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Mit bis zu 125 km/h kann sich eine Stockente durch die Luft bewegen. Dies haben Forscher der AG Wildtierforschung an der Uni Gießen herausgefunden. FOTO: PIXABAY

2250 Kilometer in zwei Tagen

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Tiere dürfen trotz Corona noch reisen: So legte eine heimische Ente bei einem Rekordflug nach Russland stramme 2250 Kilometer in nur zwei Tagen zurück. Das zarte Tier erreichte dabei ein Höchsttempo von 125 km/h. Dies belegt ein Forschungsprojekt zum Schutz von Stockenten an der Universität Gießen.

Während Fernreisen für Menschen während der Corona-Einschränkungen zurzeit nicht möglich sind, lassen sich Tiere nicht davon abhalten, ihre jährlichen Zugwege zu verfolgen. So auch eine Stockente, die im Rahmen eines Forschungsprojekts der AG Wildtierforschung an der Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) Mitte November des vergangenen Jahres mit einem GPS-Sender versehen wurde. Diese Daten zeigen nun einen Rekordflug der Ente nach Russland.

Der Wasservogel hatte den gesamten Winter zwischen Grünberg und Lich verbracht und sich die meiste Zeit im Naturschutzgebiet "Wirtswiesen bei Lich" aufgehalten. Dort bieten die Kleingewässer und überfluteten Wiesen einen idealen Lebensraum für Wasservögel.

Anfang April blieben dann die regelmäßigen Datenlieferungen aus. Die Gießener Forscherinnen und Forscher befürchteten schon einen technischen Defekt an dem solarbetriebenen Sender. Umso überraschter war Arbeitsgruppenleiter Johannes Lang, als Anfang Mai ein großes Datenpaket ankam und die Aufenthalte des Vogels verriet.

Zuerst technischen Defekt vermutet

Nach der Überwinterung in Hessen hatte sich die Ente nämlich auf den Weg in ihr Brutgebiet gemacht, und das liegt im Norden Russlands.

Die Reisestrecke von den Wirtswiesen bei Lich zu einem See im Oblast Jaroslawl (etwa 300 Kilometer nördlich von Moskau gelegen) war insgesamt etwa 2250 Kilometer lang und wurde von der Ente in nur zwei Tagen und drei Stunden zurückgelegt.

Dabei flog die Ente während der Ostseequerung mit rekordverdächtigen 125 Kilometern pro Stunde. Ihre höchste Flughöhe erreichte sie mit 780 Metern bei der Überquerung des Harzes.

Das Projekt wird vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) aus Mitteln der Jagdabgabe gefördert. Es dient der Erforschung der Zugwege von Stockenten, die in den vergangenen Jahren immer seltener in Hessen und im heimischen Raum überwintert haben. Unter anderem wollen die Gießener Wildbiologinnen und -biologen herausfinden, wie hoch im Winter der Anteil von Enten ist, die nicht in Hessen brüten, sondern nur hier überwintern.

Die Ergebnisse sollen dazu dienen, die Nachhaltigkeit der jagdlichen Nutzung von Stockenten in Hessen sicherzustellen und wo nötig Schutzmaßnahmen einzuleiten.

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