Neujahr in Berlin
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Abgebranntes Feuerwerk liegt auf einer Straße in Berlin - im Hintergrund der Fernsehturm am Alexanderplatz. Foto: Christophe Gateau/dpa

Auf ein Besseres

Deutschland startet recht ruhig ins Jahr 2021

Viel weniger Leute auf der Straße als sonst, vergleichsweise entspannte Einsatzkräfte, aber teils überraschend große Böllerbestände - so war der Corona-Jahreswechsel in Deutschland.

Berlin (dpa) - Mitten in der Corona-Pandemie ist Deutschland so beschaulich wie seit Jahrzehnten nicht mehr in ein neues Jahr gestartet. Viele Straßen blieben in der Neujahrsnacht leerer als gewohnt, auch wenn es deutlich mehr Feuerwerk gab als zu erwarten gewesen war. Polizei und Rettungsdienste sprachen meist von ruhigen Lagen. Häufig wunderten sich Polizisten aber über die Böllerbestände von Feiernden. Die Luft an Neujahr war besser als sonst. Die Deutsche Umwelthilfe forderte fürs nächste Silvester «neben einem Verkaufs- auch ein Anwendungsverbot, damit die Menschen in Deutschland wirklich keine giftige Luft mehr atmen müssen oder schwer verletzt werden».

«Dass es für Silvester so ruhig ist, hätten wir nicht gedacht», sagte ein Sprecher der Münchner Berufsfeuerwehr kurz nach Mitternacht. Die Düsseldorfer Innenstadt, wo ein Böllerverbot galt, war bis kurz vor Mitternacht menschenleer - ebenso war es zum Beispiel in Nürnberg. In Köln seien die Sperrbereiche respektiert worden, sagte ein Polizeisprecher. Es habe überhaupt keine Probleme gegeben.

Kaum jemand verirrte sich in Berlin ans Brandenburger Tor, wo in den Vorjahren traditionell Hunderttausende die größte Silvesterparty des Landes feierten. Nun spielten dort Jürgen Drews oder die Band Karat für die Live-Übertragung der ZDF-Silvestershow - ohne Publikum vor Ort. Das traditionelle Höhenfeuerwerk hatte der Sender abgesagt.

Auch in vielen anderen Ländern fielen die Silvesterfeiern wegen der Corona-Pandemie verhaltener aus als sonst. In Italien und Frankreich herrschten sogar nächtliche Ausgangssperren. Viele Partys und Feuerwerke wurden abgesagt, darunter in London und Rio de Janeiro.

Trotz des Verkaufsverbots für Feuerwerk wurde in Deutschland teils kräftig geböllert, in Berlin etwa - nahe der Grenze zu Polen - knallte es ordentlich. «Man wundert sich über die Bestände, die manche Leute angeblich noch aus dem letzten Jahr hatten», sagte im ebenfalls grenznahen Kaiserslautern ein Polizeisprecher. Der Verdacht liege nahe, dass sich einige Böller und Raketen übers Internet oder aus dem Ausland besorgten. Auch die Feuerwehr-Gewerkschaft DFeuG sprach von «verhältnismäßig viel privatem Feuerwerk und Geböller». Mit dem deutschen Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern sollten Menschenansammlungen und damit Corona-Infektionen vermieden werden.

Illegale Böller wollte ein 21-Jähriger im rheinischen Moers unters Volk bringen. Er hatte an Silvester laut Polizei große Mengen in einer Garage aufgebaut. Anwohner riefen die Polizei. Der junge Mann erhielt eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.

Schwere Unfälle mit Feuerwerk gab es wieder etliche in Deutschland: So starb ein 24-Jähriger in Brandenburg bei einem Unfall mit selbstgebastelter Pyrotechnik. In Schmalkalden in Thüringen wurde ein 24-Jähriger durch einen zu früh explodierenden Böller schwer verletzt. Er drohe zu erblinden, hieß es von der Polizei.

Drei junge Männer wurden bei einer Explosion in einem Wohnhaus bei Osnabrück verletzt. Die Männer hatten mit Chemikalien hantiert. Dabei kam es im Obergeschoss einer Doppelhaushälfte in Hilter zu der Explosion. Einem 21-Jährigen wurden Teile von Gliedmaßen abgetrennt.

Einem 25-Jährigen im Elsass wurde von einem Feuerwerkskörper «der Kopf abgerissen», wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete - sie berief sich auf die Präfektur des Départements Bas-Rhin. Ein weiterer Mann wurde bei dem Unfall bei Straßburg schwer am Kopf verletzt.

Einen Angriff mit Böllern auf Einsatzkräfte gab es in Essen: Rund 30 junge Männer setzten Mülltonnen in Brand und bewarfen anrückende Feuerwehr und Polizei. Einen 16-Jährigen nahmen die Beamten fest. Auch in Dortmund wüteten Dutzende gegen Einsatzkräfte.

In Berlin-Buckow ging ein rund 800 Quadratmeter großer Supermarkt in Flammen auf und stürzte teils ein. Laut Feuerwehr waren offenbar im hinteren Bereich des Markts Feuerwerkskörper gelagert worden, die explodierten und während der Löscharbeiten durch die Gegend flogen.

Gut zu tun hatten die Einsatzkräfte auch in Leipzig, wo sieben Bundeswehr-Jeeps auf dem Gelände eines Autohandels ausbrannten. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

In Berlin, aber auch andernorts musste die Polizei zudem immer wieder kleinere Menschengruppen auflösen. Mehr als 80 Regelbrecher wurden vorübergehend festgehalten wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz. In Hamburg sammelten sich an den Landungsbrücken zwischenzeitlich etwa tausend Menschen an.

Die Fernseher in Deutschland liefen häufiger. Deutlich mehr Interesse gab es diesmal an der - wohl letzten - Neujahrsansprache von Kanzlerin Angela Merkel, die fast neun Millionen Zuschauer schauten. 2019 hatten nur etwa 5,1 Millionen bei ARD und ZDF eingeschaltet.

Private Feiern waren bundesweit nur in kleinem Rahmen erlaubt. Vielerorts beendete die Polizei kleinere Wohnungspartys. In Oldenburg etwa sprengte die Polizei eine Party mit 18 Personen. Die Partygäste im Alter zwischen 18 und 25 Jahren zeigten sich uneinsichtig, Ordnungswidrigkeitsverfahren wurden eingeleitet. In Wiesbaden-Rambach wurde eine Party mit etwa 50 Personen aufgelöst. Die Polizei leitete 37 Verfahren ein - die anderen Gäste hatten sich zuvor entfernt. In Köln stellte die Polizei nach einer unerlaubten Technoparty mit etwa 30 Personen in einer Bunkeranlage im Stadtteil Buchforst Strafanzeige gegen zwei Personen. Es soll sich um die Veranstalter handeln.

© dpa-infocom, dpa:210101-99-865101/6

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