali Can hört ihnen zu und gibt Tipps und Ratschläge, wie das Zusammenleben der Kulturen funktionieren kann. Über diesen interkulturellen Austausch hat er ein gleichnamiges Buch geschrieben. Projekt und Buch wird er am 17. Oktober in der Uni-Aula vorstellen.

Luther und "Berlin Babylon"

Nachdem am 11. Oktober Valérie Zenatti mit ihrem Erfolgsroman "Jacob, Jacob" passend zum Gastland Frankreich der diesjährigen Buchmesse im KiZ zu erleben ist, folgt am 25. Oktober eine Lesung mit Jugendbuchautorin Annabel Wahba, die zur an diesem Tag endenden Ausstellung "Frieden geht anders" in der Licher Volkshochschule aus ihrem Jugendbuch "Tausend Meilen über das Meer" liest. In dem Buch wird die Geschichte eines Jungen aus Syrien erzählt.

"Luther und die Folgen" sind Thema einer Podiumsdiskussion am 26. Oktober im Alten Schloss, bei der die Gießener Kirchenhistorikerin Athina Lexutt, der Heidelberger Sprachforscher Jörg Riecke und der "Spiegel"-Autor Friedrich Deickmann diskutieren. Dass mit Luthers Thesen-Anschlag in Wittenberg die Reformation begonnen habe und der Mönch mit seiner Bibelübersetzung eine neue deutsche Sprache geschaffen habe – diese beiden Aussagen werden von den Diskussionsteilnehmern kritisch hinterfragt.

Wie lässt man einen Graphic-Novel-Autor am besten sein Werk vorführen? Man lässt ihn im Kino lesen und zeigt parallel seine Zeichnungen auf der großen Leinwand (Eintritt 12, ermäßigt acht Euro). Arne Jysch wird dies am 3. November im Kinocenter in einer Kooperationsveranstaltung von Krimifestival und LZG tun. "Der nasse Fisch" heißt die Graphic-Novel, in der Jysch die 2007 von Erfolgsautor Volker Kutscher um den Berliner Ermittler Gereon Rath gestartete Krimiserie im Berlin der 20er-Jahre umsetzt. Der erste Band der Reihe ist verfilmt worden und kommt ab 13. Oktober als Serie "Berlin Babylon" ins Sky-Fernsehen.

Thomas Bohn und Helge Heynold werden am 16. November im KiZ dem europäischen Mythos "Vampir" auf den Grund gehen. Und mit Maria Miliasvljevic (29. November) und Catherine Grosvenor aus Edinburgh (13. Dezember) sind gleich zwei Dramatikerinnen zu Gast im KiZ und stellen ihre aktuellen Stücke vor: das Antiterrorstück "Beben" und das noch unveröffentlichte "Brexit: An Abschieds-Song". Im Gespräch können Interessierte Einblick in die Stücke bekommen.

Ein Geheimtipp unter den deutschen Erzählern ist derzeit noch Michael G. Fritz. Wenn er am 30. November im KiZ seinen neuen Roman "Ein bisschen wie Gott" vorstellt, dürfte es mit dem Schattendasein zumindest in Gießen vorbei sein. Fritz greift ein brandaktuelles Thema auf: die Überwachungskameras an einem Berliner Bahnhof und was die mit einem bitteren Familiengeheimnis zu tun haben.

Nach der Weihnachtsinszenierung der Theatergruppe des Germanistischen Instituts mit "Tetzelocramia" (11. Dezember in der Pankratiuskapelle) endet das LZG-Herbstprogramm am 14. Dezember mit Johano Strasser und seinem Langgedicht "Der Wind" in der Lukaskirche. Moderator Feuchert verspricht einen "besinnlich-fetzigen Abend" mit Harfe (Lilo Kraus) und Mundharmonika (Chris Schmitt) und dem früheren PEN-Vorsitzenden Strasser.

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