Früh trainieren für große Ziele

28. August 2017, 20:37 Uhr
Angelika Ballerstaedt von der SG Wetterau hat in diesem Jahr für Furore gesorgt. (web)

Nach schnellen 38:58 Minuten hat Angelika Ballerstaedt von der SG Wetterau am Samstagmittag nach zwei Runden im See Freigericht West an der Zieltafel angeschlagen. Damit wurde sie Hessische Mastersmeisterin über 2500 Meter in der Altersklasse 55. Vivien Michelle Novy gab indes ihr Debüt im Offenen Gewässer. Vierte wurde sie im Langstrecken-Schwimmen ohne Wenden im Jahrgang 2005 mit 39:51 Minuten. Damit platzierte sich die Steinfurtherin unter den besten Fünf ihres Jahrgangs.

Für Ballerstaedt war es in diesem Jahr nicht der erste Erfolg: Sie wurde Deutsche Meisterin in der Altersklasse 55 über 2,5 Kilometer Schwimmen im Barleber See in Magdeburg. An diesem Wochenende wurde sie dann über die gleiche Distanz Hessenmeisterin in Großkrotzenburg. Auch auf der 50-Meter- und 25-Meter-Bahn verzeichnet die Friedbergerin bereits zahlreiche hessische Titel. Nach fast 30-jähriger Pause fing sie erst mit 43 Jahren wieder an, regelmäßig zu trainieren. Seit neun Jahren startet Ballerstaedt für die SG Wetterau regelmäßig bei Wettkämpfen.

Frau Ballerstaedt, Sie haben mit starken Zeiten im Freiwasser für Furore gesorgt. Wie hatten Sie sich vorbereitet?

Angelika Ballerstaedt: Ich bin vor den Wettkämpfen in Magdeburg fast täglich im Usa-Wellenbad Bahnen geschwommen. Das Training habe ich immer variiert: Mal lange Strecken (zwei oder 2,5 Kilometer am Stück) oder 400- und 500-Meter-Blöcke. Wenn nach drei bis vier Tagen die Arme schwer waren, habe ich einen Ruhetag eingelegt. Insgesamt waren es zwölf Kilometer pro Woche. In »normalen« Zeiten schwimme ich eher acht bis zehn Kilometer. Im Inheidener See habe ich nur einmal vor den deutschen Meisterschaften trainiert. Da schien die Sonne, es war warm und der See war ruhig. Während der deutschen Freiwasser-Meisterschaften in Magdeburg Ende Juni herrschten ganz andere Wetterbedingungen: Kalte Außentemperaturen, Regen, Wind und Wellengang sorgten für schwere Bedingungen auf der Strecke.

Woher nehmen Sie die Motivation für das tägliche Training? Und wie können Sie das mit Ihrem Beruf bei der Stadtkasse Friedberg und Ihrer Familie vereinbaren?

Ballerstaedt: Ich brauche keine Motivation mehr für etwas, das mir Spaß macht und zu meinem Leben gehört. Ich denke vorher nicht drüber nach, dass ich jetzt schwimme. Ich mache es einfach. Sonst könnte ich nicht jeden Samstagmorgen um 6.45 Uhr aufstehen, damit ich um 7.15 Uhr im Training im Hallenbad bin, wo ich einmal pro Woche mit der Gruppe der Masters 1 schwimme. Außerdem arbeite ich nur halbtags. Da bleibt am Nachmittag genug Zeit zum Training. Meine Kinder sind schon groß. Die brauchen mich kaum noch. Und mein Hund ist genügsam und pflegeleicht.

Welches sind Ihre Lieblingsstrecken?

Ballerstaedt: Ich schwimme am liebsten im Freiwasser – 2,5 Kilometer natürlich.

Was war Ihr schönstes Erlebnis?

Ballerstaedt: Mein schönstes Erlebnis war 2015 bei den hessischen Freiwasser-Meisterschaften in Großkrotzenburg, als eine international erfolgreiche Schwimmerin aus Nordrhein-Westfalen in meiner Altersklasse gemeldet war und ich mir keine Chancen auf den Sieg ausgerechnet hatte. 100 Meter vor dem Ziel habe ich dann ihre Badekappennummer gesehen und bin losgesprintet. Hinterm Ziel habe ich dann gewartet bis sie vier Sekunden nach mir anschlug und habe mich wahnsinnig gefreut. Ich war zweieinhalb Minuten schneller als im Vorjahr und habe mit 38:44 gewonnen. Die Bestzeit steht heute noch. Damals wusste ich: Ich kann noch viel mehr erreichen.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Ballerstaedt: In den nächsten Monaten stehen die Kurzbahnwettkämpfe auf dem Plan. Diese sind mir aber nicht so wichtig, da ich auf den Wenden nicht so stark bin. Mein Hauptaugenmerk liegt auf der Langbahnsaison im ersten Halbjahr 2018 mit den hessischen und deutschen Langstreckenwettkämpfen und dann den Freiwasser-Wettkämpfen. Mein großes Ziel im nächsten Jahr sind im September die Europameisterschaften im Freiwasser in Slowenien. Dort will ich versuchen, in meiner Altersklasse unter die besten fünf zu schwimmen.

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