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Sommerrodelbahn : Im Rausch der Geschwindigkeit

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Von: Theresa Ricke

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Während man die Kurven entlangsaust, kann man das Odenwald-Panorama bewundern. Theresa Ricke
Während man die Kurven entlangsaust, kann man das Odenwald-Panorama bewundern. © Theresa Ricke

In der Sommerrodelbahn in Wald-Michelbach können die Gäste das Tempo selbst bestimmen

Ob allein oder zu zweit, schneller oder langsamer – irgendwie kommt jeder mit der Sommerrodelbahn auf der Kreidacher Höhe ins Ziel. Wenn die Kinder aus den gelben Schlitten springen, rufen sie direkt nach dem Aussteigen: „Noch mal!“ Und dann sausen sie in unterschiedlichen Konstellationen die 1000 Meter den Berg hinab: zwei Mädchen, ein Papa auch mal allein, der Opa mit der Enkelin. Auch Pärchen fahren gerne gemeinsam den Berg hinunter.

Vor den Sommerferien kommen viele Schulklassen in den Odenwald. Doch auch Vorschulkinder und noch Jüngere freuen sich auf den Rodelspaß. Ein Mädchen, das nach den Ferien in die Schule kommt, genießt einen seiner letzten Tage als Kindergartenkind mit seinen Großeltern auf der Anlage. Die Rodelbahn dürfen Kinder ab drei Jahren in Begleitung eines Erwachsenen oder eines mindestens acht Jahre alten Kindes besteigen. Das Begleitkind muss mindestens 1,35 Meter groß sein. Ab acht Jahren dürfen Kinder auch auf eigene Faust den Hang hinuntersausen.

Nach einer kurzen Einweisung durch den Betriebsleiter vor dem Start geht es für Almuth und Amy das erste Mal den Berg hinunter.
Nach einer kurzen Einweisung durch den Betriebsleiter vor dem Start geht es für Almuth und Amy das erste Mal den Berg hinunter. © Theresa Ricke

Die Schülerinnen und Schüler dürfen meist gleich mehrere Fahrten machen. Für Besuchenden gibt es Sechserkarten oder Einzelfahrten. Wer früh aufsteht, kann ohne lange anstehen zu müssen gleich losrodeln. Für eine Pause vom Adrenalinkick stehen Tische und Bänke auf der Terrasse der Anlage, von der aus man anderen Besucherinnen und Besucher dabei zusehen kann, wie sie durch den ersten Kreisel schießen.

Doch vorher gibt es für jeden am Start eine kurze Einweisung von Betriebsleiter Andreas Ruckelshaus und seinen Kollegen. Wenn man einen Schlitten zugewiesen bekommt – zu Stoßzeiten kann man darauf gut und gerne bis zu 45 Minuten warten –, muss man erst einmal den Sicherheitsgurt anlegen. Safety First – „Wie im Auto“, sagt der Chef der Sommerrodelbahn. Almuth und ihre Tochter Amy sind an diesem Tag zum ersten Mal aus Frankfurt hergekommen. Die Premierenfahrt wagen sie gemeinsam.

Bis zu 40 Stundenkilometer können die Schlitten fahren. Mütter von etwas übermütigen und tollkühnen kleinen Rennrodlerinnen und -Rodler können beruhigt sein: Die Bobs bremsen automatisch, ehe sie die Höchstgeschwindigkeit überschreiten oder zu nah an den vorausfahrenden Schlitten auffahren würden. Verlaufen die Schienen nicht auf dem Boden, wie im ersten Kreisel, sondern führen im großen Bogen in der Luft Richtung Tal, sichern Fangnetze zusätzlich ab. Wer bei der ersten Fahrt noch etwas unsicher ist, nimmt die Kurven eben etwas langsamer. Beim Start ist der Gashebel zunächst voll durchgedrückt. Zieht man daran, wird man langsamer. Der Selbstversuch hat gezeigt, dass man schwindelfrei sein sollte.

