James Rosenquist in der Retrospektive

Er malte wie für Riesen. Die Formate des Pop-Art-Künstlers James Rosenquist waren gewaltig. Vielleicht zum letzten Mal sind jetzt alle wichtigen Werke vereint.
15. November 2017, 14:35 Uhr
Von Christoph Driessen, dpa
Erkannt? James Rosenquist nennt diese Arbeit «President Elect». (Foto: Oliver Berg)

Gerhard Richter (85) erinnert sich noch gut an seine erste Begegnung mit dem Maler James Rosenquist. Es war 1970, als er zusammen mit seinem Künstlerfreund Blinky Palermo zum ersten Mal in New York war.

«James Rosenquist war unheimlich nett», erzählt Richter der Deutschen Presse-Agentur. «Der hat uns sofort in seinem offenen Auto durch New York gefahren. Und dann Essen irgendwo ganz hoch oben im Restaurant. Das war toll.» Nun freut sich Richter auf die große Rosenquist-Retrospektive im Museum Ludwig in seiner Heimatstadt Köln.

Die Ausstellung kommt nur acht Monate nach dem Tod des 83-jährigen Rosenquist am 31. März. Der Amerikaner mit schwedischen Wurzeln gilt als einer der bedeutendsten Pop-Art-Künstler, er kommt direkt hinter den ganz Großen Andy Warhol und Roy Lichtenstein.

Sein Markenzeichen sind riesige Formate. Das größte Werk, «The Swimmer in the Econo-mist» (Der Schwimmer im Wirtschaftsnebel), bestehend aus drei Teilen, ist insgesamt fast 50 Meter lang. Die Riesenmaße gehen darauf zurück, dass Rosenquist Anfang der 60er Jahre Plakatmaler war - vergleichbar mit Warhol, der als Schaufensterdekorateur und Werbegrafiker arbeitete. «Ich habe Werbeplakate über jedem Süßwarenladen in Brooklyn gemalt», erzählt der «Michelangelo der Plakatwand» in seiner Autobiografie. 

Die zweite Besonderheit: Rosenquist ist politischer als andere Pop-Art-Maler. Seine Bildsprache verzerrt den amerikanischen Konsumrausch ins Absurde. Sein bekanntestes Werk ist das 26 Meter lange und drei Meter hohe Gemälde «F-111» von 1965, das als Panorama des Vietnam-Krieges gedeutet werden kann. Es zeigt den damals modernsten Jagdbomber der US-Luftwaffe in einer Collage mit Konsumartikeln wie Trockenhaube, Autoreifen, Spaghetti und Glühbirne. Das Bild muss so gehängt werden, dass es den Besucher von allen Seiten einschließt. Es machte Rosenquist berühmt und wurde in Anspielung auf Picassos berühmtes Antikriegsbild das «Guernica der 60er Jahre» genannt.

Das Museum Ludwig hat eine der größten Pop-Art-Sammlungen Europas und verfügt über einige außergewöhnlich große Ausstellungsräume. Insofern ist es besonders geeignet, Rosenquist zu präsentieren. Die am Samstag öffnende Ausstellung «Eintauchen ins Bild» wird den Erwartungen voll gerecht: Sie umfasst alle wichtigen Werke, sogar «F-111» aus dem Museum of Modern Art und «The Swimmer in the Econo-mist» aus dem New Yorker Guggenheim-Museum. In einigen Nebenräumen wird das Zustandekommen der Riesenbilder dokumentiert. In langer Sichtungsarbeit haben Museumsmitarbeiter Rosenquists Vorlagen aus Illustrierten zutage gefördert - etwa das Kuchenstück auf dem John F. Kennedy-Gemälde «President Elect»: Es stammt aus einer Werbeanzeige für eine Backmischung.

Vieles spricht dafür, dass es diese Ausstellung so kein zweites Mal geben wird. Denn die Leihgaben wurden auch deshalb so großzügig zur Verfügung gestellt, weil die Museen wussten, dass Rosenquist das Konzept der Ausstellung noch selbst abgenommen hatte. Direktor Yilmaz Dziewior besuchte ihn 2015 in seinem Atelier in Manhattan. «Er war wirklich schon ein alter Mann, aber geistig absolut wach», erzählt er. «Und er hatte den Schalk im Nacken, hat immer wieder humorvolle Kommentare gebracht. Das war wirklich eine tolle Persönlichkeit.»

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