Prinz Harry und Meghan ziehen sich zurück. Queen Elizabeth II. ist darüber not amused.
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Prinz Harry und Meghan ziehen sich zurück. Queen Elizabeth II. ist darüber not amused.

Harry und Meghan

Prinz Harry und Herzogin Meghan? "Halb Royal gibt es nicht"

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Nach dem angekündigten royalen Rückzug von Prinz Harry und Herzogin Meghan ist Großbritannien in Aufruhr. Ach was, die ganze Welt verfolgt die Geschehnisse rund um die Königsfamilie. Auch Imke Polland blickt derzeit mit großen Interesse nach England. Nicht aus Sensationslust, sondern aus beruflichen Gründen. Die britische Monarchie ist das Forschungsfeld der promovierten Kulturwissenschaftlerin.

Warum weckt der Rückzug von Prinz Harry und Meghan so viele Emotionen in Großbritannien?

Die Monarchie erfüllt in Großbritannien nicht nur eine repräsentative Funktion. Sie hat auch einen großen emotionalen Stellenwert in der Bevölkerung. Und gerade jetzt, da sich das Land im Umbruch befindet, Stichwort Brexit, schlägt dieser Wandel in der Königsfamilie besonders hohe Wellen. Aufgrund der angespannten Lage berührt das Thema die Menschen noch mehr als sonst. Gleichzeitig spaltet es auch das Land. Schließlich sind längst nicht alle Briten treue Monarchieanhänger.

Auch in Deutschland sorgen die Monarchien für viel Aufsehen. Kaum ein Klatschblatt kommt ohne Storys rund um die Königshäuser aus. Der Buckingham Palace scheint dabei aber eine Sonderstellung einzunehmen. Woran liegt das?

Das liegt unter anderem daran, dass rund um die britische Königsfamilie und die royale Geschichte ein ganzer Konsumbereich entstanden ist mit vielen fiktionalen Darstellungen. Nicht nur aktuell wie zum Beispiel mit der Netflix-Serie "The Crown", sondern auch schon früher. Das haben andere Monarchien nicht. Dieser Entertainmenteffekt findet auch in Deutschland Anklang.

Diesen Entertainmenfaktor bedienen derzeit auch Prinz Harry und Herzogin Meghan. Welche Folgen hat ihr Ausscheiden für die Monarchie?

Ich glaube nicht, dass es so eine große Krise wird, wie jetzt häufig geschrieben wird. Zum einen war die Entwicklung ein bisschen absehbar, wenn man die vorangegangene Medienkritik von Harry und Meghan beobachtet hat. Sie kritisieren nicht die Monarchie selbst, sondern die Medien und die Rolle, die sie einnehmen. Außerdem passt ihr Ausscheiden ganz gut in die Entwicklung, die derzeit viele europäische Königshäuser durchmachen. Sie wollen sich verschlanken und auf die Kernfamilie konzentrieren. Der schwedische König beispielsweise hat kürzlich bekannt gegeben, dass fünf seiner Enkel keine Titel mehr tragen, damit sie ein privateres Leben leben können. Prinz Charles will, wenn er König wird, den Kreis jener, die den Titel "Royal Highness" tragen, ebenfalls begrenzen. Harry und Meghan hatten sich bereits dazu entschieden, für ihren Sohn Archie auf den Titel zu verzichten.

Prinz Harry und Herzogin Meghan: Die erwarteten Folgen des Rückzugs

Hätten Prinz Harry und Meghan nicht auch ohne offiziellen Rückzug kürzertreten können?

In einer Institution, die im Prinzip rein auf Repräsentation und Öffentlichkeit basiert, funktioniert das nicht. Man kann nicht halber Royal sein. Auch nicht Harry mit seiner Position als Sechster in der Thronfolge. Zudem ist er Patron mehrerer Charity-Organisationen. Diese Termine kann er nicht auslassen. Hinzu kommt, dass die junge Generation angesichts des Alters der Monarchin eher mehr als weniger Aufgaben übernehmen müsste.

Welche Folgen ergeben sich für das Paar?

Der Rückzug wird häufig als Befreiungsschlag gewertet. Sie haben ein starkes neues Narrativ um sich gesponnen. Gerade Meghans Image als selbstbestimmte Frau und Frauenrechtlerin wird durch diesen Befreiungsschlag bekräftigt. Ich glaube daher, dass die beiden zumindest an Popularität nicht unbedingt verlieren werden. Hinzu kommt, dass sie auch in Zukunft immer mit dem Königshaus assoziiert werden. Sie tragen zwar nicht mehr den Titel "Royal Highness", aber sie bleiben Duke und Duchess of Sussex. Harry ist zudem weiterhin Sechster in der Thronfolge.

Prinz Harry und Herzogin Meghan: Was der Rückzug konkret für beide bedeutet

Was bleibt den beiden künftig erspart?

Sie sind nicht mehr "Working Member of the Royal Family". Reguläre Aufgaben, wie Vertretungen der Queen bei Auslandsreisen oder die Tour durch das Commonwealth, müssen sie nicht mehr übernehmen. Alleine Harry hat letztes Jahr in Namen der Royal Family um die 200 Termine wahrgenommen. Der größte Teil davon fällt nun weg.

Das Paar hat die Marke "Sussex Royal" eintragen lassen. Was haben die beiden damit vor?

Damit sie nicht den Eindruck erwecken, Profit machen zu wollen, sollten sie den Charity-Aspekt in den Vordergrund stellen. Das haben sie in der Vergangenheit auch getan. Es ist außerdem klar, dass Harry und Meghan ein neues Medienkonzept verfolgen. Schon jetzt kommunizieren sie zeitgemäßer als das Königshaus. Die Geburt ihres Sohnes haben sie zum Beispiel entgegen der Tradition selbst auf Instagram veröffentlicht. Gerade bei jungen Menschen findet diese Art der Kommunikation Anklang. Es könnte also sein, dass sich die Entwicklung der Marke als schlauer Marketingschritt herausstellen wird.

Welche Rolle spielt Harrys Mutter Diana, die auf der Flucht vor Paparazzi ums Leben gekommen ist?

Schon bevor er Meghan kennengelernt hat, hat Harry zusammen mit William und Kate Organisationen unterstützt, die sich mit mentaler Gesundheit befassen. Die beiden Brüder haben auch öffentlich darüber gesprochen, dass sie sehr mit dem Tod ihrer Mutter zu kämpfen haben. Sie haben dadurch Diana, die jahrelang unter den Royals und Monarchieanhängern ein Tabuthema war, wieder in das royale Narrativ integriert.

Prinz Harry und Herzogin Meghan: Rassistische Äußerungen zu hören

Der Tod von Diana wird häufig als Grund für den Rücktritt genannt.

Ja. Über Meghan wurde in der Klatschpresse oft drastischer berichtet als über Kate. Harry und Meghan haben bereits die Daily Mail verklagt. Auch rassistische Äußerungen waren zu lesen. Die Berichterstattung hat sich zudem gewandelt. Während der Hochzeit beispielsweise haben viele Beobachter gesagt, dass Meghan ein Glücksgriff für die Royals sei. Großbritannien ist multikulturell, das Königshaus aber nicht. Diese Lücke hätte Meghan schließen können. Allerdings hat die negative Berichterstattung überwogen. Harry hat kürzlich eine Rede gehalten und sich zum Rückzug geäußert. Dabei wurde deutlich, dass er es nicht mehr aushält, wie mit seiner Frau umgegangen wird. Der Tod von Diana hat für den Rückzug also eine große Bedeutung.

Sie haben Ihre Doktorarbeit über die Royals verfasst. Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Mich hat es schon während des Studiums fasziniert, dass so eine anachronistische Institution so viel Begeisterung hervorrufen kann, und dass in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten so viele fiktionale Produktionen über die Royals entstanden sind. Man wird wegen dieses Themas oft belächelt, vor allem wegen des Klatschaspekts. Aber es gibt eben auch eine seriöse Monarchieforschung, die aktuell einen Aufschwung erfährt. Nur weil ich mich wissenschaftlich damit beschäftige, heißt das aber nicht, dass ich ein Fan bin. Ich bin keine Royalistin.

Info: Buch soll bald erscheinen

Imke Polland ist 31 Jahre alt und an der Justus-Liebig-Universität tätig. Die promovierte Kulturwissenschaftlerin hat sich in ihrer Doktorarbeit mit dem Wandel der medialen Betrachtung von royalen Hochzeiten beschäftigt. Ihr Hauptaugenmerk lag dabei auf Prinz William und Herzogin Kate. Die Dissertation soll dieses Jahr in Buchform erscheinen.

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