Mutter aller Schwarzwaldmühlen

»Es klappert die Mühle am rauschenden Bach«: Das alte Kinderlied verklärt ein wenig das Handwerk der Müller und Bäcker. Doch welche Bergregion kommt bei der Werbung ohne dieses Bild der von plätscherndem Wasser bewegten Räder aus? Dazu ein schauriger Name? Bitteschön: Im Hexenloch steht sie: die Mutter aller Schwarzwaldmühlen.
26. Mai 2017, 14:24 Uhr
Filmkulisse, Ausflugsziel und eines der meistfotografierten Motive im Schwarzwald: die Hexenlochmühle zwischen St. Märgen und Furtwangen-Neukirch. (Fotos: rüg)

Ein Bild, das in die vom deutschen Heimatfilm der 1950er Jahre geprägte Rührseligkeit passte wie höchstens noch der berühmte röhrende Hirsch vor Bergkulisse: Auf einem Holzbrückchen sitzen Heinz Erhardt und die blutjunge Christine Kaufmann im Film »Der letzte Fußgänger« (1960), kühlen im gurgelnden Bergbach ihre vom Wandern müden Füße und lassen sich dicke Bauernbrotscheiben mit ordentlich Schwarzwälder Schinken schmecken. Im Hintergrund drehen sich die beiden schweren Räder einer Mühle. Eine Idylle, wie sie im Bilderbuch steht. Das Motiv ist auch heute noch in aller Pracht zu besichtigen: die »Hexenlochmühle« zwischen St. Märgen und Furtwangen-Neukirch.

Es ist eine wildromantische, eigenartige Mittelgebirgslandschaft, durch die man vom Startpunkt an der Schwarzwaldhalle in Neukirch wandert. Der gekennzeichnete Weg führt zunächst an Weideflächen sowie dem Hotel »Ochsen« und mehreren Höfen vorbei ins Brennersloch. Hier hat sich der Bregenbach tief in die Landschaft eingegraben und eine enge Schlucht aus dem Gestein gewaschen, die einem an manchen Stellen selbst im Sommer einen Schauer über den Rücken treiben kann. Denn das Brennersloch wird dort nur spärlich vom Sonnenlicht gekitzelt.

Landschaft im Wandel

Und, wie kann es in einer solchen Landschaft anders sein: Mit dem Rappen- oder auch Rabenfelsen verbindet sich eine düstere Geschichte. Einer Sage nach soll dort im Jahr 1725 ein französischer Reiter bei einem Streifzug ein Mädchen verfolgt haben. Die junge Frau rettete sich zunächst auf den Felsen und entkam schließlich durch einen mutigen Sprung ins Brennersloch, den sie unverletzt überlebte. Ihr Verfolger ließ dabei sein Leben. Heute befindet sich in der Nähe des Rappenfelsens ein Grillplatz.

Doch trotz seines engen und manchmal auch abweisenden Charakters wurde das Brennersloch über viele Jahrhunderte bewirtschaftet. Davon zeugt zum Beispiel die Lochmühle, die bis 1962 eine von Neukirchs Bäckereien war und heute Freizeitstätte zur Jugend- und Erwachsenenbildung ist. Das ursprüngliche Gebäude wurde vor 1700 erbaut. 1861 brannte es ab und wurde dann neu errichtet.

Der Weg durch das Tal informiert über die »Landschaft im Wandel«. Die Bewohner der Schwarzwaldtäler waren in früheren Zeiten auf jede waldfreie Fläche zur Bewirtschaftung angewiesen. Davon zeugt auch die Umgebung des sogenannten Kupferhäusles (früher auch Brothäusle auf der Burg), das wie ein Vogelnest am steilen Hang klebt und vor 1746 gebaut worden sein muss. Auch heute noch sichtbare Mauern und Entwässerungsgräben erinnern daran, wie die Menschen der Natur buchstäblich jeden Meter Acker- und Weidefläche abtrotzen mussten. Doch auf Dauer ließ sich in diesem abgeschiedenen Bereich als Bauer nicht leben. Mit dem Rückzug der Landwirtschaft aus solchen Steillagen holte sich die Natur die Flächen wieder. Seltene Tiere und Pflanzen kehrten in diese Einsamkeit zurück und sorgen heute für eine große Artenvielfalt. Dominierend ist allerdings die Fichte, die der Mensch aufgrund ihres schnellen Wachstums jahrzehntelang bevorzuge.

Und woher kommt der Name Brennersloch? Nach einer Anekdote geht er auf einen Vorfall zurück, bei dem die Glasmacher von St. Märgen wohl zu viel schwäbische Sparsamkeit an den Tag gelegt hatten. Für ihre Arbeit benötigten sie natürlich Brennholz, das sie bei den Holzfällern am Bregenbach bestellt hatten. Doch als es ans Bezahlen ging, wurde man sich nicht einig. Den Glasmachern war der geforderte Preis zu hoch, den Holzfällern für ihr Angebot zu wenig. Schließlich waren Letztere so verärgert, dass sie vor Wut das aufgeschichtete Holz kurzerhand anzündeten und verbrannten.

Am Ausgang des Tals erreicht man die »Hexenlochmühle«. Sie ist die einzige Mühle im Schwarzwald mit zwei Wasserrädern. 1825 wurde der Teil mit dem kleineren Wasserrad als Nagelschmiede erbaut. Später kam der Trakt mit dem größeren Wasserrad als Sägemühle hinzu. Im Gebäudeteil mit dem kleineren Wasserrad wurde später eine Werkstatt für die Uhrengestellmacherei eingerichtet. Seit 1839 ist die Mühle in Familienbesitz und beherbergt heute ein Restaurant mit Freiterrasse. Außerdem Geschäfte, die Schwarzwälder Spezialitäten und Souvenirs anbieten. Hier gibt es alles, was man zu einer Stärkung nach der Wandertour braucht.

Und wer sich in das romantische Gebäude verlieben sollte, kann es auch zu Hause aufbauen. Aus 255 Einzelteilen im HO-Maßstab. Die im nahen Gütenbach ansässige Modellbaufirma Faller hat eine Miniatur der Mühle schon seit Jahrzehnten in ihrem Programm.

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