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das Panzernashorn Sanjay reist von Nürnberg nach Edinburgh (Schottland). Foto: Helmut Maegdefrau/Tiergarten Nuernberg/dpa

Viel Papierkram befürchtet

Vor dem Brexit: Zoos tauschen schnell noch Tiere aus

In der EU können Zoos Tiere tauschen und so ohne Inzucht an Nachwuchs gelangen. Doch ein Brexit könnte vielen Zoos ihre Zucht-Arbeit erschweren. Einige reagieren schnell.

Nürnberg/Mechelen (dpa) - Mehrere Zoos befürchten, dass es nach einem Brexit Probleme beim Transport ihrer Tiere für Zuchtprogramme geben könnte.

"Wir wissen nicht, was da auf uns zukommt", sagte der Geschäftsführer des Verbands der Zoologischen Gärten, Volker Homes, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. "Die Briten haben bisher wenig geregelt."

Für die Zucht tauschen Zoos ihre Tiere regelmäßig aus, um Inzucht und damit verbundene genetische Defekte zu vermeiden. Auch hier gelten EU-Regeln. Mehrere Zoos beeilen sich nun, Tiere auszutauschen, solange die Regeln auch für Großbritannien noch gelten. So schickte der Tiergarten Nürnberg kürzlich Nashorn Sanjay auf die Reise nach Edinburgh in Schottland. Und der belgische Zoo Planckendael tauschte rasch zwei Zwergschimpansen gegen vier britische Artgenossen aus.

Großbritannien sollte ursprünglich schon an diesem Freitag die EU verlassen. Ob, wann und unter welchen Bedingungen dies nun geschehen wird, ist weiter offen. Der Verband der Zoologischen Gärten vertritt 71 Zoos in Deutschland, in der Schweiz, Österreich und in Spanien.

"Tiere sind das letzte, woran Entscheidungsträger beim Brexit gerade denken", sagte Kurator Sander Hofman vom Zoo Planckendael. Nach einem Brexit befürchtet er viel Papierkram - und wenig Regeln für den Tiertransport nach Großbritannien. "Die Tiere müssen wohl länger am Zoll und im Stau stehen. Das wird ein großer Stress für sie sein."

Trotz des zusätzlichen Stresses beim Transport für die Zootiere - Homes erwartet, dass die britischen Zoos weiter an den Zuchtprogrammen beteiligt sein werden. Hofman nimmt an, dass der Brexit den Tausch der Tiere zwischen Großbritannien und anderen EU-Ländern zumindest vorerst zum Erliegen bringen könnte. Das würde seiner Meinung nach mehreren europäischen Tierzuchtprogrammen mit britischer Beteiligung schaden.

Hofman koordiniert den Austausch der vom Aussterben bedrohten Okapis in Europa. In Europa gebe es zurzeit noch 73 Okapis, davon lebten 13 in britischen Zoos. "Wenn wir sie länger nicht austauschen, verringert sich ihr Genpool", sagt er.

Vom Zoo Frankfurt hieß es, der Brexit habe keinen Einfluss auf die Tierzucht in Deutschland, da namhafte Zoos europa- und weltweit vernetzt seien und weiter Tiere tauschten.

Sprecherinnen des Zoos Augsburg und des Münchner Tierparks Hellabrunn warnten am Donnerstag etwa vor großen Problemen beim Zoll. Zudem könnten sich die Transportzeiten beim ohnehin schon komplizierten Tausch von Tieren weiter in die Länge ziehen, hieß es auf dpa-Anfrage.

Zwar züchten die meisten bayerischen Zoos nicht selber und sind einer Sprecherin des Münchner Tierparks zufolge nicht auf britische Tiere für den Nachwuchs angewiesen. Doch als Teilnehmer am europäischen Zuchtprogramm sei ein Austausch mit Großbritannien wichtig.

EU-Richtlinie zum Austausch von Zootieren

Pressemitteilung Tiergarten Nürnberg

Brexit-Infos der Europäischen Zoovereinigung

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