Durch die engen Kurven voll durchzuschießen, kostet Überwindung – und ist auch für Erwachsene nicht langweilig. „Im Unterschied zu einer Achterbahn kann man selbst bestimmen, wie schnell man ist. Viele finden gut, dass sie die Kontrolle über das Tempo haben“, berichtet Ruckelshaus. Die Atmosphäre am Hang der Rodelbahn erinnert dennoch an einen Freizeitpark mit Achterbahnen. Während die Besucherinnen und Besucher eine Pause im Schatten machen und sich der ein oder andere mit Eis abkühlt oder Pommes zur Stärkung holt, können sie andere Rodler und Rodlerinnen beobachten. Die Strecke führt um die Terrasse mit Imbiss und Spielplatz herum. Mit dem richtigen Timing überquert man mit seinem Schlitten gerade die Landesstraße 3409, wenn ein Auto unter einem entlangfährt.

Und was macht man dabei mit den Händen? Sind sie nicht an der Bremse, werden sie jubelnd nach oben gerissen oder schützend vor die Augen gehalten. Die Geräusche haben ein ähnlich breites Spektrum: fröhliches Jauchzen, Zurufe an Bekannte, erschrockenes Aufschreien, wenn jemanden eine Bodenwelle überfährt, oder eher ängstliche Ausrufe. „Mit jeder Runde fällt mehr Scheu“, weiß Ruckelshaus aus Erfahrung. Nach spätestens fünf Minuten ist die Fahrt auf jeden Fall vorbei. Je nach Tempo können Unerschrockene sie auch in drei Minuten schaffen. Dann wird der Schlitten gemütlich etwa 360 Meter den Berg wieder hinaufgezogen. Im hohen Gras zirpen friedlich die Grillen und man kann sich entspannt auf den nächsten Adrenalinkick vorbereiten.

Ab acht Jahren dürfen Kinder auch alleine fahren.
Ab acht Jahren dürfen Kinder auch alleine fahren. © Theresa Ricke

Ein Tipp: Kleid oder Rock – bei warmen Temperaturen zweifelsfrei eine gute Wahl – sind fürs Rodeln wenig empfehlenswert. Der Fahrtwind zerrt unbeirrt an den sommerlichen Klamotten. Sollte das Wetter den Spielverderber mimen und Regen schicken, bleibt die Sommerrodelbahn trotzdem geöffnet. Nur bei heftigeren Regenphasen über einen längeren Zeitraum wird sie geschlossen. Eine Webcam zeigt auf der Internetseite der Anlage die aktuelle Wetterlage, damit man vor der Anreise auf Nummer sicher gehen kann. Am meisten Spaß macht das Rodeln aber, wenn die Sonne scheint. An einem Ferientag gebe es durchschnittlich ungefähr 1400 Fahrten pro Tag, sagt Ruckelshaus. Er empfiehlt deshalb: „Wer frei durchfahren will, kommt morgens gleich um 10 Uhr, wenn die Bahn aufmacht.“ Neben der Sommerrodelbahn gibt es auf der Erlebnishöhe Wald-Michelbach noch einen Klettergarten und ein -labyrinth für Kinder ab drei Jahren. Es ist also alles da, um einen ganzen Tag im Odenwald zu verbringen.

Preise und Öffnungszeiten

Täglich ist die Sommerrodelbahn von Frühling bis Herbst von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Auf einen Schlitten passen maximal zwei Personen, die zusammen nicht schwerer als 150 Kilogramm sein dürfen. Eine Einzelfahrt für Erwachsene kostet vier Euro, ein Sechserticket gibt es für 19 Euro. Kinder zwischen drei und vierzehn Jahren bezahlen für eine Einzelfahrt drei Euro und ein Ticket für sechs Fahrten ist für 14 Euro zu haben.

Die Tickets sind ab Kauf drei Jahre gültig und können auch für andere Fahrgeschäfte wie den Rhönbob, den Hexenbesen oder den Wie-Li auf der Wasserkuppe eingelöst werden. Die Sommerrodelbahn befindet sich auf der Kreidacher Höhe (Adresse: Kreidacher Höhe 2, Wald-Michelbach) und ist barrierefrei.

Weitere Informationen gibt es unter: erlebnishoehe-wald-michelbach.de

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