Landesturnfest: Das war's! War's das?

Seit Sonntag ist das Landesturnfest in Gießen auch schon wieder passé. Fünf Tage Sport satt. Sportredakteur Ronny Th. Herteux vermisst die vielen lebensfrohen, jungen Gesichter in der Stadt schon jetzt. Er befürchtet, dass das besondere Flair schon bald wieder "business as usual" weichen muss. Ein Kommentar.
18. Mai 2015, 06:39 Uhr

Wenn zu später Stunde noch die Lichter in den Schulen leuchten, dann wird nicht zwangsläufig nachgesessen oder -geschrieben. Nein, dann ist Turnfest. Kleine Grüppchen, eingepackt in Sportanzügen und bepackt mit Sporttaschen, dazu mit jeder Menge guter Laune ausgestattet, schlendern durch die Straßen, zeigen sich gleichermaßen interessiert wie aktiv, grüßen und lassen sich gern in Gespräche verwickeln. Sie sind ein angenehmer Kontrast zu dem, was einem auf unseren Straßen immer öfter zu widerfahren droht.

In der bis auf den letzten Platz bestzten Sporthalle Ost stürmt am Freitagabend das vielbeschworene Gemeinschaftsgefühl einem Höhepunkt zu. Es ist ein Hort frei von Egoismen und Egomanen. Auf den Tribünen wird gefeiert, hinter den Kulissen fleißig gewerkelt. Und auch wenn sich der Beginn derTurnfest-Gala verzögert, die Antwort lautet klipp und klar: feiern wir uns einfach selbst und machen die La-Ola-Welle.

Das Lebensgefühl wird wohl wieder weichen müssen

Das Landesturnfest in Gießen hat in die Schulen und Sportstätten und ganz besonders in den Stadtpark Wieseckaue ein Lebensgefühl gebracht, das, so steht zu befürchten, alsbald wieder dem "busiess as usual" wird weichen müssen. Es ist auch nicht immer Urlaub, Ferien und eitel Sonnenschein. Und doch. Turngau-Vorsitzende Ingrid Hubing freute sich am Sonntag betonen zu können, dass es in und um "ihre" Friedrich-Ebert-Schule herum, in der 300 übernachtende Turnfest-Teilnehmer untergebracht waren, selten so sicher und sauber gewesen war.

Vier Bildergalerien zum Landesturnfest finden Sie hier. 

Und so wurde während der Turnfest-Tage immer wieder das Gemeinschaftsgefühl herausgestrichen. Gemeinsam sind wir stark. Gemeinsam sind wir für alle da. Gemeinsam gehen wir durch dick und dünn. Für Ellbogen, egomanes Machogehabe oder Aggressionen war auf dem Turnfest kein Platz. IN den Hallen und Stadien herrschterespktvolles Miteinander, wobei immer wieder die Leistung anderer gewürdigtwurde. Dokumtiert durch anerkennenden Applaus, durch Anfeuerungsrufe - aber auch durch tröstene Worte nach einem verpatzten Vortrag. Von Schadenfreude keine Spur, es wurde miteinander gesprochen, diskutiert, es wurden Erfahrungen ausgetauscht und Tipps an die Hand gegeben.

Wie ein Wettkampftag beim Landesturnfest ablief, sehen Sie hier im Video

Wir wissen und spüren es, dass in der immer stärker durchgetakteten und überwachten Arbeitswelt und selbst schon an Schulen und Universitäten der Kampf um Macht und Einfluss vorherrscht. Und nicht nur im Profisport wird nach jeder Saison Bilanz gezogen und aussortiert. Der Trainer und ein Teil der Mannschaft werden vo Hof gejagt, neues Material wird eingekauft in der Hoffnung, dass alles besser wird. Erfolg lässt sich allerdings nicht beliebig und aufhörlich steigern, dennoch geht vieles seinen gewohnten Gang. Reflexion? Fehlanzeige, keine Zeit.

Es wäre allzu schön, wenn sich wenigstens der Geist des Turnfestes, also die Art und Weise des Miteinanders, durchsetzen und manifestieren könnte. Als Gegenentwurf zur immer stärker zersplitternden Gesellschaft. 

Alle "heimischen" Ergebnisse vom Landesturnfest und viele weitere Geschichten rund um das Fest lesen Sie in der gedruckten Montagausgabe der Gießener Allgemeinen Zeitung oder im E-Paper.

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