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Gießener Droste bei den Profis am Start

29. April 2013, 18:48 Uhr
Der Gießener Jan Niklas Droste trifft am 1. Mai in Frankfurt auf hochkarätige Konkurrenz. (Foto: Labrentz)

Droste, der 22-jährige Medizinstudent an der Gießener Universität, hat sich einen Traum erfüllt und ist seit über einem Jahr Radprofi. Im ersten Jahr im Team MLP zum Beispiel als Zweiter der Tour de Berlin und Neunter bei der Einzelzeitfahr-DM (U 23) außerordentlich erfolgreich unterwegs gewesen, ist das bayerische Continental-Team Heizomat auf ihn aufmerksam geworden und hat den Gießener unter Vertrag genommen.

Die ersten Erfolge in 2013 sind nicht ausgeblieben. In Kroatien erntete er bei UCI-Rennen Top-Ten-Platzierungen, und am vorletzten Wochenende stand der Gießener gleich zweimal auf dem Treppchen. Am Samstag sogar als Sieger von Mettmann ganz oben. Ganz aktuell gesellt sich noch der Bundesliga-Auftakt am Sonntag in Cadolzburg hinzu, bei dem der Gießener Fünfter wurde.

Nun steht einer der Saisonhöhepunkte auf dem Programm: das Rennen »Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt« am Mittwoch über 200,9 km. Anders als im Vorjahr, als er bei den U 23 am Start vertreten war und Rang 22 belegte, wird der 22-Jährige erstmals beim Profirennen (mit der Startnummer 171) dabei sein. Also auch mit Zeitfahrweltmeister Tony Martin, der erst am Sonntag das Zeitfahren bei der Tour de Romandie gewonnen hat und dabei Tourfavorit Christopher Froome auf Rang drei verwies. Droste, der seine Stärken »im Zeitfahren und bei flachen und mittelschweren Rennen« sieht, muss nun bei der Schleife durch den Taunus verstärkt auch Kletterqualitäten beweisen. Daran hat das Vereinsmitglied der RV 1904/27 Gießen-Kleinlinden zuletzt gearbeitet, schließlich liegt ihm viel daran, seinem Lebensmotto treu zu bleiben: »Immer das Beste zu geben, Grenzen auszutesten, zu verschieben und neu zu definieren.« Möglich, dass der 22-jährige Gießener im Heizomat-Trikot nach dem 1.-Mai-Rennen seine Grenzen neu definieren muss. Im Vorfeld hat sich unser Redakteur Ronny Th. Herteux mit Jan Niklas Droste über Erwartungen, Ängste und Taktik vor dem »Henninger« unterhalten.

Herr Droste, Sie starten bei »Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt« im Profirennen und sind damit seit langer Zeit der erste heimische Fahrer, der sich dieser Konkurrenz stellt bzw. stellen darf. Wie fühlen Sie sich?

Droste: »Natürlich ist es toll, am Mittwoch mit Fahrern wie Tony Martin, John Degenkolb und vielen anderen Rennen zu fahren! Ich durfte nun schon zweimal im U-23-Rennen mitfahren und bin jetzt sehr gespannt, wie es beim ›großen Henninger» läuft.«

Die nationalen Konkurrenten an der Startlinie heißen unter anderem Gerald Ciolek, Tony Martin, Andre Greipel, 2011-Sieger John Degenkolb, Jens Voigt und Fabian Wegmann (Sieger 2009, 2010). Ist das bislang ihr am höchsten einzustufender Klassiker?

Droste: »Definitiv! Ich konnte im vergangenen Jahr bei den deutschen Profimeisterschaften nach meiner guten ersten Saisonhälfte mitfahren. Das war schon richtig cool. Mit einem solchen Starterfeld hatte ich es aber noch nie zu tun!«

Wie schaut die Taktik des Teams Heizomat aus? Sollen in frühe Ausreißergruppen, die es immer wieder gibt und die natürlich auch für reichlich Fernsehpräsenz sorgen, Fahrer mitgehen?

Droste: »Ich denke, wir müssen damit rechnen, dass wir am Ende des Rennens keine ganz große Rolle mehr spielen können. Dass es nicht möglich ist, will ich gar nicht sagen, aber die Konkurrenz ist einfach weltklasse. Wenn wir ein gutes Rennen fahren und auch ich als ›Lokalmatador» ein paar Akzente setzen kann, sind – so denke ich – alle zufrieden. Wie das taktisch aussehen könnte, dass wird sich unser sportlicher Leiter bestimmt gut überlegen ...«

Klar, dass sie im Vorfeld keine taktischen Answeisungen ihres Teams Heizomat preisgeben dürfen. Dennoch: Nicht nur 23 Teams mit 184 Profis aus fünf Kontinenten sind am Start, auch die Streckenlänge von 200 km wird ihren Tribut zollen. Ist das Ihr erstes Rennen über eine solche Distanz – und, jetzt kommen wir noch einmal auf die Taktik zurück, wie könnte Ihre persönliche Renngestaltung ausschauen?

Droste: »Zum Glück konnte ich schon mehrmals Rennen im Bereich um 200 km Distanz fahren. Ich habe zu Saisonbeginn in Kroatien viele lange und harte Rennkilometer sammeln können. Trotzdem werde ich versuchen, so lange wie möglich ein paar ›Körner» für die Rampen am Ende des Rennens zu sparen. Als schwerer Fahrer mit cirka 80 kg tun mir aber die Berge im Taunus schon weh.«

Wie haben Sie sich auf dieses Rennen vorbereitet bzw. sind sie auch Streckenteile im Vorfeld abgefahren?

Droste: »Ich habe diesen Winter versucht, an meinen Schwächen im Bergfahren zu arbeiten. Das hat sich bis jetzt auch sehr gut ausgezahlt. Die Strecke abzufahren hatte ich die letzten Wochen immer wieder vor – mit Semesterbeginn und den vielen Renneinsätzen bin ich dann aber leider nicht dazu gekommen.«

Vor welcher Stelle bzw. vor welcher Rennsituation haben Sie den größten Respekt? Die Mammolshainer Höhe vielleicht mit 26 Prozent Steigung oder der Feldberg?

Droste: »Grundsätzlich muss man sagen, dass bei einem solchen Rennen jeder Teil Respekt erfordert. Bis jetzt tat mir aber tatsächlich der Mammolshainer Stich am meisten weh. Gut, dass dort immer eine so phänomenale Stimmung ist und auch der ein oder andere Gießener steht und mich anfeuert.«

Es ist der 1. Mai, gegen 17 Uhr. Was müsste passiert sein, damit sie vollauf zufrieden sind?

Droste: »Ich bin nicht gestürzt, konnte auf der Schlussrunde um die Alte Oper die letzten Rennkilometer beenden, habe einen tollen Tag auf dem Rad gehabt und das Heimpublikum hat für gute Stimmung gesorgt. Alles weitere sehen wir am Mittwoch.« (htr/Foto: Labrentz)

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