Jonas Wilhelm forscht an Brennstoffzellen. FOTO: CHH
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Jonas Wilhelm forscht an Brennstoffzellen. FOTO: CHH

Mensch, Gießen

17-jähriger Überflieger aus Gießen ist kein Streber

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Jonas Wilhelm ist ein Überflieger. Sagen zumindest seine Lehrer an der Ricarda-Huch-Schule in Gießen. Der 17-Jährige hat in allen Fächern eine Eins. Ein Streber ist er aber nicht.

In der Brennstoffzelle liegt die Zukunft. Diese Meinung vertreten nicht wenige Wissenschaftler. In ihr stecke unheimlich viel Potenzial, die Energiequelle sei der größte Hoffnungsträger für ein klimaneutrales Leben. Jonas Wilhelm kennt die Vorzüge der Brennstoffzelle. Schließlich hat er sich kürzlich an der Hochschule RheinMain in Rüsselsheim mit dem Thema "Elektromobilität - Brennstoffzellen" beschäftigt. "Bei dem Forschungsprojekt ging es vor allem darum, Wasserstoff attraktiver zu machen", sagt er. Das Besondere: Wilhelm ist kein Student, sondern Schüler. Und er ist erst 17 Jahre alt.

Früh von den Eltern gefördert

Das Zeugnis des Ricarda-Huch-Schülers ist der Traum jeder Eltern. Wilhelm hat in jedem Fach eine Eins. Seine Lehrer sagen daher, er sei hochbegabt. Stimmt das? Wilhelm muss bei der Frage lachen: "Ich habe keine Ahnung. Ich habe gute Noten. Mir wird auch gesagt, dass man mir nicht anmerkt, dass ich überdurchschnittlich schlau bin. Ich würde eher sagen, ich bin naturwissenschaftlich und technisch begabt." Er weiß natürlich auch, dass dies nicht die guten Noten in all den anderen Fächern erklärt. Vermutlich dürfte es seiner schnellen Auffassungsgabe geschuldet sein, dass er so gut abschneidet.

Wilhelm ist in Langgöns aufgewachsen. Sein Vater ist Psychiater, seine Mutter Steuerberaterin. Schon früh hätten die beiden Eltern ihn und seinen Bruder gefördert, sagt der 17-Jährige. "Sie haben uns immer animiert. Wir sind zum Beispiel regelmäßig zum Mathe-Treff gegangen und haben Knobelaufgaben gemacht."

Nach der Grundschule, als die naturwissenschaftlichen Aufgaben anspruchsvoller wurden, merkte Wilhelm erstmals, dass ihm Vieles leichter fällt als seinen Mitschülern. "Ich habe aber schon immer schnell gelernt und Zusammenhänge verstanden."

Überall Einsen im Zeugnis, ein Faible für Mathe und Naturwissenschaften: Es ist nicht verwunderlich, dass Wilhelm ab und an als Streber bezeichnet wird. "Ja, das ist leider so. Viele Leute, die mich nicht kennen, denken, ich würde die ganze Zeit zu Hause sitzen und lernen. Es ist schade, dass man manchmal so abgestempelt wird." Denn tatsächlich ist Wilhelm kein Stubenhocker. Er geht feiern und trifft sich mit Freunden. Zudem hat er Interessen und Leidenschaften, die über die Naturwissenschaften weit hinaus gehen. "Ich spiele dreimal die Woche Fußball. Und drei bis viermal in der Woche gehe ich zum Krafttraining ins Fitnessstudio", zählt der 17-Jährige auf. Neben Sport und Wissenschaft gehört auch noch die Musik zu seinen Leidenschaften. Wilhelm hat Schlagzeug und Klarinette gespielt, derzeit konzentriert er sich jedoch auf das Klavier. "Das ist am vielseitigsten", findet er.

Fußball, Fitness und Klavier

Gut möglich, dass Wilhelms mathematisches Verständnis dazu beiträgt, dass ihm das Musizieren leichter fällt. Er wäre nicht der erste Hochbegabte, auf den das zutrifft. Den Takt zu halten, ist für den 17-Jährigen zumindest kein Problem, das Notenlesen selbstverständlich auch nicht.

Wenn Wilhelm an Brennstoffzellen forscht, interessiert ihn vor allem der technische Aspekt. Das heißt aber nicht, dass ihm die Bedeutung für die Umwelt und das Klima egal wären. Im Gegenteil: "Es ist wichtig, etwas gegen den Klimawandel zu tun." Daher hat der Ricarda-Huch-Schüler auch schon bei Fridays for Future mitdemonstriert. "Es ist aber nicht so, dass ich jeden Freitag auf die Straße gehe."

Das ist aber auch okay. Sollte Wilhelm mit seiner Leidenschaft dazu beitragen, die für den Klimawandel benötigte Technik zu verbreiten, wäre der Erde mehr geholfen. Dann wäre Wilhelm selbst wie eine kleine Brennstoffzelle: ein Hoffnungsträger mit sehr viel Potenzial.

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