_110040_4c
+
Ali Al-Dailami

100 Prozent für Al-Dailami

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
    schließen

Gießen (khn). Mit einer deutlichen Mehrheit ist Ali Al-Dailami von den Linken-Mitgliedern der Kreisverbände Gießen und Vogelsbergkreis zum Direktkandidaten für den Deutschen Bundestag gewählt worden. Der Gießener erhielt 100 Prozent der Stimmen. Zwar wird es für den in Sanaa (Jemen) geborenen 40-Jährigen schwer, das Direktmandat zu erringen. Es ist aber davon auszugehen, dass der seit 2018 als stellvertretender Bundesvorsitzender der Linken tätige Al-Dailami auf einem aussichtsreichen Listenplatz kandidieren wird.

Für den Linken-Politiker wird dieses klare Votum vermutlich eine Bestätigung sein: Zuletzt hegte er Ambitionen auf den Bundesvorsitz seiner Partei. Dies klappte nicht, weil die ebenfalls in Mittelhessen beheimatete Janine Wissler, die die Hessische Landtagsfraktion der Linken führt, diesen Part übernommen hat.

Al-Dailami sagt, er werde mit »offenem Visier« in den Wahlkampf gehen und für seine Themen streiten. Entscheidend werde die Frage sein, wer für die Kosten der Corona-Krise aufkomme und wie der sozial-ökologische Umbau gestaltet werden soll, sagt er. Die Folgen dürften nicht auf die Mehrheit der Menschen abgewälzt werden. »Zahlen sollen jene, die ihr Vermögen auch in dieser Krise steigern konnten«, betont Al-Dailami. Gleichzeitig brauche es »massive Investitionen«, um den sozial-ökologischen Umbau der Gesellschaft ohne soziale Verwerfungen voranzubringen.

Hessen, sagt Al-Dailami, sei neben Nordrhein-Westfalen das Bundesland mit dem höchsten Migrantenanteil. Viele Menschen aus Einwandererfamilien seien beispielsweise bei der Bildung oder im Beruf benachteiligt. »Es braucht eine Politik, die diese Menschen repräsentiert«, sagt der Linken-Politiker. »Dieser Gruppe möchte ich eine Stimme geben.« Gerade aufgrund seiner Biografie und Erfahrung sieht er sich dazu in der Lage: Geboren im Jemen, kam Al-Dailami als Flüchtling nach Deutschland und lebte in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe - unter anderem im Kinderheim in Lich.

Weil der zum Restaurantfachmann ausgebildete Al-Dailami Erfahrungen mit Leiharbeit und Hartz IV gemacht hatte, ist es ihm wichtig, »dass der Niedriglohnsektor ausgetrocknet und Leiharbeit verboten wird«. Hartz IV müsse durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzt werden. »Hier geht es auch um die Würde der Menschen.«

Dass die Arbeit im Bundestag Auswirkungen auf seine Rolle als Linken-Chef im Stadtparlament haben wird, verneint Al-Dailami. »Es ist vielmehr eine Stärke, Kommunal- und Bundespolitik zusammenzubringen«, sagt er. Denn es sei wichtig zu wissen, was es am Ende konkret für Kommunen bedeute, wenn in Berlin etwas entschieden werde.

Neben der Linken haben die Grünen (Behzad Borhani), CDU (Helge Braun), SPD (Felix Döring), FDP (Dennis Pucher), AfD (Uwe Schulz) sowie die PARTEI (Darwin Walter) Direktkandidaten nominiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare