Nach dem FSV-Rückzug: »Machtwechsel bahnt sich an«

08. April 2014, 18:38 Uhr
Schön war die Zeit… Den »Hessenliga-Kreisel« des FSV Fernwald wird es in der Zukunft nicht mehr geben.

Schade finden es natürlich alle Befragten, dass Hessenliga-Fußball künftig nicht mehr im Fußballkreis Gießen gespielt wird. Stefan Hassler, Trainer des Verbandsligisten VfB 1900 Gießen, der 17 Monate lang als Trainer des FSV Fernwald (damals noch unter dem Namen FSV Steinbach) bedauerte, dass es in den Vereinen in Mittelhessen nicht gelungen sei, an einem Strang zu ziehen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Der FSV will nun sein Augenmerk auf die Jugendarbeit richten und später darauf den Spielbetrieb aufbauen. Dieses Modell sieht Hassler nicht ohne Skepsis, weiß er doch, wie schwer es ist und welchen Einsatz es erfordert, im Jugendbereich etwas aufzubauen, wie zum Beispiel die TSG Wieseck. Stefan Hassler sieht die Zukunft eines leistungsstarken Amateurfußballs in Mittelhessen »in einer Bündelung der Kräfte«. Von daher wäre eine Kooperation von Vereinen in und um Gießen unter Beteiligung des FSV Fernwald und des VfB 1900 Gießen eine vernünftige Maßnahme. Dabei könnten die Resourcen beider Vereine, gegebenenfalls auch die anderer Klubs, genutzt werden. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte der FSV finanzielle Engpässe ausgemacht, die durch den erhöhten finanziellen Einsatz vorhandener Sponsoren überwunden werden konnte. Diesmal allerdings ist das offensichtlich nicht möglich bzw. nicht gewollt. Während Daniyel Bulut, der drei Jahre lang als Trainer beim FSV tätig war, den FSV-Verantwortlichen Respekt zollt, kritisiert Niko Semlitsch, ehemaliger Bundesliga-Profi aus Steinbach und beim FSV früher in verschiedenen Funktionen tätig, dass die Fernwälder ihrer Linie, in erster Linie mit heimischen Talenten zu arbeiten, untreu geworden ist.

Henry Mohr, Kreisfußballwart im Sportkreis Gießen: »Das ist eigentlich ein Prozess. Ich wundere mich darüber, dass nicht mehr Mannschaften aus der Hessenliga ihre Mannschaft zurückziehen. Die Kluft zwischen den Profivereinen und den Amateurklubs wird immer größer. Irgendwann spielen die auch in der Hessenliga aus Spaß an der Freude. Man hat das ja auch in der Vergangenheit gesehen, als kaum ein Hessenligist in die Regionalliga aufsteigen wollte. So kommt jetzt auch der KSV Baunatal mit Pauken und Trompeten zurück. Mir tut das natürlich für den Fußballkreis Gießen leid, dass wir in der kommenden Saison nicht mehr in der Hessenliga vertreten sind. Doch was soll man machen? Wenn keine Gelder da sind, sind keine Gelder da. Es gibt Verlierer, aber auch Gewinner. Das wird immer so sein. So haben andere Vereine die Chance, für weniger Geld als bisher an Spieler heranzukommen.«

Stefan Hassler, Trainer des Verbandsligisten VfB 1900 Gießen: »Dem FSV Fernwald ist das Gleiche passiert wie uns vor 13 Jahren. Auf jeden Fall bahnt sich ein Machtwechsel an. Andere Mannschaften können vom Rückzug des FSV Fernwald profitieren, wir allerdings nicht so sehr, denn wir haben ja fast alle Positionen besetzt. Ich glaube, dass der gehobene Amateurfußball nur dann eine Chance hat, wenn man die Kräfte bündelt. Daher verstehe ich nicht, dass sie das nicht mit uns gemacht haben.«

Daniyel Bulut, von 2010 bis 2013 Trainer des FSV Fernwald: »Dieser Entscheidung ist bedauerlich, auch wenn ich sie nachvollziehen kann. Der Verein liegt mir immer noch sehr am Herzen, er war mir wie ein Zuhause. DEr Rückzug des FSV ist auch schade für die Region. Vor wenigen Jahren hatten wir hier vier Hessenligisten und im nächsten Jahr keinen. Das kann sich aber als ein Vorteil für andere Vereine herausstellen, denn die Spieler werden ja nicht mit dem Fußball aufhören. Der FSV Fernwald war schon ein besonderer Verein, er war unglaublich gut organisiert. Es wird den Spieler sicherlich auch leidtun, so wenig Leistung zu bringen wie zuletzt. Freuen werden sich die Spieler nicht, wenn sie sich einen anderen Verein suchen. Es wäre gut für die Mannschaft gewesen, wenn sie Dankbarkeit in Form von Leistung abgerufen hätte. Es zeugt aber vom Charakter der Leute in der Führungsebene des FSV Fernwald, dass sie diese Entscheidung jetzt getroffen haben, denn so haben die Spieler Zeit und Gelegenheit, sich einem anderen Verein anzuschließen. Es ist auch gut, wenn ein Verein sagt: ›Wir können nicht mehr.» Das macht nicht jeder Es gibt Vereine, die machen Versprechungen, die sie dann nicht einhalten. Das ist beim FSV Fernwald nicht vorgekommen.«

Niko Semlitsch, ehemaliger Spieler, Trainer und Sportlicher Leiter beim FSV, derzeit Trainer beim FC Turabdin/Babylon: »Ich finde es schade, wenn man so etwas macht. Entweder ich steige sportlich ab oder ich versuche, die Klasse zu halten. Vor der Winterpause hole ich einen neuen Trainer und auch zwei neue Spieler. Ein halbes Jahr später habe ich kein Geld mehr für eine weitere Saison – das versteht nicht jeder. Dabei war der FSV auf einem guten Weg, hat vier Jungs aus Wieseck geholt. Das war eine vernünftige Basis. Jetzt holte man einen Trainer aus Offenbach, und der brachte vier Spieler mit, Damit lockt man doch keine Zuschauer nach Fernwald. Es wäre besser gewesen, der FSV hätte seine Linie beibehalten.«

Hessenligist FSV Fernwald zieht Team zurück

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