Kultur

Begegnung mit Anne Frank im Lernlabor

27. März 2017, 20:16 Uhr
Durchblick auf Knopfdruck: Eine Besucherin beleuchtet Anne Franks Bild. (Foto: dpa)

Anne Frank ist seit mehr als 70 Jahren tot, doch ihr Tagebuch gehört an vielen Schulen noch immer zur Pflichtlektüre. Vor dem Anne-Frank-Haus in Amsterdam stehen tagein, tagaus Besucherschlangen, um einen Blick in das berühmte Hinterhaus zu werfen, in dem Anne Frank mit ihren Eltern, ihrer Schwester und anderen Untergetauchten Zuflucht vor den Nationalsozialisten fand – bis zum Verrat des Verstecks und der Deportation der versteckten Juden.

In Anne Franks Geburtsstadt Frankfurt war in der nach ihr benannten Bildungsstätte 14 Jahre lang die Ausstellung »Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland« zu sehen. Ende März ist nun Schluss. Die Ausstellung sei nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, begründet Gottfried Kössler, Kurator der Ausstellung und Leiter der Pädagogischen Abteilung des Fritz-Bauer-Instituts.

Anne Frank (1929–1945) selbst bewege noch immer viele junge Menschen, meint Deborah Krieg, stellvertretende Direktorin der Anne-Frank-Bildungsstätte. Im Internet gebe es sogar »Fanfiction« – Geschichten und Gedichte von Jugendlichen, die sich ein Happy End für Anne ausdenken, das Tagebuch ausbauen oder eigene Geschichten über sie verfassen.

Künftig soll die Geschichte von Anne Frank neu erzählt werden: Ein interaktives Lernlabor wird voraussichtlich im Sommer 2018 eröffnet. Der Titel steht schon fest: »Anne Frank. Morgen mehr.« So endet der erste Tagebucheintrag, den Anne Frank im Versteck im Hinterhaus verfasste. Das Lernlabor will die Geschichte von Anne neu erzählen und Fragen ansprechen, die sich auch an der Lebenswelt der heutigen Jugendlichen orientieren, berichtet Krieg über die Pläne für die neue Anne-Frank-Schau.

Da ist etwa die Erfahrung von Flucht und Migration, von Fremdheit und neu Ankommen. »Anne Frank wurde in Frankfurt geboren, aber sie ist kein ›Frankforter Mädsche‹«, betont Krieg. Zwar wurde in der Familie auch in Amsterdam Deutsch gesprochen – doch Anne schrieb ihr Tagebuch auf Niederländisch, der Sprache, die sie bis zur Zeit des Untertauchens in der Schule und mit ihren Freundinnen gesprochen hatte. Die Erfahrung, in zwei Sprachen, in zwei Kulturen aufzuwachsen, hat sie mit vielen der jungen Ausstellungsbesucher im von ethnischer Vielfalt geprägten Frankfurt gemeinsam.

Haben in der Vergangenheit pubertäre Schwärmereien, die erste Liebe, die Auseinandersetzungen mit der Mutter häufig die persönlichen Seiten und Probleme Anne Franks gezeigt, soll sie künftig auch stärker als eine moderne junge Frau dargestellt werden, die sich in der Enge des Verstecks mit dem Wunsch befasste, Schriftstellerin zu werden, und über Frauenrechte nachdachte.

»Jugendliche waren schon immer sehr unmittelbar von Politik, Krieg und Konflikten betroffen und haben auch eine klare Meinung dazu«, betont Krieg. Auch wenn sie dabei nicht immer Gehör finden, stehe Anne Frank als Beispiel für diejenigen, die ihre Stimme erheben und ganz klare Vorstellungen über ihre Zukunft haben.

Jugendliche kommen zu Wort

Schon bei der Veröffentlichung des Tagebuchs habe Otto Frank Wert darauf gelegt, seine Tochter auch als starke, selbstbewusste junge Frau zu zeigen, erklärt Gottfried Kössler. Dieser Akzent soll nun noch stärker werden – und im künftigen Lernlabor ergänzt werden durch Präsentationen anderer Jugendlicher, die sich mit außergewöhnlichen Situationen auseinandersetzen müssen.

An die Stelle des Tagebuches tritt bei ihnen das Blog – wie etwa bei einem jungen Mann, der als Mädchen geboren wurde und den Weg vom »falschen« Körper in die richtige Identität dokumentiert. Auch Malala Yousafzai, die Aktivistin für Bildungsrechte junger Frauen und jüngste Friedensnobelpreisträgerin aller Zeiten, wird wohl nicht fehlen. »Sie wird sicher relevant bleiben«, sagt Krieg.

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