Sport-Mix

Gnädige Eisheilige bei der 104. Gießener Pfingstregatta

16. Mai 2016, 21:43 Uhr
Kult an der Lahn: Die Pfingstregatta zieht die Zuschauer in ihren Bann – hier der Achter der Rgm. Gießener RG/Gießener RC Hassia /Weilburger RV mit Marc Weber, Nils Braden, Christian Köhler, Daniel Hartmann, Paul Itting, Fabian Kröber, Michael Wieler, Ulrich Köhler und Steuerfrau Aline-Tabea Bruchmeier. (Foto: Friedrich)

Die drei Eisheiligen waren gnädig gewesen, ab und zu schickten sie zwar einen kleinen Schauer – und am Sonntagmittag auch mal einen Hagelsturm –, vor allem am Montag blieb es aber links und rechts der Lahn trocken, die Temperaturen waren nach den warmen Tagen zuvor schon recht »knackig«, so um die 24 Grad – wenn man die des Mittags und des Abends des jeweiligen Tages addierte.

So war auch Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz warm eingepackt, als sie am Sonntag den Preis der Stadt Gießen den Siegern von der Renngemeinschaft Mainzer RV und Limburger CW im Vierer ohne Steuermann überreichte. »Die Pfingstregatta ist ein sportlicher Höhepunkt in Gießen«, erklärte Grabe-Bolz. Beck gefielen diese Worte sicherlich. Er hatte mit seinen Mitstreitern Sebastian Meyer und Stefan Laertz (alle vom Regatta-Verein Gießen) sowie den vielen Helfern wieder mal eine toporgansierte Regatta auf die Beine gestellt – die 104. Auflage übrigens. Über 1700 Aktive mit ihren Booten zu betreuen – das muss logistisch erst einmal gelöst werden. Chapeau!

Natürlich ging Becks Dank an alle, die tatkräftig zum Gelingen mitgeholfen hatten. »Wir haben keine Ausfälle zu beklagen, alle waren sehr diszipliniert und haben einen tollen Job gemacht. Es war eine wunderbare Regatta.« Ihm und seinem Team ist es wieder gelungen, auf der einen Seite die Tradition zu erhalten und auf der anderen für sportliche Begeisterung bei den Teilnehmern zu sorgen.

Lockere »Boygroup«

Waren die zahlreichen Zuschauer an beiden Seiten der Bootshäuser der Gießener RC Hassia und der Gießener RG gerade am Sonntag- und Montagnachmittag den Temperaturen entsprechend angezogen, nahmen es die Sportler schon ein wenig lockerer. Drei des knapp unterlegenen Vierers ohne Steuermann der Gießener RG, Felix Weber, Christian Derendinger und Johannes Brück (Nico Weber fehlte), kamen in kurzen Hosen mit Shirt und Badelatschen übers Wehr geschlendert. Sie starteten beim Preis der Stadt Gießen als Junioren in der Männerklasse und waren mit Platz zwei zufrieden. »Wir hatten nach dem Start leichte Steuerprobleme«, konstatierte der 17-jährige Gießener Felix Weber. Sie fanden aber letztlich den Rhythmus. Alle starteten auch am Montag noch in verschiedenen Bootsklassen, wobei sich die »Boygroup« natürlich auf den Abschluss am Montag im Achter um den Hessen-Preis freute. In den beiden Booten wurde bunt gemischt, um neue Kombinationen zu testen, damit dann die best harmonierende Crew für den Start am 28. Mai in die 2. Bundesliga in Frankfurt gefunden wird. Das Saisonziel ist Aufstieg in Liga eins.

Silke Brandt souverän

Noch eine Stufe höher war Silke Brandt (früher Günther) 16 Jahre aktiv – sie betrieb Hochleistungssport. Die aktuell für die Hassia startende 39-Jährige war jahrelang ein fester Bestandteil des Deutschland-Achters der Frauen. Die mehrmalige deutsche Meisterin (damals für die RG Rotation Berlin) und Weltmeisterin (1994 mit den Junioren und 2003 mit dem Damen-Team) sicherte sich in souveräner Manier den Sieg im Einer um den Liebig-Preis. Auf der Hassia-Seite plauderte die in Hungen lebende und seit letztem Sommer verheiratete gebürtige Ostberlinerin aus ihrem Leben. Nach ihrer aktiven Zeit verschlug es sie beruflich nach Wetzlar. Dort arbeitet sie in der Rittal-Arena als Ticketmanagerin. Seit 2011 rudert sie für die Hassia.

»Eigentlich starte ich im Drachenboot. Rudern mache ich nur noch nebenbei«, so Brandt. Dass sie ihr Handwerk noch versteht, zeigte sie deutlich im Frauen-Einer. Ihr Trainingspensum aus ihrer Hochzeit hat sie natürlich drastisch reduziert. Von 25 Stunden in der Woche auf rund zehn, erklärte die ehemalige Olympiateilnehmerin von 2004 in Athen. Das Abtrainieren sei aber sehr wichtig für ihren Körper, nach dem Ende der Karriere hatte sie zu wenig gemacht und sofort Probleme bekommen.

Ein weiterer Höhepunkt war am Montag – dem Tag der Sprintrennen über 350 m – der Doppelvierer der Frauen. Aline-Tabea Bruchmeier, Lynn Jessen, Lisa Gerß und Mara Weber von der Renngemeinschaft GRG, Weilburg und Lübeck sicherten sich die 400-Euro-Prämie vom Sponsor Sparkasse Gießen.

Zuvor erhielt Dr. Roland Zander aus den Händen von Landrätin Anita Schneider den Ehrenbrief des Landes Hessen. Zander war darüber sehr überrascht, weil die Auszeichnung bis zur Übergabe vor ihm geheimgehalten wurde. »Ich wusste davon gar nichts!« Dabei war die Prominenz aus Wirtschaft und Politik zugegen, sodass der Geehrte viele Hände schütteln musste. Auch die von Ingo Dienstbach, dem Vater des ehemaligen GRG-Aushängeschilds Paul Dienstbach. Der Ex-Weltmeister im Vierer ohne ist nun Richter in Frankfurt und »verknackt die Straftäter«, so Vater Dienstbach.

Zander hatte die Gießener RG 28 Jahre maßgeblich geprägt. Im März diesen Jahres wurde der hohe Funktionär zum Ehrenvorsitzenden der GRG ernannt. Seine zuletzt ausgeübte Funktion als Vorsitzender der Öffentlichkeitsarbeit übernahm Christopher Nübel, der bei der Regatta gleich mehrere Aufgaben ausführte: mal als Live-Reporter aus dem Boot von der Strecke, mal als Ansager und letztlich sogar als Aktiver. Beim Abschluss um den Hessen-Preis ruderte er im Gießener Achter und siegte. Nübels Fazit im Anschluss daran: »Wir müssen bis zum Saisonstart noch eine Schippe drauflegen.«

Mit Spannung wurden zudem die Einer-Rennen um den Lahn-Pokal am Sonntag erwartet. Dabei konnte Michael Wieler von der GRG im Zwölfer-Feld seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen. Nach einem kraftraubenden Halbfinale musste er aus gesundheitlichen Gründen aufs Finale verzichten. Das dominierte sein Konkurrent Marc Weber (Hassia Gießen), der sich den Wander-Pokal holte. Dem Vize-Junioren-Weltmeister im Doppelvierer wird eine erfolgreiche Zukunft prophezeit. Wolfgang Gärtner

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