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Markus Machens sammelt seit sechs Jahren Spenden und gibt sie vor allem an Menschen weiter, die auf der Straße leben. FOTO: SCHEPP

1900 Päckchen verteilt

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Gießen(kw). "Mir ging es selber mal schlecht. Und ich bin ein gutmütiger Mensch." Viel mehr möchte Markus Machens nicht sagen auf die Frage, was ihn antreibt. Seit sechs Jahren verteilt der Gießener in der Weihnachtszeit Geschenke an Obdachlose und andere Hilfsbedürftige. Sage und schreibe 1900 Pakete hat er dieses Jahr gesammelt und erstmals auch in seiner Heimatstadt weitergegeben.

Mit Handschuhen dirigiert der 53-Jährige während des GAZ-Gesprächs die Stapel von Paketen, die seine Mitarbeiter kurz vor der Verteilung aus seinem ungeheizten Büro tragen. "Wenn die Obdachlosen im Kalten schlafen, kann der Markus auch im Kalten sitzen." Ständig klingelt das Telefon. Ein Anrufer bedankt sich für das Engagement. "Ja, es kostet Zeit und Kraft", bestätigt Machens, mehr als vier Stunden Schlaf finde er derzeit selten. Dann wendet er sich wieder einem bedenklich wankenden Paketstapel zu.

300 Wohnsitzlose am Flughafen

Der Inhaber des Geschäfts "Möbelschnäppchen & mehr" ruft vor allem auf seiner Facebookseite "Markus und seine Freunde auf der Straße" zum Päckchenpacken auf. Die Spender sollen "Dinge zum Genießen" in die Kartons legen. Geeignet seien zum Beispiel Hygieneartikel oder Accessoires wie Schals, erklärt Machens. Süßigkeiten sollten dabei sein, auf jeden Fall eine persönliche Karte oder ein Brief, auch die schöne Verpackung ist ein Muss. Alkohol und Zigaretten sind tabu, gebrauchte Kleidung ebenfalls. Die sammelt Machens ganzjährig und gibt sie über eine Privat-Kleiderkammer weiter.

Bisher hat er in der Vorweihnachtszeit vor allem in Frankfurt Geschenke verteilt - nicht nur in der Stadt, sondern auch am Flughafen. "Dort leben 300 Obdachlose." Er kooperiere mit Sozialarbeitern vor Ort und dem Frankfurter Verein "Street Angel". Dieses Jahr wurde er nun auch in seiner Heimatstadt aktiv. Als "Nikolaus" beschenkte er mithilfe seiner Mitarbeiter Menschen in Anlaufstellen für Wohnungslose, in Kliniken oder an Treffpunkten in der Stadt.

Der Unternehmer unterstützt auch das Kinderpalliativteam Mittelhessen und rief über Facebook kürzlich zu Spenden für die Delfintherapie eines behinderten Jungen auf.

Bei der Nikolausaktion berührten ihn die Gesichter der Beschenkten, erzählt er. "Die meisten schämen sich dafür, dass sie obdachlos sind." Die Päckchen und guten Wünsche sorgten für leuchtende Augen, weil sie Zuwendung und Respekt ausdrücken. "Jeder kann helfen", so Machens’ Erfahrung, "auch kleine Dinge können Großes bewirken".

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