»Wiege von Kunst und Musik«

Die mitunter älteste Kunst der Menschheit ist in Schwaben zu bewundern: Elfenbein- Statuetten aus der Eiszeit. Ihre Fundorte erklärte die UNESCO am Wochenende zum Weltkulturerbe.
09. Juli 2017, 22:04 Uhr
Die UNESCO hat die Höhlen der ältesten Eiszeitkunst in Baden-Württemberg zum Weltkulturerbe ernannt. (Foto: dpa)

Die Entscheidung des in Krakau tagenden UNESCO-Komitees war schnell gefällt: Nach knapp 15-minütiger Beratung nahm es die Höhlen der ältesten Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb in die begehrte Welterbe-Liste auf. Die sechs Höhlen in Baden-Württemberg gelten als eines der wichtigsten Ausgrabungsgebiete für Archäologen – sie bergen einige der ältesten Kunstwerke der Menschheit: Aus Stoßzähnen gefertigte Miniaturen von Wildpferden, Mammuts, Löwen, Bären und Vögeln sowie Flöten aus Vogelknochen. Zeugnisse einer besonders wichtige Phase der Menschheitsentwicklung, wie Experten betonen. Darüber waren sich auch die Welterbe-Experten einig: Einwände gegen die deutsche Nominierung gab es keine, stattdessen wurde den deutschen UNESCO-Delegierten überschwänglich gratuliert.

Jubel herrschte nicht nur in Polen. »Die Auszeichnung ist eine große Ehre«, freute sich auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) über den Titel. »Die einzigartigen Fundstätten auf der Schwäbischen Alb zeigen, dass die Wiege der Kunst und der Musik im Ach- und Lonetal zu finden ist«, fügte er hinzu. Der UNESCO-Titel verpflichte Baden-Württemberg nun, dieses kulturelle Erbe der Menschheit zu erhalten, sagte er.

Naumburger scheitern erneut

Wer die Höhlen besucht, begibt sich auf eine Tour zurück in eine Zeit, da der anatomisch moderne Mensch, der Homo sapiens, den Neandertaler abgelöst hatte und sich aufmachte, Kunstwerke, Schmuck sowie Musikinstrumente zu schaffen. Seit sich Forscher Mitte des 19. Jahrhunderts in der Alb ans Graben machten, förderten sie etliche Zeugnisse eines menschlichen Wirkens zutage, das vor rund 40 000 Jahren erstmals klar über Verrichtungen zur Lebens- und Arterhaltung hinausging.

Die UNESCO hat außerdem das Welterbe Bauhaus um die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau und die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ADGB in Bernau erweitert. Dies entschieden die Welterbe-Experten gestern. Bisher umfasste das Welterbe Bauhaus Ensembles und Denkmäler in Weimar und Dessau, die unter der Leitung des ersten Bauhausdirektors Walter Gropius gebaut wurden sowie den Gründungsort der Schule in Weimar. Die Architektur der neu aufgenommenen Stätten stammt von Hannes Meyer, der das Dessauer Bauhaus von 1928 bis 1930 leitete.

Dagegen hat die UNESCO den Welterbe-Antrag zum Naumburger Dom und der hochmittelalterlichen Kulturlandschaft an Saale und Unstrut wieder zur Überarbeitung an die Antragsteller zurückgegeben. Das Komitee gab Naumburg dafür drei Jahre Zeit. Damit scheiterte der deutsche Antrag aus Sachsen-Anhalt bereits zum zweiten Mal: Eine erste Bewerbung hatten die Welterbe-Experten 2015 für zu lang und zu wissenschaftlich befunden.

An der nachgebesserten Fassung bemängelte die UNESCO, sie habe den außergewöhnlichen universellen Wert der Stätte für die Menschheit – Kriterium für die Aufnahme in die Liste – nicht ausreichend hervorgebracht. UNESCO-Delegierte sprachen sich dafür aus, eine erneute Bewerbung allein auf den Naumburger Dom zu beschränken.

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