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Die Erschließungsarbeiten auf der Großbaustelle liefen auch in den letzten Wochen weiter. 

Otto-Nachfolger VGP

Gießen: Bis zu 1000 Arbeitsplätze im früheren US-Depot - Weitere Infos zu neuen Plänen

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Der Otto-Schock von Anfang April ist verdaut, der neue Investor für das frühere US-Depot heißt VGP, stammt aus Tschechien und will bis zu 1000 Arbeitsplätze schaffen.

Wer Revikon-Chef Daniel Beitlich in den letzten Wochen nach der überraschenden Absage von Otto erlebt hat, staunte, wie gelassen der Geschäftsführer mit der schlechten Nachricht in einem wirtschaftlich angespannten Umfeld umging. Da war sich einer wohl ziemlich sicher, dass er nicht lange auf den 32 Hektar und Erschließungskosten in Millionenhöhe sitzenbleiben wird. Am Dienstagnachmittag wurde aus dieser Vermutung Gewissheit. Wie die Gesellschaft, der das US-Depot gehört, mitteilte, hat das Unternehmen VGP das Projekt übernommen und die 32 Hektar, die für das "Logistikzentrum Gießen" vorgesehen waren, gekauft. "VGP steigt in alle Verträge ein. Wir sind froh, so schnell einen Partner gefunden zu haben, der das Projekt nahtlos fortführt", erklärte Beitlich. Und diesmal gibt es - anders als bei Otto - auch keine letzte Rücktrittsoption mehr. Das Grundstücksgeschäft sei "unter Dach und Fach".

Gießen: Bis zu 1000 Arbeitsplätze

VGP ist einer der führenden europäischen Anbieter von hochwertigen Logistik- und Gewerbeimmobilien. Das Unternehmen will am Standort auf dem früheren AAFES-Gelände im Endausbau bis zu 1000 Arbeitsplätze schaffen. Mit weiteren Logistikparks ist VGP in der Region bereits im Gewerbegebiet Lützellinden, in Großen-Buseck und Wetzlar vertreten. Insgesamt verfügt man deutschlandweit über 30 solcher Logistikzentren.

Wie Beitlich sagte, sei das Interesse nach der Absage von Otto sofort "riesengroß" gewesen. Mit VGP habe man schließlich den bestmöglichen Partner gefunden. Darius Scheible, Geschäftsführer der VGP Industriebau GmbH, unterstrich die Bedeutung des Projekts für sein Unternehmen und die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Gießen. "VGP ist sehr freundlich von den Verantwortlichen der Kommune aufgenommen worden. Wir werden alles daran setzen, ein guter Nachbar zu sein." Mit der Errichtung weiterer Hallen in der Region und dem Abschluss langfristiger Mietverträge wolle VGP "nachhaltig zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beitragen", sagte Scheible.

Auch bei der Stadt ist die Erleichterung nach dem Otto-Schock von Anfang April groß. Damals hatte Bürgermeister Peter Neidel noch befürchtet, dass die ganze Arbeit am Bebauungsplan "Alter Flughafen III" mit den aufwendigen Gutachten unter anderem zum Verkehr für die Katz ist. Nun indes wird Otto-Nachfolger VGP die Planung und wohl auch den städtebaulichen Vertrag fast nahtlos übernehmen. Zudem braucht VGP nur eine Hallenhöhe von 15 Metern und will die Dächer mit Photovoltaik-Anlagen bestücken. "Das waren für uns wichtige Punkte in den Gesprächen mit VGP. Die schnelle Vermarktung ist ein Glücksfall für uns", erklärte der Planungsdezernent. Auf die Bauordnungsbehörde der Stadt wird nun bald viel Arbeit zukommen, denn noch in diesem Jahr will VGP erste Bauanträge stellen.

Gießen: Die von Otto geplante Hallen-Aufstellung bleibt

Laut der Mitteilung vom Dienstag bleibt die von Otto geplante Aufstellung der Hallen und damit die "Kulissenwirkung" unverändert, das Verkehrsaufkommen werde sich durch den neuen Nutzer nicht erhöhen. Zu den Betriebsabläufen enthält die Erklärung vom Dienstag noch keine Details. Im Fall von Otto ging die Verkehrsmengenprognose von täglich 4000 zusätzlichen Pkw- und 850 Lkw-Fahrten aus, die weitgehend über die Autobahn abgewickelt werden sollten.

Unklar blieb am Dienstag, ob Neidel mit der Neuansiedlung nicht doch noch einmal vor die Stadtverordnetenversammlung treten muss. Den Bebauungsplan hatte das Stadtparlament im vergangenen September als Satzung beschlossen. Endgültig rechtskräftig wurde die Planung Anfang April, kurz danach kam die Absage von Otto.

Der Einstieg von VGP bedeutet auch, dass die Stadt bei der äußeren Erschließung nun weiter richtig Gas geben muss. Straßen und Kreuzungen müssen umgebaut werden, Ampelanlagen errichtet und Radwege angelegt werden, und auch die Einrichtung eines Bahnhaltepunkts für das Gewerbegebiet Alter Flughafen muss forciert werden. Denn was für das "Logistikzentrum Gießen" von Otto galt, gilt jetzt für das Vorhaben von VGP. Damit es im Gießener Osten nicht zum Verkehrskollaps kommt, müssen die Verkehrsanlagen ausgebaut sein, bevor der Logistikpark eröffnet wird.

VGP wurde 1998 in der Tschechischen Republik als Immobilienentwickler im Familienbesitz gegründet und ist an den Börsen in Brüssel und Prag notiert. Der Expansionskurs begann 2007 mit Projekten in Zentralosteuropa und dem Baltikum. Seit 2013 ist das Unternehmen auf dem deutschen Markt präsent. Anders als Otto ist VGP nicht im Versand- und Onlinehandel tätig, sondern vermietet schlüsselfertig erstellte Logistikparks.

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